Kaum kann das Baby krabbeln, werden herumliegende Smartphones und Fernbedienungen schnell zu Objekten der Begierde. Wischen und Knöpfe drücken ist schneller gelernt, als den Löffel richtig zu halten. Schon von klein an beobachten Kinder, dass Bildschirmmedien zum Alltag gehören. Gleichzeitig herrscht bei vielen Eltern Verunsicherung, wenn es darum geht, welche Rolle Bildschirmmedien im Leben der Kinder einnehmen sollen. Die Sozialpädagogin Carola Leonhardt gibt Hilfestellung und realitätsnahe Empfehlungen.
Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung empfiehlt für Kinder unter drei Jahren komplette Bildschirmabstinenz und Hörmedien höchstens 30 Minuten am Tag. Von drei bis sechs Jahren sollten Fernsehen, DVD, Video, Computer, Smartphone Spielekonsolen und Tablets zusammen höchstens 30 Minuten täglich genutzt werden, von sechs bis zehn Jahren zusammen höchstens eine Stunde. Carola Leonhardt, selbst Mutter von drei Kindern, gesteht: „Die Lebensrealität sieht anders aus“, auch in ihrer Familie.
Unterschiedliche Studien und Aussagen verunsichern die Eltern. Während der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer sicher ist, dass Medien Kinder dumm, dick, aggressiv, einsam und krank machen, betonen Medienpädagogen die Chancen digitaler Medien, Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx meint sogar, dass Computerspiele für die moderne Wissensgesellschaft unerlässlich sind und die Nutzer schlauer machen. „Die Eltern müssen neben der Nutzungsdauer vor allem die Inhalte im Blick haben“, erklärt die Sozialpädagogin. Sie empfiehlt, den Alltag zu strukturieren und Regeln zu vereinbaren. Dazu gehört das Stecken von Zeitrahmen. Streamingdienste und Mediatheken machen es möglich, Zeitpunkt und Inhalt auszusuchen.
Sie macht deutlich: „Kleine Kinder können nicht abstrahieren. Für sie ist alles echt. Spannung wird oft schlecht ausgehalten, und oft reicht ihre Aufmerksamkeit nicht bis zum Happy End. Dann bleiben sie gefangen in Emotionen, schlafen unruhig oder sind aggressiv. Am besten sind Sendungen, die lebensnah am Alltag der Kinder sind und wenig Spannung haben.“ Hinzuschauen und darüber zu reden, was das Kind mag, ihm gut tut oder Angst macht, sei wichtig.
Ein wichtiger Aspekt sei die Selbstreflektion. „Kinder lernen in allen Bereichen am Modell“ macht Leonhardt deutlich. „Erwachsene sollten auch für sich selbst Regeln wie ‚nicht beim Essen’ und ‚nicht beim Spielen’ aufstellen und es auch vermeiden, ständig zu fotografieren und zu filmen. Die Expertin rät zudem: „Keine eigenen Geräte im Kindergartenalter! Alle Experten sind sich einig, Kindergartenkinder brauchen Vorgaben.“ Medien sollten auch nicht als Belohnung oder Strafe eingesetzt werden.
„Kinder lernen ganzheitlich und brauchen verschiedene Reize“ erklärt Leonhardt weiter. Sehen, hören, spüren, riechen, anfassen, ins Gespräch kommen, Kinder brauchen eine breite Erfahrungsmenge durch verschiedene Anreize und vielfältige Angebote. Freunde, Verein, Unternehmungen – wenn das alles passt, brauchen Eltern kein schlechtes Gewissen haben, wenn die Kinder ab und zu mal länger fernsehen. Wichtiger als die Dauer ist, ob der Inhalt geeignet ist.“
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