Interview mit Heino
: „Mick Jagger ist ein sympathischer Mensch“

Der Sänger tritt am Samstag als Stargast beim Schlagerkuchen von Tobee in Donzdorf auf. Mit seiner markanten Stimme, der dunklen Sonnenbrille und seiner blonden Mähne ist der 86-Jährige längst zur Ikone der deutschen Musikszene geworden.
Von
Joa Schmid
Donzdorf
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Konzert Heino - Coswig

Seit über 60 Jahren steht Heino auf der Bühne. Auch heute noch wird er auf seinen Konzerten gefeiert. Am Samstag tritt er zusammen mit Künstlern der Mallorca-Szene beim Schlagerkuchen in Donzdorf auf.

Sebastian Kahnert/dpa
  • Heino tritt am Samstag beim Schlagerkuchen in Donzdorf auf – Open Air mit Schlager- und Ballermann-Fans.
  • Der 86-Jährige performt Hits wie „Ein Gläschen am Morgen“ und plant spontane Songauswahl.
  • Über 60 Jahre Karriere: Volksmusik-Ikone, Rock-Cover-Erfolge und internationale Auftritte.
  • Zusammenarbeit mit Rammstein und Platz 1 der Charts mit dem Album „Mit freundlichen Grüßen“.
  • Heino bleibt aktiv und plant, noch viele Jahre auf der Bühne zu stehen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit über sechs Jahrzehnten steht er auf der Bühne – ob mit Volksliedern, Schlagern oder überraschenden Rockcovern. Wir haben mit dem 86-jährigen Musiker über seine Karriere, persönliche Stationen und seinen Blick auf die heutige Zeit gesprochen.

Heino, Sie treten ja am Samstag als Stargast beim Schlagerkuchen in Donzdorf auf und jetzt sind natürlich alle gespannt, was Sie da im Repertoire haben. Wird es ein Gläschen am Morgen geben?

Heino: Ja natürlich werde ich bei meinem etwa halbstündigen Auftritt meinen neuen Hit „Ein Gläschen am Morgen“ singen. Mit dem trete ich zurzeit auch im Bierkönig in Mallorca auf. Auch „Schwarze Barbara“, „Blau blüht der Enzian“, „Mohikana Shalali“, „Caramba, Karacho, ein Whisky“, „Hey Capello“ und wie sie alle heißen, kommen für den Auftritt infrage. Mit den Volksliedern habe ich ja angefangen. Da werde ich bestimmt ein paar mitbringen. Auf jeden Fall freue ich mich auf den Auftritt bei der Veranstaltung von Tobee in Donzdorf, ich hoffe, es sind genug Leute da.

Der Schlagerkuchen ist so gut wie ausverkauft.

Ist das eine Open Air-Veranstaltung?

Ja, das ist ein großes Open Air mit lauter Schlager- und Ballermann-Fans. Da geht es sehr locker und stimmungsvoll zu.

Ja, schön, das ist doch gut. Ich freue mich immer, wenn ich unter Sanges-Kollegen bin. Das sind alles fröhliche, freundliche Menschen.

Da haben Sie sicher viele kennengelernt während ihrer langen Karriere. Immerhin stehen Sie mit Ihrer Musik seit über 60 Jahren auf der Bühne.

Mein erster Auftritt war 1961, meine erste Schallplatte 1966. Das war „Jenseits des Tales“. Damals hat man mich belächelt, weil ich in der Blütezeit des Beats mit Volksliedern angefangen habe. Ich war damals bei der gleichen Plattenfirma wie die Beatles.

Wirklich?

Ja, das war ich tatsächlich. Die Beatles sind heute Geschichte und Heino singt immer noch.

Wie die Fab Four sind auch Sie eine lebende Legende und längst nicht mehr nur in der Volksmusik-Szene engagiert.

Man muss sich doch musikalisch anpassen. Das Publikum wird älter und für die älteren Leute war natürlich das Volkslied sehr gut. Aber man muss sich musikalisch weiterentwickeln. Den jungen Leuten, für die ich jetzt „Ein Gläschen am Morgen“ gesungen habe, gefällt das. Das wäre in den 60er- oder 70er-Jahren vielleicht noch zu früh gewesen. Aber heute stehen die Jüngeren da drauf, die wollen Rhythmus haben. Das ist uns, denke ich, sehr gut gelungen.

Als Sie zum ersten Mal in der Rockmusik unterwegs waren und bekannte Songs gecovert haben, reagierten einige Bands ziemlich beleidigt. Warum eigentlich?

Weil Sie mich immer ein bisschen belächelt haben, weil ich aus dem volkstümlichen Bereich komme. Wenn so ein Künstler dann hergeht und Lieder wie „Junge“ von den Ärzten singt, natürlich reagieren die dann beleidigt und sagen „Das kann der doch gar nicht!“. Die haben da keinen Spaß verstanden. Dabei war ich damit sehr erfolgreich und ich bin der Meinung, man sollte Musiker-Kollegen den Erfolg doch gönnen.

Ihr Cover-Album „Mit freundlichen Grüßen“ erreichte Platz 1 der Charts.

Ja, mit dieser LP landete ich auf Platz 1, das war mein erfolgreichstes Album überhaupt. Das habe ich natürlich sehr genossen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Rammstein? Sie waren mit der Band live beim Metal-Festival in Wacken. 

Rammstein hat sich bei uns gemeldet, ob ich mir vorstellen könnte, mit Ihnen in Wacken zu singen. Und wie ich mir das vorstellen konnte. Das haben wir auch gemacht. Ich muss wirklich sagen, die Bandmitglieder von „Rammstein“ waren außergewöhnlich nett. Dabei waren die zu dieser Zeit die Größten im Rockbereich. Wir hatten in Wacken einen sensationellen Auftritt.  Vor über 80.000 Menschen! Stellen Sie sich vor: Wir hatten eine Doppelseite im „Stern“. Wer hat schon mal eine Doppelseite im „Stern“?

Das war schon ein Coup.

Rammstein bekam keine Doppelseite im Stern, aber Heino mit Rammstein. Die Jungs hatten auch deswegen Erfolg, weil sie mit mir aufgetreten sind.

Werden Sie bei Tobees Schlagerkuchen am Samstag auch Metal- und Rock-Songs bringen?

Ich schaue immer, was ich für ein Publikum habe, wahrscheinlich werde ich auch „Junge“ singen, was immer sehr gut ankommt. Aber das entscheide ich meistens erst am Tag des Auftritts. Ich habe so viele Titel im Repertoire, da fehlt es mir nicht an Auswahl.

Sie sind jetzt 86. Was treibt Sie nach all den Jahren noch an?  Das Finanzielle wird wohl kaum der Hauptgrund sein. Wie bleibt man so lange motiviert?

Das macht mir einfach Spaß. Ich könnte jetzt mit meinem Manager Helmut Werner in Kitzbühel auf der Terrasse sitzen und gucken, wie jeden Abend die Sonne untergeht. Aber das befriedigt mich nicht. Ich freue mich immer, wenn ich singen darf, und hoffe, dass ich das auch noch mit 87 kann. Ich habe jetzt so viele Veranstaltungen in diesem und im nächsten Jahr. Da müssen wir uns jetzt schon noch ein bisschen ranhalten. Die Musik erfreut mich und hält mich jung.

Bei Ihrer langen Karriere: Gab es etwas, das sie nie vergessen werden?

Im Grunde genommen ist mir jeder Auftritt im Gedächtnis geblieben. Ich hatte so viele erfolgreiche Auftritte und war mit so vielen Menschen zusammen. In Amerika habe ich gesungen, in Australien, ich habe die ganze Welt besucht mit meinen Volksliedern. Und da hatte ich immer schöne Momente! Bis zum heutigen Tag erfreut mich das. Auch mit 86 macht es mich noch glücklich, wenn die Leute „Zugabe!“ rufen.

War das am Beginn Ihrer Karriere auch so?

Es war im Grunde genommen so: Je mehr mich die jungen Leute damals in den 70er Jahren belächelt haben, desto größer wurde mein Erfolg. Das darf man nicht vergessen. Ich war bei Electrola, der größten Schallplattenfirma der Welt. Und da habe ich im zweiten Jahr schon einen Zehn-Jahres-Vertrag bekommen, der dann mehrmals um jeweils zehn Jahre verlängert wurde.

Mick Jagger hat einmal gesagt, bei den Rolling Stones sei es so, dass die Enkel mit den Großeltern zu den Konzerten kommen.

Das ist bei meinen Konzerten auch so. Mick Jagger habe ich übrigens mal kennengelernt, ich weiß nicht mehr, wo das war. Einmal habe ich ihn in Köln eingeladen. Wir haben ein schönes Foto von uns gemacht und den ganzen Abend gemütlich zusammen gesessen, gegessen und Rotwein getrunken.

Und wie war Ihr Eindruck? Er ist ja auch so eine Legende.

Ja, klar. Ein sympathischer Mensch. Der war sehr, wie soll ich sagen, sehr wortkarg. Also auch zurückhaltend. Die großen Künstler sind keine Sprücheklopfer.

Apropos: Wenn Sie jüngere Musiker-Kollegen treffen, was raten Sie denen aus Ihrer langjährigen Erfahrung. Wie sollen Sie sich aufstellen?

Für mich ist es wichtig, was die jungen Künstler können. Das ist genau wie beim Fußball: Da wird man nach Leistung engagiert und bezahlt. Genauso wäre es auch bei mir.

Haben Sie jemanden unter den jüngeren Kollegen, den sie besonders gut finden?

Nein, da kenne ich mich nicht aus. Ich habe gelesen, dass Beatrice Egli aktuell mit ihrer Sendung durchstartet.

Sie sind jetzt 86, denken Sie ab und zu doch mal ans Aufhören?

Nein, nein, ich habe mit meinem Manager geredet, dass ich noch mit 104 auf der Bühne stehen will.

Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben: eher als jemand, der Volkslieder wieder salonfähig gemacht hat, oder als Rebell, der immer mal wieder gegen den Strom schwimmt?

Nein, natürlich als jemand, der die Volksmusik wieder populär gemacht hat.

Ich freue mich auch auf Ihren Auftritt und werde auch vor Ort sein!

Ja, ich freue mich auch sehr auf den Schlagerkuchen in Donzdorf, das ist der einzige Ort in Baden-Württemberg, wo ich als kurze Unterbrechung meiner „Made in Germany“-Tour auftrete. Wir sind uns sicher, dass Tobee das gut hinbekommen wird.

Zur Person

Heino, mit bürgerlichem Namen Heinz Georg Kramm, wurde am 13. Dezember 1938 in Düsseldorf geboren. Der deutsche Sänger wurde vor allem durch seine markante Baritonstimme, seine blonde Mähne und seine dunkle Sonnenbrille bekannt. In den 1960er-Jahren feierte Heino mit volkstümlicher Musik große Erfolge, darunter Hits wie „Blau blüht der Enzian“ und „Die schwarze Barbara“.

Mit über 50 Millionen verkauften Tonträgern zählt Heino zu den erfolgreichsten Interpreten der deutschen Musikgeschichte. In den 2010er-Jahren überraschte er mit einem Imagewechsel, indem er Coverversionen von Rock- und Pophits präsentierte, etwa auf dem Album „Mit freundlichen Grüßen“, das 2013 Platz 1 der deutschen Charts erreichte.

Auch im Alter von 86 Jahren bleibt er eine prägende Figur der deutschen Musikszene und tritt weiterhin regelmäßig auf. Tobee, auf den er große Stücke hält, hat er im Bierkönig auf Mallorca kennengelernt.