Rathausstürme in der Region Schurwald
: Polonaise mit dem Bürgermeister

Beim Rathaussturm am „Schmutzigen Donnerstag“ übernehmen die Narren des Brauchtumsverein Wäschenbeuren in ihrer Gemeinde das Sagen, Bürgermeister Hagenlocher muss seiner Krawatte Lebewohl sagen. Auch in Rechberghausen und Wangen geht es heute rund.
Von
Lilly Allmendinger,
Dieter Kassner
Wäschenbeuren, Wangen, Rechberghausen
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Rathaussturm Rathausstürme Wäschenbeuren

Da ist der Schlüssel weg! Die Narren übernehmen das Zepter in Wäschenbeuren.

Giacinto Carlucci
  • Narren übernehmen am "Schmutzigen Donnerstag" das Rathaus in Wäschenbeuren.
  • Bürgermeister Hagenlocher übergibt nach Protest den Schlüssel und seine Krawatte.
  • Hagenlocher trägt Kapitänsmütze und Erdmännchenkostüm, führt Polonaise an.
  • Große Beteiligung der Gemeinde, inklusive Kindergärten und Altersheim.
  • Weitere Rathausstürme in Wangen und Rechberghausen folgen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor dem Rathaus in Wäschenbeuren hat sich die Gemeinde schon versammelt. Alle Kindergärten, die Stauferschule und Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims sind anwesend, um die Narren des Brauchtumsvereins Wäschenbeuren beim Rathaussturm am „Schmutzigen Donnerstag“, dem 27. Februar, anzufeuern. Cowboys, Prinzessinnen, Wikinger – die Kinder tanzen in ihren bunten Kostümen auf dem Manfred-Wörner-Platz zum Fliegerlied. Dann schlägt der Kirchturm zehn Uhr: „Wir haben heute unseren Spaß mit dem Bürgermeister“, verkündet der Moderator. Drei maskierte Narren verschwinden im Rathaus. „Schuldes, lass des Schaffe sei, jetzt isch Zeit für Narredei!“, ruft die vor dem Rathaus versammelte Gruppe.

Die Narren ergreifen die Macht

Einmal, zweimal, beim dritten Mal geht ein Fenster im ersten Stock auf: Bürgermeister Steven Hagenlocher winkt mit einem großen goldenen Schlüssel, den er den Narren allerdings nicht ohne Protest überlassen will. „Bei so viel Narrenmacht muss sich der Schuldes letztendlich geschlagen geben“, sagt der Bürgermeister schließlich, als ihm vor dem Rathaus seine schwarze Krawatte, abgeschnitten wird. Als „Kapitän“ der Gemeinde, der wie ein Erdmännchen über Wäschenbeuren wacht, wird Hagenlocher von den Narren mit einer Kapitänsmütze und einem Erdmännchenkostüm ausgestattet, das er mit einiger Mühe über seinen Anzug zieht. Als der Bürgermeister selbst eine Polonaise anzettelt, wissen alle: Jetzt sind die Narren an der Macht und es gilt „weniger Akten und mehr Brezeln“ beim Faschingsfrühstück im Rathaus.

  • Rathaussturm Rathausstürme Wäschenbeuren

    So einfach war es dann doch nicht, dem Bürgermeister den Rathausschlüssel abzuluchsen. Die Narren gewannen trotzdem haushoch.

    Giacinto Carlucci
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    Bei der Polonaise waren Groß und Klein dabei.

    Giacinto Carlucci
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    Närrisch unterwegs auch auf zwei Rädern waren diese Fasnetsbesucherinnen.

    Giacinto Carlucci
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Auch in Wangen sind die Narren los

Die Stimmung beim Rathaussturm in Wangen war trotz des nasskalten Wetters prächtig. Dafür sorgten die 25 Mitglieder der Narrenzunft „Forstberghexen Wangen“ mit ihrem ersten Vorstand Frank Lemmert und dem zweiten Vorstand Marcel Kitsch, alle in ihrem traditionellen Häs, das besonders durch die geschnitzten Holzmasken zur Geltung kam. Auch einige Bürger von Wangen ließen es sich nicht nehmen zu beobachten, wie die Narren das Rathaus stürmten, ihre Flagge aus dem oberen Zimmer entfalteten und die Rathauschefin Mary-Ann-Schröder unter großem Applaus vor das Rathaus holten.

Frank Lemmert stellte ihr einige Fragen mit thematischem Ortsbezug. So rang er der Bürgermeisterin das Versprechen ab, dass die Forstberghexen bis zum nächsten Rathaussturm eine eigene Zunftstube bekommen sollen. Da das geplante neue Rathaus von Wangen über drei Millionen mehr kosten wird als geplant, übergaben die beiden Vorstände zur Deckung der Finanzlücke groß gedruckte Geldscheine an Bürgermeisterin Schröder. Leichte Kritik übten sie daran, dass das Rathaus kürzlich zwei Wochen lang geschlossen war, dies aber mit einem humorvollen Augenzwinkern nicht darauf zurückzuführen sei, dass die Chefin im Urlaub auf den Bahamas weilte. Mit dem dreimaligen Narrenruf „Kräftige Forstberg-Hexen!“ übernahm Vorstand Lemmert letztendlich den Rathausschlüssel und damit die Macht in Wangen.

  • Die Hexen haben in Wangen das Zepter übernommen.

    Die Hexen haben in Wangen das Zepter übernommen.

    Dieter Kassner
  • Mary-Ann-Schröder muss Rede und Antwort stehen.

    Mary-Ann-Schröder muss Rede und Antwort stehen.

    Dieter Kassner
  • Das Rathaus gehört ab sofort den Narren und nicht länger Bürgermeisterin Mary-Ann-Schröder.

    Das Rathaus gehört ab sofort den Narren und nicht länger Bürgermeisterin Mary-Ann-Schröder.

    Dieter Kassner
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„Hausa mach nora!“

  • Rathausturm Rathausstürme Rechberghausen Rathaus

    Feierliche Verkündung: Der Schlüssel gehört jetzt den Narren, wie der Schlossgeist Ihim verkündet.

    Giacinto Carlucci
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    Die "Dörnerbude" – ein Wortspiel zu Bürgermeisterin Claudia Dörner.

    Giacinto Carlucci
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    Guggamusik vom Feinsten gab's auch in Rechberghausen.

    Giacinto Carlucci
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    Auch in der "Dörnerbude" kostet Ware bares Geld!

    Giacinto Carlucci
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    Spielen mit dem Gemeinderat: Der Verlierer muss im Sommer beim Nabada mitmachen.

    Giacinto Carlucci
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Punkt 6 geht es los: Lollipops mit grün-weißer Mütze, blau-weiße Rutscher, gelb-blaue Schlossgardistinnen, bunte Torhopfer und das Grafenpaar: alle sind angetreten zur Machtübernahme. Natürlich auch die grünen, die knallgrünen und lautstarkten Rommdreibr, die die Narren vor dem Rathaus in Bewegung bringen. Die Rathaus-Verwaltungsmannschaft samt Bürgermeisterin werden aus dem Schloss geführt, Schlossgeist Ihim hält ihnen die fällige Strafpredigt – und mal ehrlich: so richtige Sorgen hat das schöne Rechberghausen nicht. Einen Kreiselbiergarten fände Ihim passend, bewirtschaftet vom Bäcker und Metzger gleich nebenan, im Sommer auch gerne von den Eismännern und im Winter von den Furchenrutschern, mit Eierpunsch.

Damit halten die Autofahrer auch den Stau rund um den Kreisel besser aus. Dann ist die dran, die den Schlüssel bis Aschermittwoch abgibt, stellt sich mit „Claudi euer Bürgermeisterlein“ vor und ist passend zur „Dörner-Bude“ am Kreisel und vor dem Rathaus in weißer-Döner-Laden-Kluft gewandet. „Extra scharf und fettig“ ist sie, steht jedenfalls auf ihrer Kappe, und hat für Narrenzunft-Chef Michael Schilling und des Grafenpaar was Süßes dabei – Schokoriegel mit Erdnüssen. Mit der großen Politik in Berlin und sonst wo ist sie nicht so zufrieden, hofft und mahnt aber zu „Mut, Zuversicht und Demokratie“. Die bekommt sie direkt, die Mehrheit will ihren Rathausschlüssel. Hausa mach nora.