Kläranlage Göppingen
: Landesweites Modellprojekt in der Kläranlage war kein Erfolg

Pilotanlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm hat nicht so funktioniert, wie erhofft. Künftig soll der anfallende Schlamm zuerst getrocknet werden.
Von
Dirk Hülser
Göppingen
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Die Kläranlage in Göppingen.

Luftfotos Luftaufnahme Kreis Göppingen Kläranlage Göppingen

Die Kläranlage in Göppingen: Künftig wird hier Klärschlamm getrocknet, ein Modellprojekt zur großtechnischen Phosphorrückgewinnung ist gescheitert.

Giacinto Carlucci
  • Göppinger Pilotanlage zur Phosphorrückgewinnung scheiterte; Betrieb eingestellt.
  • Nasschemisches Verfahren zu teuer und personalintensiv; kaum Zukunft.
  • Trend laut Umweltministerium: Rückgewinnung aus Klärschlammasche.
  • Projektkosten rund 2,8 Mio. Euro; Fördermittel etwa 2,2 Mio.; Eigenanteil 626.000 Euro.
  • SEG baut Niedrigenergietrocknung; Pilotanlage dient künftig der Verfahrensoptimierung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Phosphor ist ein wichtiges chemisches Element, das vorwiegend in Form von Phosphat ein wichtiges Düngemittel darstellt. In größeren Mengen reichert sich der Mineralstoff in Klärschlamm an, mit dem Landwirte schon lange ihre Felder düngen. Doch wegen vieler Schadstoffe und Schwermetalle hat dieses Verfahren keine Zukunft, ist stark rückläufig und unterliegt strengen Regelungen. Die Lösung liegt darin, den wertvollen Stoff aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Hier hat die Göppinger Kläranlage landesweit eine Vorreiterrolle gespielt: 2019 nahm hier eine erste Pilotanlage zur großtechnischen Phosphorrückgewinnung ihren Betrieb auf. Doch damit ist es nun vorbei.

Klärschlammasche als Alternative

„Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die Phosphorrückgewinnung im nasschemischen Verfahren auf der Kläranlage aus Kosten- und Personalgründen in Zukunft nur in speziellen Einzelfällen eine Rolle spielen wird“, berichtet das Landesumweltministerium auf seiner Homepage. Durchgesetzt habe sich eine andere Technologie: „Aufgrund höherer Phosphorkonzentrationen in der Klärschlammasche gibt es die Tendenz zur Phosphorrückgewinnung aus der Klärschlammasche.“

Das bestätigt Claudia Leihenseder, Pressesprecherin der Stadt Göppingen: Die Anlage habe die anvisierten Grenzwerte von Phosphor im Klärschlamm nicht erreicht, „sodass sie wieder außer Betrieb genommen wurde. Nach Einschätzung der Stadtentwässerung Göppingen (SEG) war das Projekt bisher kein Erfolg“.

Billig war das Modellprojekt nicht: Nach Leihenseders Angaben hat es insgesamt rund 2,8 Millionen Euro gekostet. Vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Land Baden-Württemberg habe es Fördermittel in Höhe von etwa 2,2 Millionen Euro gegeben. Der Eigenanteil des städtischen Eigenbetriebs habe 626.000 Euro betragen.

„Ob die Phosphorrückgewinnung aus der Klärschlammasche die bessere Alternative ist, muss im Einzelfall geprüft werden“, meint die Pressesprecherin. Doch die SEG errichte aktuell eine Niedrigenergietrocknungsanlage zur Trocknung des anfallenden Klärschlamms. Und die Pilotanlage soll dann weiterhin eingesetzt werden: zur Optimierung der vorgeschalteten Verfahren zur Schlammbehandlung vor der Trocknung.

Rückgewinnung wird Pflicht

Nichts zu tun wäre auch keine Alternative: Ab dem 1. Januar 2029 wird die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm oder Klärschlammasche gemäß der Klärschlammverordnung bundesweit zur Pflicht. Das dient auch dem Gewässerschutz.