Die Stadt und der Gemeinderat wissen schon seit Jahren um die Taubenplage und die negativen Auswirkungen auf Bürger und Gewerbe. Gesundheitsgefahren, die Belästigung im Freien und die Verschmutzung von Gebäuden sind keine Kleinigkeit.
Mit Blick auf das neu geplante Bahnhofsviertel, das Zentrum Untere Marktstraße und die Apostelhöfe, besteht größerer Handlungsbedarf bei der Stadt, als nur die Einhaltung des Fütterungsverbots zu kontrollieren. Auch sogenannte Vergrämungsverfahren wie Spanndrähte oder Netze für einzelne Gebäude reichen nicht aus. Das Scheitern des Modellversuchs Taubenschlag in den Oberhofenanlagen zeigt, dass Tauben standorttreu sind und sich nicht weglocken lassen. Das war bereits vor dem Umbau des Schuppens für 25.000 Euro bekannt, die Kosten hätte man sich sparen können.
Ein Standort weit außerhalb der Innenstadt und den bestehenden Nistplätzen der Tauben, ist demnach sinnlos. Den Tauben ist kein Vorwurf zu machen. Ihre Überpopulation ist nur die Folge menschlicher Fehler. Ihnen sollte eine artgerechte Unterbringung und Fütterung ermöglicht werden, so dass Menschen und Tauben gemeinsam leben können.
Im November 2015 wurde das Taubenhaus zunächst als Modellversuch beschlossen. Als Standort für einen möglichen Tauben-Turm kam noch die Grünanlage im Schlosswäldle in Frage. Dabei meiden Tauben Parkanlagen oder Grünzonen mit vielen Bäumen, weil sie dort Fressfeinde vermuten. Da sich auch keine geeigneten Gebäude in der Innenstadt finden lassen, muss die Stadt jetzt mit den gemachten Erfahrungen und mit Blick auf die Neubauprojekte im Bahnhofsviertel weiter gehen und spätestens im nächsten Etat Gelder bereit stellen, um das Taubenproblem nachhaltig in den Griff zu kriegen. Ein Teil der Stadtplanung könnte ebenso sein, ein neuartiges, architektonisch einfallsreiches Taubenhaus als Vorzeigeprojekt zu etablieren – mitten in der Stadt, wo das Problem seine Wurzel hat.