Dieter Lässle ist tot
: Göppinger Kontrabassist überraschend gestorben

Der Göppinger Musiklehrer und Kontrabassist Dieter Lässle ist kurz nach seinem 72. Geburtstag überraschend gestorben.
Von
Annerose Fischer-Bucher
Göppingen
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So kannten Dieter Lässle viele Schülerinnen, Schüler und Konzertbesucher: als engagierten Musikpädagogen und tollen Musiker am Kontrabass. ⇥

Giacinto Carlucci

Er war mit ganzer Seele Profimusiker und im Landkreis wie auch überregional als Orchestermusiker gefragt. Nun ist Dieter Lässle völlig unerwartet kurz nach seinem 72. Geburtstag gestorben.

Dieter Lässle besaß außer seinem Orchesterbass aus Mittenwald, der so alt ist wie er, vier weitere Kontrabässe in allen Größen, um jeden Stil realisieren zu können, und er hat damit in unzähligen Konzerten gespielt. Ob Sinfonisches, Kammermusik, Kirchenmusik, Jazz oder Pop – er war in allen Genres zuhause. Nun schweigen seine Instrumente.

Ihm war es wichtig, Vielseitigkeit zu vermitteln

Vielseitigkeit zu vermitteln, das war ihm auch bei Generationen von Schülern im gymnasialen Musikunterricht und in den von ihm gegründeten Schulorchestern, den Chören und den beiden Big-Bands am Göppinger Hohenstaufen-Gymnasium und am Eislinger Erich-Kästner-Gymnasium wichtig. Von 1979 bis 2005 war er Musiklehrer am Hogy und zeitweise Verbindungslehrer. Am EKG war er von 2005 bis zu seinem Ruhestand 2016 Fachabteilungsleiter und baute das dortige Musikprofil auf.

Lässle gab zudem von 1975 bis zu seinem Tod an der Städtischen Jugendmusikschule Göppingen Einzelunterricht im Fach Kontrabass. Viele seiner Schülerinnen und Schüler spielten dann im Landesjugendorchester und im Bundesjugendorchester, wo er selbst schon als junger Musiker Mitglied gewesen war. Außerdem wurde er im Jahr 1974 Gründungsmitglied der Jungen Deutschen Philharmonie. Aus Lässles Schule gingen Profimusiker wie Alexander Eissele, Andreas Kissling, Sandi Kuhn oder Eckhard Stromer hervor.

Bei Frieder Bernius gespielt

In Geislingen geboren, kam er durch seine Familie schon früh mit Musik in Berührung und spielte als Sechsjähriger im Akkordeonorchester Geislingen, dessen Leitung er später übernehmen sollte und dessen Proben er noch nach seiner Pensionierung leitete. Er studierte nach dem Abitur Schulmusik, künstlerisches Fach Kontrabass, sowie Musikwissenschaft an der Musikhochschule Stuttgart und der Universität Tübingen. Er entschied sich für den Lehrberuf und konzertierte daneben regelmäßig, ­darunter auch im Musikpodium Stuttgart unter der Leitung von Frieder Bernius, bei den Ulmer Salonikern und bei der Meersburger Sommerakademie.

Im Kreis Göppingen spielte er bei den Staufer-Festspielen, beim Festival auf Schloss Filseck unter Gerald Buß, bei unzähligen Kirchenkonzerten oder lange Jahre beim Geislinger Kammerorchester Roll-Russ. Er leitete Chöre wie den Göppinger Liederkranz von 1992 bis 2006 oder spielte mit der Hogy-Big-Band in Kooperation mit Sport und Theater bei den Maientagsvorführungen.

Der Bass war für Dieter Lässle das Fundament und das Klang- und Rhythmusgerüst des Orchesters. Mit seinem Enthusiasmus wollte er junge Leute an Musik heranführen, sie ausbilden und ihnen möglichst früh das Ensemblespiel vermitteln. In einem Gespräch mit der NWZ aus dem Jahr 2018 sagte er, dass das Zusammenspiel das Hören und die Rücksicht aufeinander trainiere und das einzelne und gemeinsame Üben die Selbstdisziplin und das Soziale fördere. Das seien alles Dinge, die man im Leben brauche. Der emotionale Gehalt von Musik sei für das Leben eines Menschen etwas Wertvolles.

Mit dem Anhänger unterwegs

Dafür nahm Lässle jede menschliche und organisatorische Mühe auf sich, wenn er etwa in seinem Anhänger unzählige Instrumente von Schülern zu Arbeitsphasen in die Landesakademie nach Ochsenhausen transportierte.

Dieter Lässle war ein geselliger Mensch und feierte gerne Feste. Die Musikszene muss nun ohne seinen Elan und Feinsinn auskommen.

Eislinger EKG trauert um verdienten Pädagogen

Musikprofil Auch am Erich-Kästner-Gymnasium in Eislingen hat der überraschende Tod von Dieter Lässle Betroffenheit ausgelöst. Die Schulgemeinschaft trauere um den ehemaligen Studiendirektor. Der engagierte Musiklehrer kam im Jahr 2005 an die Schule und habe dort „mit großem Einsatz und Geschick das Musikprofil in Eislingen am Gymnasium“ etabliert. Außerdem war Lässle der Organisator des 2007 neu entwickelten Ganztagesbetriebes am EKG.