Menschen in ihrer letzten Lebensphase einen Raum bieten, der ihre „besonderen körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse befriedigt“, dafür steht das Göppinger Hospiz in Faurndau seit fast zehn Jahren. „Im Mai 2013 sind die ersten Gäste eingezogen“, berichtet der Geschäftsführer des Trägervereines „Hospiz im Landkreis Göppingen“, Georg Kolb. „Zwischenzeitlich haben wir über 700 Menschen und ihre Familien begleitet.“
Die acht Plätze in Faurndau seien gefragt, es gebe eine Warteliste. Die Leiterin Marta Alfia muss beinahe täglich Menschen vertrösten. Und beobachtet: „Sie werden immer jünger.“ Eine junge Frau mit 30 Jahren verstarb jüngst, eine Mutter fragte für ihren 23-jährigen Sohn an. „Das stellt uns vor ganz neue Herausforderungen.“ Gerade die jüngeren Gäste wollen so lange wie es irgend geht, in ihrer Familie leben. „Das belastet das gesamte Familiengefüge.“

Platz für 15 Betroffene

Die Kranken wollten den Druck herausnehmen und redeten nicht über ihre Bedürfnisse. Für sie wird der Verein „Hospiz im Landkreis Göppingen“ in Geislingen auf dem ehemaligen Gelände der EVF an der Heidenheimer Straße ein Tageshospiz bauen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Gäste ein bis drei Tage pro Woche betreuen.“ Die sechs Plätze stünden also etwa 15 Betroffenen zur Verfügung. „Wir haben zehn Jahre Erfahrung“, betont Georg Kolb. „Das gibt uns die Kompetenz, uns auf diesem neuen Weg zu bewegen.“
Denn Tageshospize gibt es kaum – das erste in Baden-Württemberg wurde im September in Mannheim eröffnet. „In Österreich und der Schweiz sind sie etabliert“, ergänzt Marta Alfia. Die Erfahrungen seien gut. Die Einrichtungen bieten den Familien Entlastung, ermöglichen es Betroffenen, in ihrer vertrauten Umgebung zu leben und schaffen für sie einen geschützten Rahmen, in dem sie über die Anliegen, die sie belasten, reden können – mit dem hauptamtlichen Fachpersonal, aber auch mit Ehrenamtlichen und anderen Betroffenen. Das Tageshospiz wird eine professionelle, palliativ pflegerische und medizinische Versorgung bieten, die Menschen psychosozial und spirituell begleitet.

Sechs Millionen Euro Investitionen

Gleichzeitig mit dem Tageshospiz werden in Geislingen weitere vier stationäre Hospizplätze entstehen. „Alle Menschen in unserem Landkreis sollen ihr Leben in Geborgenheit und Würde zu Ende führen können“, bekräftigt Kolb. Die demografische Entwicklung und die Beobachtung, „dass zunehmend jüngere Gäste schwerstkrank im Hospiz ihre letzte Lebensphase verbringen“, werde die Nachfrage nach Hospizplätzen weiter ansteigen lassen. Insgesamt wird der Verein „Hospiz im Landkreis Göppingen“ rund sechs Millionen Euro investieren. „Sorge bereiten uns die Entwicklung der Baukosten und die Zinsentwicklung“, sagt Kolb. Im Januar werde der Bauantrag eingereicht, die Eröffnung ist für den Frühsommer 2025 geplant.

Verein im Jahr 2004 gegründet

Im Landkreis beschäftigen sich Menschen seit Anfang der 1990er-Jahre mit dem Hospizgedanken, mit dem Ziel, sterbende Menschen und ihre Angehörigen nicht alleine zu lassen, sie zu unterstützen und zu begleiten.
2004 wurde der Verein „Hospiz im Landkreis Göppingen“ gegründet. Zunächst war ein ambulanter Hospizdienst für Erwachsene entstanden. Wichtige Ergänzung ist seit 2009 der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst. Weitere Informationen unter www.hospiz-goeppingen.de