Stammzellen-Spende
: 32-Jährige aus dem Kreis Göppingen rettet das Leben eines Kleinkinds

Eine Notfallsanitäterin aus Uhingen nimmt für eine Knochenmarkspende eine OP auf sich. Vier Jahre später lernt sie das gesunde Mädchen im Ruhrgebiet kennen. Es gibt ein Wiedersehen.
Von
SWP
Uhingen
Jetzt in der App anhören
Knochenmarkspende Lisa und Masal

Zwischen ihnen gibt es eine ganz besondere Verbindung: Lisa (32) rettete der heute sechsjährigen Masal mit einer Knochenmarkspende das Leben.

DKMS
  • Lisa (32) aus Uhingen rettete 2021 mit einer Knochenmarkspende das Leben der einjährigen Masal.
  • Die Spende erfolgte unter Vollnarkose, Lisa fühlte sich von der DKMS gut betreut und informiert.
  • Im Frühjahr 2025 treffen sich Lisa und die mittlerweile gesunde sechsjährige Masal erstmals persönlich.
  • Die Familie dankte Lisa herzlich, nannte sie ihren „Engel“ und lud sie in ihr Zuhause ein.
  • Sechs weitere Spenden entstanden durch die Aktion, die Masal geholfen hat – eine Chance für Blutkrebspatient:innen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war ein Schock für die Familie. Im Frühjahr 2021 wird bei der einjährigen Masal aus Dortmund eine akute myeloische Leukämie festgestellt. Das ist lebensbedrohlich, das Mädchen braucht eine Stammzellspende. Die Eltern wenden sich an die DKMS, die Stammzellenspender vermittelt, wenn es sie denn gibt. Für Masal wie für alle anderen Betroffenen müssen es passende Stammzellen sein. Nicht weniger als 1800 Menschen folgen dem Hilferuf der DKMS und der Familie, sich registrieren zu lassen. Nach wenigen Monaten kommt die erlösende Nachricht: Ein passendes „Match“ wurde in der DKMS Datei gefunden. Lisa, Notfallsanitäterin aus Baden-Württemberg. So schildert die DKMS diese Geschichte. Und erzählt weiter.

Menschen zu helfen, liegt der Notfallsanitäterin im Blut

Die 32-jährige Knochenmarkspenderin, die in Uhingen im Kreis Göppingen lebt, ließ sich bereits 2016 registrieren. Mehrfach war ihr die DKMS schon über Social Media begegnet. „Die Registrierung ist eine kurze, einfache Sache, wo ich etwas tun kann. Warum also nicht“, dachte sich Lisa. Als sie fünf Jahre später für eine Spende angefragt wird, steht sie kurz vor ihrem Examen als Notfallsanitäterin. Deshalb nicht zu spenden kommt ihr nicht in den Sinn. „Wenn ich den Aufruf bekomme, muss es dem Menschen ja schon schlecht gehen. Ich mache das, wenn ich gebraucht werde“, sagt sie sich. Menschen zu helfen, das liegt ihr ja als Notfallsanitäterin im wahrsten Sinne des Wortes im Blut.

Sie muss dazu Knochenmark spenden, unter Vollnarkose. Das ist eine OP, die heutzutage nur noch in zehn Prozent der Fälle infrage kommt, erläutert die DKMS. Die Notfallsanitäterin will helfen. „Ich habe ja nichts, was dagegen spricht, es nicht zu tun“. Nach der Prozedur hat sie keine großen Schmerzen. „Es war absolut aushaltbar“, sagt sie. Im gesamten Spendeprozess  fühlte sie sich laut der DKMS gut aufgeklärt, begleitet und betreut. Als sie dann erfährt, dass ihre Spende einem Kind zugutekommt, freut sie sich besonders. Symbolisch lässt Lisa sich nach der Spende eine Sanduhr auf den Unterarm tätowieren. Sie steht dafür, dass sie einem Kind wertvolle Zeit schenken konnte.

Aus dem Kontakt wird ein Besuch

Was dann geschah: Es findet ein anonymer Briefkontakt statt. Masals Eltern bedanken sich bei Lisa und geben Updates zu Masals Genesung. Nach zwei Jahren tauschen beide Seiten die Adressen aus. Die Familie möchte Lisa persönlich kennenlernen und auch Lisa freut sich zu erfahren, wer das Mädchen ist, das durch ihre Stammzellen-Spende gesund wurde. Von Mutter Zilfi erfährt sie über WhatsApp viel über Masal.

Der große Moment kommt im Frühjahr 2025. Lisa fährt mit ihrer Partnerin Michaela ins Ruhrgebiet, um Masal und ihre Familie kennenzulernen. Bei der Ankunft stehen schon alle vor der Tür und schließen Lisa in die Arme. „Das war eine außerordentliche Gastfreundlichkeit, die mir und meiner Partnerin entgegengebracht wurde“, erzählt die Uhingerin berührt. Sie sieht Masal, gesund und heute sechs Jahre alt. Die sucht sofort ihre Nähe und will ihrer Retterin alles zeigen, mit ihr spielen, schaukeln, radfahren und rumtoben. Lisa, so schreibt die DKMS, hat an diesem Wochenende eine kleine Freundin und eine Schwester dazugewonnen. Immer wieder drückt die Familie ihren Dank aus und verwöhnt Lisa und Michaela mit türkischen Köstlichkeiten. „Das war schon sehr überwältigend. Vor allem, als die Mutter immer wieder betonte, dass ich jetzt immer ein zu Hause bei ihrer Familie habe“, sagt Lisa.

„Lisa ist unser Engel“

Für Lisa fühlte sich das Treffen zunächst etwas fremd an, weil man sich ja zuvor kaum kannte. Dann auch wieder nicht, weil sie sofort so herzlich in die Familie aufgenommen wurde. „Ich fand es schön, die Kleine zu treffen, sie kennenzulernen und vor allem zu sehen, dass sie gesund ist. Auch die kulturellen Einblicke und die warmherzige Aufnahme in die Familie waren überwältigend“.

Aktuell ist die Uhingerin sehr ausgelastet, sie hat zu ihrem Beruf auch noch ein Studium begonnen. Berufsbegleitend studiert sie „Physian Assistance“, um als medizinische Assistenz Ärzte bei der Notfallversorgung von Patienten zu unterstützen. Jedoch ist sie sich sicher, dass es ein baldiges Wiedersehen geben wird. Vielleicht in Baden-Württemberg, um Masal und ihren Eltern auch ihre Heimat zu zeigen.

Lebenschancen auch für andere

Aus der Aktion für Masal sind bis heute bereits sechs Spenden hervorgegangen, kann die DKMS berichten. Das seien sechs Lebenschancen für betroffene Blutkrebspatientinnen und Patienten weltweit, die im besten Fall wie Masal eine Zukunft bekommen haben und mit ihren Liebsten zusammen sein dürfen. Wer sich jetzt registrieren lassen möchte: dkms.de/christmas

Familie

Alles, was Eltern beschäftigt und für Kinder wichtig ist, sammeln wir für Sie auf dieser Seite. Wir gehen den Facetten der modernen Erziehung auf den Grund, schreiben darüber, ob und wie Familie und Beruf vereinbart werden können und beantworten mit Experten, Ärzten und Beratern die Alltagsfragen vieler Eltern.