Städtepartnerschaft zwischen Göppingen und Pessac: „Freundschaft ist eine Entscheidung“

„On se fait la bise“: Auf französisch haben sich der Bürgermeister von Pessac, Franck Raynal, und der Göppinger Rathauschef Alex Maier vor dem Beginn des Festakts vor dem Rathaus von Pessac begrüßt, links von ihnen ist Annemarie Schewe vom Verein „Freunde Göppingen - Pessac“ zu sehen.
Helge Thiele- Göppingen und Pessac feiern 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Festakt und Veranstaltungen in Pessac.
- Bürgermeister Alex Maier betonte Freundschaft als Entscheidung für Vertrauen und gegen Hass.
- Franck Raynal hob die Bedeutung von Städtepartnerschaften für Völkerfreundschaft hervor.
- Programm: Konzerte, Besichtigungen und Jubiläumskuchen; Delegation aus Göppingen zu Besuch.
- Nächster Anlass: Jugendbegegnung und Konzert am 19. Oktober in Göppingen, Eintritt frei.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieser 25 Jahre: dass das große Europa nur funktioniert, wenn wir es im Kleinen leben. Wenn wir nicht darauf warten, dass jemand in Brüssel, Berlin oder Paris Europa rettet, sondern wenn wir selbst - in Pessac, in Göppingen, in unseren Schulen, Rathäusern, Vereinen - die Idee verteidigen, dass man sich die Hand reicht, selbst wenn man nicht immer einer Meinung ist.“ An dieser und anderen Stellen in der Rede des Göppinger Oberbürgermeisters Alex Maier brandete auf dem Platz vor dem Rathaus in Pessac am Samstagabend Beifall auf. „Die Freundschaft ist kein Gefühl. Sie ist eine Entscheidung. Eine Entscheidung gegen Angst. Eine Entscheidung gegen Hass. Eine Entscheidung für das Leben“, sagte Alex Maier. Der Göppinger OB dankte der Bevölkerung in Pessac für die Gastfreundschaft, das Vertrauen und das Herz. Und einige derjenigen unter den Zuhörerinnen und Zuhörern, die im Jahr 2000 dabei und beteiligt waren, als die Städtepartnerschaft Göppingens mit den ersten Unterschriften in Pessac begründet wurde, hatten Tränen in den Augen.

Das illuminierte Rathaus von Pessac: ein historisches Gebäude, das mit einem modernen Anbau kombiniert wurde.
Helge Thiele„Unsere Freundschaft basiert auf gemeinsamen Werten“, betonte Maiers französischer Amtskollege, Franck Raynal. Die Zivilisationen seien sterblich, sagte Raynal. Umso wichtiger sei es, „zu jedem Zeitpunkt und für immer mit ganzer Kraft daran zu arbeiten, dass die Beziehungen bestehen bleiben“. Die Vergangenheit mit den verheerenden Kriegen zwischen beiden Völkern sei vorbei, seit dem Vertrag von Paris von 1963 wisse man, dass wir heute Brüder und Schwester haben, die „unsere Freunde auf der anderen Seite des Rheins sind“. Raynal, der im Hauptberuf als Krankenhausdirektor in Pessac tätig ist, zitierte den französischen Publizisten und Außenpolitiker Alexis de Tocqueville (1805 - 1859), der gesagt habe, dass in einer demokratischen Gesellschaft „jede neue Generation auch ein neues Volk darstellt“. Jede Generation sei deshalb auch ein „Neuanfang“, argumentierte Tocqueville, und jede Generation habe die Möglichkeit, die Gleichheit neu zu definieren und sich zwischen Freiheit oder Knechtschaft, Bildung oder Barbarei zu entscheiden. Raynal erklärte, auch wenn die Regierungen eine große Rolle bei der Annäherung der Länder hätten, so komme es doch vor allem auf die Annäherung der Völker, der Städte und insbesondere der jungen Menschen an, um den Willen zur Freundschaft Wirklichkeit werden zu lassen.
Von Freitagabend bis Sonntag war eine 15-köpfige Delegation der Stadt Göppingen – darunter neun Stadträte – nach Pessac gereist, um das 25. Jubiläum der Partnerschaft zwischen beiden Städten zu feiern. Es gab ein Konzert der Brass Band „Graves de Pessac“, einen Empfang im Rathaus, ein Chorkonzert mit dem Ensemble vocal Chantenoës und mehrere Jubiläumskuchen, die gemeinsam angeschnitten wurden. Mit dabei waren auch viele Mitglieder des Vereins „Freunde Göppingen-Pessac“. Erwin Abele vom Vorstand hatte beim Festakt auf unterhaltsame Weise auf die gegenseitigen Einflüsse von französischer und deutscher Sprache hingewiesen.
Die Gäste aus Göppingen besichtigten am Jubiläumswochenende unter anderem die junge Hightech-Firma „Olikrom“, das weltberühmte Weingut „Pape Clement“, das mit seinen Rebflächen mitten in Pessac liegt, und das nach den Entwürfen des Architekten Le Corbusier in den 1920er Jahren entstandene Wohnquartier „Cité Frugès“, das seit 2016 zum Weltkulturerbe gehört. Auch ein Ausflug mit der Straßenbahn nach Bordeaux stand auf dem Programm.
Die Partnerschaft lebendig halten
Die wichtigste Botschaft des Wochenendes lautete, weiterzumachen und die Partnerschaft zwischen Göppingen und Pessac mit ihrem regen Austausch lebendig zu halten, für die nächsten 25 Jahre – und weit darüber hinaus. Weiter geht es schon am kommenden Wochenende mit einer besonderen Jugendbegegnung: Am Sonntag, 19. Oktober, findet um 17 Uhr in der Göppinger Stadthalle, das Partnerschaftskonzert des „Orchestre Symphonique de l'Ecole de Musique de Pessac“ und des Göppinger Jugendsinfonieorchesters statt. Der Eintritt ist frei.












