Mit rund 100 Teilnehmern hatten die Veranstalter gerechnet, am Ende schätzte die Polizei die Zahl der Besucher sogar auf etwa 120. Der strömende Regen konnte die Gegner des geplanten Gewerbeparks Fils am Samstagmittag nicht  davon abhalten, im Uhinger Ortsteil Nassachmühle lautstark gegen das Projekt Stellung zu beziehen. Viele Bewohner haben Angst, dass durch das Projekt nicht nur fruchtbarer Ackerboden für immer verloren geht, sondern auch deutlich mehr Verkehr rollt.

Gewerbegebiet soll zwischen Uhingen und Ebersbach entstehen

Das 17 Hektar große Gewerbegebiet soll zwischen Uhingen und Ebersbach entstehen, zwischen den Bahngleisen und der Abzweigung nach Diegelsberg. Geplant sind 16 Hallen mit einer Höhe von jeweils 18 Metern. „Bei der Gemeinderatssitzung am 5. April hat eine Mehrheit von Freien Wählern und CDU mit ihrem Beschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans Fakten geschaffen“, sagte Carsten Unger, Initiator der Kundgebung und stellvertretender SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Uhingen.

Stimmen für Bürgerentscheid sammeln: 770 sind nötig

Er rechnet damit, dass im Herbst der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan auf der Tagesordnung steht. Dann möchten er und seine Mitstreiter Stimmen für einen Bürgerentscheid sammeln – 770 Unterschriften wären dafür nötig. „Echt schade“ findet Verena Prieto, die seit 50 Jahren am Diegelsberg wohnt und ebenfalls an der Kundgebung teilnimmt, dass man auf der Bürgerversammlung zum Gewerbegebiet auf die Bevölkerung nicht eingegangen sei: „Das ist eine beschlossene Sache, die jetzt durchgezogen wird.“ Die Leute seien wütend, sagt Unger. Er will ihnen zeigen, dass das Vorhaben noch aufzuhalten ist.
„Die Verkehrs-, Schall- und Schadstoffbelastung wird unsere Lebensqualität und die unserer Kinder und Enkel im Nassachtal und in Diegelsberg dauerhaft beeinträchtigten“, ruft Carsten Unger den Demonstranten zu, die unter einem Meer von Regenschirmen kaum zu erkennen waren. „Die letzten freien Flächen zwischen Uhingen und Ebersbach werden dauerhaft versiegelt und wertvoller Ackerboden – der beste im Landkreis – wird unwiederbringlich zerstört.“ Der „Flächenfraß“ nehme zukünftigen Generationen jede Chance auf eine eigene und selbstbestimmte städtische Entwicklung, so Unger.

Ärger über zunehmende Versiegelung von Flächen

Das sieht auch der 19-jährige Daniel Wagner so: „Die zunehmende Flächenversiegelung stößt mir auch auf.“ Die Schaffung von Arbeitsplätzen, die von den Befürwortern ins Feld geführt wird, möchte er als Argument für das Gewerbegebiet nicht gelten lassen. „Die haben nicht verstanden, dass man nicht so weitermachen kann wie bisher“, ergänzt die 18 Jahre alte Samia Gherbaoui, die neben ihm steht. „Die Konsequenzen für die Umwelt stehen klar über den wirtschaftlichen Interessen.“
Carsten Unger zitiert aus einem Klimagutachten, das vor einer Unterbrechung der Frischluftzufuhr warne: „Die Folge sind Hitzeinseln in Uhingen und Ebersbach, die zu einer gesundheitlichen Belastung der Bevölkerung führen werden.“ Den Ackerboden, auf dem das Gewerbegebiet entstehen soll, habe das Landwirtschaftsamt Göppingen als Fläche der besten Kategorie eingestuft, die für eine ökonomische und nachhaltige Landwirtschaft die Grundlage bilde.

Kundgebungen an der Krapfenreuterstraße und der Nassachtalstraße

Uhingens Bürgermeister Matthias Wittlinger habe vorgeschlagen, den Boden maschinell abzutragen und auf einen minderwertigen Acker aufzuschütten, so Unger: „Das ist etwa so, als ob Herr Wittlinger nach Stuttgart ins Mineralbad geht, sich eine Kiste Mineralwasser abzapft, sie bei sich vors Rathaus stellt und behauptet, Uhingen besäße nun eine mineralische Heilquelle.“ Neben Unger ergriffen insgesamt rund 30 weitere Demonstranten das Mikrofon, um ihrem Unmut über das Projekt Luft zu verschaffen. Auf die etwa halbstündige Versammlung im Ortskern folgten weitere kurze Kundgebungen auf der betroffenen Fläche an der Krapfenreuterstraße sowie am Ende der Nassachtalstraße bei der B 10. Dort ließen die Veranstalter die Stuttgarter Straße für rund eine Viertelstunde sperren, um einen Eindruck von dem erhöhten Verkehrsaufkommen zu vermitteln, das ihrer Ansicht nach durch das Gewerbegebiet verursacht werden könnte.

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