Schuler Göppingen
: Pressenbauer schrumpft seinen Erfurter Standort

Wegen zu niedriger Auslastung kündigt Schuler an, das unprofitable Schweißwerk und die mechanische Fertigung in Thüringen abstoßen zu wollen.
Von
Arnd Woletz
Göppingen/Erfurt
Jetzt in der App anhören
Schuler Werk Erfurt Luftaufnahme

Der Schuler-Standort in Erfurt. Das Unternehmen will sich von zwei Unternehmensbereichen trennen.

Schuler

Die Pressemitteilung, die der Göppinger Pressenbauer Schuler am Donnerstagnachmittag verschickte, trug die Überschrift: „Standort zukunftssicher machen“. Dahinter verbirgt sich allerdings die Ankündigung des Mutterunternehmens Andritz, das Werk im thüringischen Erfurt deutlich zu verkleinern. Laut der Pressemitteilung sagte Dr. Joachim Schönbeck, Vorstandsvorsitzender bei Andritz, über das Erfurter Werk mit seinen 380 Beschäftigten: „Derzeit und perspektivisch ist für Schuler eine Auslastung und damit ein profitabler Betrieb nicht möglich.“ Schuler prüfe derzeit den Verkauf der beiden Werksbereiche, die in besonderem Maße von der Unterauslastung betroffen seien: das Schweißwerk und die mechanische Fertigung. „Wir ziehen natürlich die Fortführung unter einer anderen Eigentümerschaft der Schließung vor“, wird Schönbeck zitiert. „Schuler würde dabei als Kunde die Kapazitäten weiterhin nutzen.“

Arbeitsdirektor Thomas Kamphausen, Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Standortleiter Markus Schempp und Chief Operations Officer Dr. Peter Jost (von links).

Arbeitsdirektor Thomas Kamphausen, Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Standortleiter Markus Schempp und Chief Operations Officer Dr. Peter Jost (von links).

Schuler

In der  Pressemitteilung wird auch über den Besuch des thüringischen Wirtschaftsministers  Wolfgang Tiefensee in dem Werk berichtet. Dabei habe der Minister mit Vertretern des Unternehmens diskutiert. Schönbeck wie Tiefensee hätten dabei die Tradition, die hervorragenden Fachkräfte, den hochmodernen Maschinenpark und die optimale Infrastruktur des Werks betont. Als Ergebnis des Gesprächs mit dem Wirtschaftsminister sei vereinbart worden,  dass innerhalb der nächsten zwölf Monate für die Beschäftigten der genannten Bereiche keine Entlassungen vorgenommen werden sollen, teilt Schuler mit. „Diese Zeit wollen wir nutzen, um an einer Perspektive für den Standort zu arbeiten.“

Hoffen auf neue Geschäftsfelder

Wolfgang Tiefensee sagte laut Firmenangaben: „Dass der tiefgreifende Strukturwandel in der Automobilindustrie zu einer Unterauslastung geführt hat, ist bedauerlich. Wir werden jetzt alles daransetzen, um diesen Standort zukunftssicher zu machen – auch weil auf Deutschland im Bereich Elektromobilität und Wasserstoffwirtschaft in den nächsten Jahren industrielle Herausforderungen zu kommen, die den Bedarf an Schwermaschinenbau steigern werden.“ Schuler sehe Möglichkeiten, mit seinen Kompetenzen in diesen Bereichen perspektivisch neue Geschäftsfelder zu entwickeln.

Schuler-Arbeitsdirektor Kamphausen sagte, das Unternehmen freue sich, bei der Suche nach Interessenten auf die Unterstützung des Wirtschaftsministeriums und der Landesentwicklungsgesellschaft zählen zu dürfen.