Kriminalstatistik Kreis Göppingen
: Weniger Kriminalität als in den Vorjahren – Zahl der Morde bleibt gleich

Das Polizeipräsidium Ulm präsentiert die Zahlen für das vergangene Jahr: Deutlicher Rückgang bei Drogendelikten und weniger Gewaltkriminalität, aber mehr Sexualstraftaten.
Von
Dirk Hülser
Kreis Göppingen
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Göppingen Areal ZOB Busbahnhof Razzia Polizeieinsatz gegen Bandenkriminalität

Polizeieinsatz in der Nähe des Göppinger Busbahnhofs, hier eine Razzia gegen Bandenkriminalität: Die Kriminalstatistik verzeichnet für das Jahr 2024 einen Rückgang aller Fallzahlen um vier Prozent.

Giacinto Carlucci
  • Polizeipräsidium Ulm meldet weniger Kriminalität 2024, aber mehr Sexualstraftaten.
  • Landkreis Göppingen: Rückgang der Fallzahlen um 4%, jedoch Anstieg bei Sexual- und Vermögensdelikten.
  • Rückgang der Drogendelikte durch Teillegalisierung von Cannabis.
  • Wirtschaftsstraftaten stiegen um 20%.
  • Kriminalstatistik spiegelt nicht das gesamte Kriminalitätsgeschehen wider.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Gesamtzahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm erreichte im Jahr 2024 einen neuen Fünfjahreshöchstwert. Das hat jetzt Polizeipräsident Josef Veser bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2024 für den Bereich des Präsidiums, also die Landkreise Göppingen, Alb-Donau, Biberach, Heidenheim und der Stadtkreis Ulm, bekanntgegeben. Allerdings sei die Zahl der Straftaten gegen das Leben rückläufig, den deutlichsten Anstieg verzeichnet die Polizei hingegen bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten sowie Diebstählen. Die Kriminalitätsbelastung liege im mittleren Bereich, die Aufklärungsquote etwas über dem Landeswert.

Deutlicher Rückgang im Landkreis

Im Gegensatz zum gesamten Bereich des Präsidiums sind die Fallzahlen im Kreis Göppingen rückläufig, gegenüber dem Vorjahr sind sie um 367 Fälle gesunken – ein Rückgang von rund vier Prozent, registriert wurden insgesamt 9793 Fälle. Damit liegt der Landkreis im Bundestrend, auch bundesweit gab es einen Rückgang, allerdings nur um 1,7 Prozent, wie am Mittwoch, 2. April, bekanntgegeben wurde.

Der Rückgang ist im Landkreis in allen Bereichen, mit Ausnahme der Sexual- sowie der Vermögens- und Fälschungsdelikte, zu verzeichnen. Pro 100.000 Einwohner hatte der Landkreis mit 3714 Straftaten eine Kriminalitätsbelastung, die im Bereich des Präsidiums den zweithöchsten Wert darstellte. Aufgeklärt wurden weniger als zwei Drittel der Taten: Die Aufklärungsquote ging um ein Prozent auf 62,4 Prozent zurück.

Auch die Zahl der Tatverdächtigen sank im Jahr 2024 im Landkreis Göppingen leicht um knapp vier Prozentpunkte auf 4591 Personen. Der Rückgang war in allen Altersgruppen zu verzeichnen. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bewegte sich mit fast 44 Prozent auf demselben Niveau wie 2023. Wie das Polizeipräsidium Ulm auf Nachfrage mitteilt, wohnen allerdings bei Weitem nicht alle dieser nichtdeutschen Tatverdächtigen auch in Deutschland: Insgesamt haben acht Prozent der verdächtigen Ausländer ihren Wohnsitz nicht hier – wie jene zwei bereits verurteilten Niederländer, die im vergangenen Sommer den Anschlag auf die Pizzeria Adler in Eislingen verübt haben.

Weniger Fälle von Totschlag als in den Vorjahren

Einen Rückgang von zwölf auf zehn Fälle gab es im vergangenen Jahr bei den Straftaten gegen das Leben: Wie schon 2023 verzeichnete die Polizei vier Morde (2022 gab es keinen Mord), fünf Fälle von Totschlag (2023: sechs, 2022: zwölf) und eine fahrlässige Tötung (2023: zwei, 2022: null). In diesem Bereich betrug die Aufklärungsquote nach Angaben der Polizei 100 Prozent, auch wenn noch nicht alle Täter verurteilt sind. 2023 lag dieser Wert wie schon 2022 bei etwa 92 Prozent.

Zurückgegangen ist auch die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte: Sowohl im Bereich Raub/räuberische Erpressung als auch bei einfachen und gefährlichen Körperverletzungen, Freiheitsberaubung und Nötigung gab es zum Teil deutliche Rückgänge. Die Aufklärungsquote liegt hier wie in den Vorjahren bei über 90 Prozent.

Mehr Vergewaltigungen, weniger Missbrauch von Kindern

Eine Zunahme gab es hingegen bei den Sexualdelikten: Deren Gesamtzahl stieg von 254 im Jahr 2023 auf 312 im vergangenen Jahr. Darunter waren 21 Fälle von Vergewaltigungen oder sexueller Nötigung (2023: 17), 36 Fälle von sexueller Belästigung (2023: 33) und 35 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern (2023: 44). 191 Mal wurde wegen der Verbreitung pornografischer Schriften ermittelt (2023: 135).

Deutlicher Rückgang bei Drogendelikten

Deutlich zu sehen sind in der Statistik die Auswirkungen der Teillegalisierung von Cannabis: Die allgemeinen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gingen von  388 Fällen im Jahr 2023 auf 165 Fälle zurück, noch 2020 wurde hier in 859 Fällen ermittelt. Das neue Gesetz trat allerdings auch erst am 1. April 2024 in Kraft. Dem deutlichen Rückgang steht nur eine geringe Zahl von allgemeinen Verstößen gegen das neue Konsumcannabisgesetz gegenüber: Hier registrierte das Polizeipräsidium Ulm im Kreis Göppingen 14 Fälle. Einen kräftigen Anstieg um 20 Prozent gab es bei den Wirtschaftsstraftaten: Hier weist die Statistik für 2024 insgesamt 54 Fälle aus.

Kein Abbild des tatsächlichen Geschehens

In der Polizeilichen Kriminalstatistik werden die von der Polizei bearbeiteten rechtswidrigen (Straf-) Taten einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche (die sogenannten Fallzahlen) sowie die ermittelten Tatverdächtigen und Opfer (nur bei sogenannten Opferdelikten) erfasst. Dies erläutert das Polizeipräsidium Ulm. Nicht enthalten seien Delikte der politisch motivierten Kriminalität, Verkehrsdelikte und Ordnungswidrigkeiten.

Bekannt gewordene Fälle werden nach dem Tatortprinzip dargestellt, also nach dem Ort des Geschehens und damit unabhängig von den bearbeitenden Dienststellen und vom Wohnort der Tatverdächtigen. Die Statistik erhebe nicht den Anspruch, ein Abbild des tatsächlichen Kriminalitätsgeschehens zu sein, sie lasse nur Aussagen zu den Straftaten zu, die bei der Polizei bekannt und statistisch erfasst wurden.