Über Lerchenberg leuchten keine Sterne an diesem Mittwochmorgen. 3,7 Grad zeigt das Thermometer um 5.15 Uhr. Die meisten Leute schlafen. Nur Leo kläfft, während Landwirt Otto Bildlingmaier seinen Laster volllädt. Er fährt auf den Göppinger Wochenmarkt. Sechs Kilo Ackersalat, Wurzelgemüse in allen Varianten und als Highlight Zu­cker­hutsalat aus eigenem Anbau schiebt der 56-Jährige in seinen Mercedes Atego 816. Seit 4.30 Uhr ist Bidlingmaier auf den Beinen.
Auf dem Schillerplatz duftet es nach süßen Backwaren. Ein italienischer ­Bäcker zwei Häuser weiter begann seine Arbeit schon bevor Bidlingmaier und die anderen Marktleute ankamen. An Croissants will der 56-Jährige aber nicht denken. Er darf jetzt nicht trödeln. Anhänger vom Laster trennen, Laster umparken, den Verkaufsstand auf seine volle Größe bringen. Reine Routine, für die Bildlingmaier nicht mehr viel nachdenken muss.
„Seit 25 Jahren fahre ich jetzt zum Markt und es kam noch nie vor, dass wir unterm Jahr einen Termin auslassen mussten“, erzählt der Lerchenberger. Er habe schon mit Fieber aufgebaut und sei dann halt nach Hause ins Bett gegangen. Lediglich den Mittwoch in Wochen mit Feiertagen lasse er dann und wann sausen.
Im Sommer gönnt sich Bidlingmaier zehn Tage Urlaub, in denen auch der Laster stehen bleibt. „Das muss sein.“ Seine Mitarbeiter schickt er nicht alleine los. An marktfreien Tagen klingelt sein ­Wecker noch früher, um 3 Uhr fährt er dann auf den Stuttgarter Großmarkt zum Einkaufen. Kaki, Maracuja, Ananas, die Auswahl am Stand beschränkt sich nicht nur auf regionale Sorten.
Warum Bidlingmaier und seine Mitarbeiter beim Verkaufen selbst im Winter keine Handschuhe tragen und wie viele seiner Waren an diesem Tag einen Abnehmer finden, lesen Sie am Freitag in der gedruckten NWZ oder im E-Paper.

Ökologischer Landbau erfordert „langen Atem“

Geschichte Der Lerchenberger Hof der Familie Bidlingmaier besteht seit 1539. Derzeit arbeiten und leben dort drei Generationen, die von mehreren Mitarbeitern unterstützt werden. Otto Bidlingmaier übernahm den Hof 1983, seit 1989 arbeitet er nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes und baut ökologische Produkte wie Salate und Gemüse auf dem Feld und im Gewächshaus an.
Ökologie Auf die Frage, warum er ökologischen Landbau betreibt, sagt der 56-jährige Landwirt, er wolle die Lebensgrundlage erhalten. Für ihn bedeutet dies nicht nur Naturschutz. Die Umstellung sei ein finanzielles Risiko gewesen und der Start war holprig: „Man muss einen langen Atem haben.“ Anbau nach den Richtlinien von Bioland ist für ihn der Ausdruck einer Lebensphilosophie. „Ich bereue es nicht. Es ist ein gutes Gefühl.“
Markttage Otto Bidlingmaier verkauft seine Produkte und Zugekauftes in Göppingen am Schillerplatz immer mittwochs und samstags von 7 bis 13 Uhr, in Eislingen am Schloßplatz immer freitags von 8 bis 12 Uhr sowie in Heiningen beim Rathaus von 14 bis 18 Uhr.