Lumberjack Bigband Göppingen
: Grandiose Jubiläumsgala für die „Guten Taten“

Die Lumberjack Bigband begeisterte das Publikum bei der fulminanten Jubiläumsgala aus Anlass der 50. NWZ-Aktion „Gute Taten“ in der ausverkauften Göppinger Stadthalle und unternahm eine spannende Zeitreise.
Von
Werner Schmidt
Göppingen
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Bei der „Gute Taten“-Jubiläumsgala packten die Lumberjack Bigband und die Gesangssolisten am Sonntagabend immer neue Ohrwürmer aus – und hatten auf der Bühne sichtlich Spaß.

Giacinto Carlucci

Tatort Göppingen, Stadthalle. Es ging Schlag auf Schlag. Es lief eine drei Stunden währende musikalische Reise mit der Lumberjack Bigband durch die Schlagerwelt der vergangenen 50 Jahre. Passend zum Jubiläum der NWZ-Aktion „Gute Taten“, die dieses Jahr ebenfalls ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

In diesem Jahr sollen – mit einer voraussichtlich erneut stolzen Gesamtspendensumme – 43 soziale Projekte im Landkreis Göppingen unterstützt werden. Und Bandleader Alexander Eissele rechnet damit, der Aktion ebenfalls noch eine stattliche Spende zur Verfügung stellen zu können.

Mit dem „Tatort“ ging es los

Die Tatort-Titelmelodie von Klaus Doldinger leitete das Konzert in der ausverkauften Stadthalle ein, das auf allerhöchstem Niveau fortgesetzt wurde. Zu hören waren Songs und Melodien aus Zeiten, mit denen die meisten Zuhörer Jugenderinnerungen verbanden und die Musiker auf der Bühne – neben den Stammmitgliedern der Lumberjacker sowie Kai Podack, Karim Khawatmi, Maike Switzer, Asita Djavadi (Gesang) und Ralf Frohnhöfer (Altsaxophon) – entweder noch in der Wiege lagen oder das Licht der Welt noch gar nicht erblickt hatten.

Erinnerungen an Paul Kuhn

Dazwischen streute Alexander Eissele immer wieder Anekdoten aus seinem langjährigen Musikerleben und der Zeit mit der Lumberjack Bigband ein, die immerhin mit ihrem 36-jährigen Bestehen das Teenageralter ebenfalls längst überschritten hat. Beispielsweise berichtete Eissele über seine erste Begegnung mit Paul Kuhn, der verspätet zum Konzert eintraf und scheinbar schüchtern am Bühnenrand stand: „Ein kleiner, bescheidener Mann, den ich erst für einen Bühnenarbeiter hielt“, gestand Eissele. Dann aber habe die Musik­legende Paul Kuhn festgestellt: „Mit der tollen Band können wir gleich anfangen“, und sich ans Klavier gesetzt.

„Pigalle“ und „Zuckerpuppe“

Natürlich erreichte keiner der Sänger am Sonntagabend in der Stadthalle die unverkennbar knarzige Stimme von Paul Kuhn, der zwar ein toller Pianist war, dessen Sangeskünste aber deutlich Luft nach oben ließen. Vielleicht war er deshalb so beliebt, wenn er Titel von Frank Sinatra coverte. Am Sonntag waren dies „That’s why the Lady is a Tramp“, „I get a kick out of you“ gefolgt von einem Wencke-Myhre-Medley ihrer bekanntesten Schlager. Egal, ob die Rede war vom „knallroten Gummiboot“ oder der Warnung „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“. Es waren Ohrwürmer aus den 60ern. Wie auch „Pigalle“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ oder „Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“, die sich als Suleika ausgibt, aber als Elfriede aus Wuppertal entpuppt. Mit solchen Titeln stürmte Bill Ramsey einst die Charts, frühe Spaßsongs, die zehn, 15 Jahre später mit Protagonisten wie Insterburg & Co, Schobert und Black eine Fortsetzung in der deutschen Schlagerszene fanden.

„So schön kann doch kein Mann sein“

Die Mannheimer Jazz- und Bluessängerin Joy Fleming wurde mit mehreren Songs geehrt. Sie befand sich in einer Reihe mit Gitte („So schön kann doch kein Mann sein“), deren Karriere auf Schlagern basiert, die aber auch Ausflüge in die Welt des Jazz unternahm. Was jedoch vom Publikum weniger begeistert aufgenommen worden war, als ihre doch recht einfach gestrickten Lieder. Aber: „Gitte war sensationell, eine wirklich tolle Sängerin“, sagte Bandleader Alexander Eissele.

„Ein bisschen Spaß muss ein“, hieß es schließlich von den Lumberjackern und Karim Khawatmi, als der mehr als 50-jährigen Karriere von Roberto Blanco, dem „Puppenspieler von Mexiko“, gedacht wurde. Mit Gittes Song „Bis später“ aus dem Jahr 1993, gesungen von Maike Switzer und begleitet von Christian Seeger und Ralf Frohnhöfer (beide Saxophon), ging es nach 80 Minuten in die Pause.

„Tolle Musik, tolles Konzert“, kommentierten die Besucher während dieser 20-minütigen Unterbrechung. Viele brauchten sie, um sich von diesem musikalischen Gewitter auf höchsten Niveau zu erholen und auf das nächste Set vorzubereiten.

Auch das begann mit Klaus Doldinger. Die Titelmelodie aus dem „Boot“ mit Meeresrauschen und Möwenkreischen kam ganz ohne Technik aus. Alles sei live entstanden. Die Töne der Möwen ebenso wie das Rauschen der Wellen. Das könne man durchaus mit den Musikinstrumenten und ganz ohne künstliche Intelligenz erzeugen, erklärte Eissele, der, ganz Entertainer, immer mal wieder selbst zum Mikrofon griff oder sich mit kräftigen Hüften ebenso taktvoll wie elegant-begeistert zur Musik der eigenen Band bewegte.

Publikum feiert Lumberjack Bigband

Damit begeisterte er sein Publikum, das immer wieder stehend Band und Sänger feierte. Insbesondere, als schließlich eine Besucherin namens Dorothea besonders geehrt wurde. Ihm sei während der Pause mitgeteilt worden, die Dame habe Geburtstag, sagte Eissele. Als Karim Khawatmi den Paul-Anka-Song „Diana“ von 1957 anstimmte, war es daher nicht „Diana“, die er im Refrain inständig anflehte, zu ihm zu halten. Dieses Mal hieß es „Stand by me, Dorothea“.