Hochwasser in Uhingen
: Rettungskräfte kämpfen gegen Starkregen und Überschwemmungen

Holzhausen und die Kernstadt wurden von Unwettern schwer getroffen, klagt Bürgermeister Matthias Wittlinger. Viele Keller und Tiefgaragen liefen voll.
Von
Jürgen Schäfer
Uhingen
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Hochwasser Kreis Göppingen Uhingen Fils beim hellerleuchteten Feuerwehrmagazin

Hochwasser in Uhingen: Blick auf die Fils beim nächtlich hellerleuchteten Feuerwehrmagazin

Staufenpress

Enorme Regenfälle gingen am Sonntagabend auch über Uhingen nieder. In Holzhausen und der Kernstadt waren sie verheerend, klagt Bürgermeister Matthias Wittlinger. Gegen 19 Uhr traf eine Gewitterzelle Holzhausen mit voller Wucht, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit geschwemmte Steine und Erde von den Feldern verstopften zum Teil Schächte im Ort, sodass Wasser durch Holzhausen floss und in Häuser eindrang. 

Gegen 23 Uhr folgte erneuter Starkregen, der die ohnehin angespannte Situation in Uhingen noch verschlimmerte. Die durch Regenfälle und das Hochwasser im Oberen Filstal reißende Fils schwoll auf einen Pegelstand von 4,50 Metern an. Die dramatische Folge: Der Fluss trat über die Ufer und das Wasser flutete Teile der Filsstraße, der Schulstraße und der Kirchstraße. Im Laufe der Nacht wurden die Anwohner durch die Warn-App Nina und durch die Feuerwehr und Polizei aufgefordert, zunächst die Keller sowie Erdgeschosse zu verlassen und im weiteren Verlauf der Nacht die Gebäude zu verlassen. Die Stadtverwaltung richtete in der Filseckhalle in Sparwiesen eine Notunterkunft ein. Dort wurden sie von Ehrenamtlichen versorgt.

Eine Notunterkunft gab es schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag – im Uditorium. „Weil nicht absehbar war, ob und inwiefern die Fils im Laufe der Nacht auf Montag weiter ansteigen wird, haben wir uns dazu entschieden, die Notunterkunft in Sparwiesen einzurichten“, erklärt der Schultes.

Am Klärwerk wurde es brenzlig

Durch die zweiten heftigen Regenfälle in der Nacht auf Sonntag wurde es auch im Bereich des Klärwerks mehr als brenzlig, da der nahegelegene Epplesee über die Ufer trat. Im Klärwerk eintretendes Hochwasser hätte dazu führen können, dass die biologische Reinigungsstufe der Kläranlage für Wochen wirkungslos geworden wäre. Dies hätte für die Umwelt schwere Folgen gehabt. „Um die Kläranlage zu retten, wurde das überlaufende Wasser des Epplesees in die Fils abgeleitet“, schildert Matthias Wittlinger. „Es stand Spitz auf Knopf, ob das klappt und ob die Fils in diesem Bereich nicht das Klärwerk flutet.“

Im Laufe der Nacht rief das Landratsamt die "Außergewöhnliche Einsatzlage“ aus, eine Vorstufe des Katastrophenfalls. Dadurch kann der Landkreis auf Einheiten des Katastrophenschutzdienstes zurückgreifen. Verschiedene Kräfte aus dem Regierungsbezirk sind vor Ort, um zu helfen. In Uhingen waren neben dem Malteser Hilfsdienst des Landkreises und dem Technischen Hilfswerk aus Gruibingen auch Feuerwehren aus dem Umland im Einsatz. Zeitweise gab es mehr als 90 Einsätze zeitgleich in Uhingen. Dank der Unterstützung, so der Schultes, "konnten unsere Feuerwehrmitglieder, die seit Freitagabend im Dauereinsatz waren, am Montag für wenige Stunden verschnaufen.“



Ortsmitte und mehrere Haeuser ueberflutet

In der Ortsmitte von Uhingen waren mehrere Häuser überflutet.

SDMG

Weiterhin Keller leer pumpen

Unermüdlich sind die Feuerwehren und das THW damit beschäftigt, Keller leer zu pumpen. Parallel prüfen Elektriker, ob keine Gefahr besteht. Erst wenn das Wasser raus ist und die Elektriker die Gebäude geprüft haben, dürfen die Bewohner wieder hinein. „Das wird erst im Laufe des Montags erfolgen, da unglaublich viele Gebäude betroffen sind“, bittet der Schultes um Verständnis. Er geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten von Stadt und Rettungskräften drei bis vier Tage dauern.

Betroffen ist auch die Hieberschule, deren Keller vollgelaufen ist. Aber hier und an den anderen Schulen wird unterrichtet. Auch die Kindergärten sind in Betrieb, außer der in der Gerhart-Hauptmann-Straße. Wegen Wasser in der Haustechnik konnte er am Montag nicht geöffnet werden.

Straßen gesperrt 

Angesichts der Unwetter seien es vergleichsweise wenige Straßen und Wege, die in Uhingen gesperrt sind, sagt die Stadtverwaltung. Die Heerstraße nördlich der Bahn, die Wege rund um den Charlottensee, die Kanalstraße, die Einfeldstraße in Holzhausen. Gesperrt ist auch die Unterführung der Bünzwanger Straße für Fußgänger. Die Fichtenstraße in Holzhausen ist halbseitig gesperrt. Die Kirchstraße, Filsstraße und Schulstraße in Uhingen sind passierbar. Der Schultes appelliert an alle, sich an die Sperrungen zu halten. Im Laufe des Samstags seien schon Sperrungen entfernt worden.

Sein Blick auf die Lage: „In Anbetracht dessen, was alles hätte passieren können, sind wir knapp an einer totalen Katastrophe vorbeigekommen.“