Hochwasser im Kreis Göppingen: Lage verschärft sich dramatisch: "Es geht darum, Menschenleben zu retten"

Verheerende Bilder aus dem unteren Filstal: Straßen und Häuser wurden vor allem in Ebersbach und Bünzwangen geflutet.
SDMGEs sind dramatische Bilder und Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren: Auf der B10 bei Ebersbach brechen die Wassermassen durch Schallschutzwände, Autos bleiben in den Fluten stecken. Die Bundesstraße ist seither zwischen Uhingen-West und Reichenbach/Hochdorf in beiden Richtungen wegen Überflutungen gesperrt. Wenige Kilometer weiter in Bünzwangen sieht es ebenso verheerend aus: Ein reißender Strom bahnt sich seinen Weg durch eine Straße Im Tal Richtung Ebersbach und überspült geparkte Autos. Landrat Edgar Wolff bestätigt um 22.30 Uhr am Telefon die dramatische Lage: "Wir richten jetzt alles danach aus, Menschenleben zu retten und ziehen alle Register."

Screenshot eines Videos, das am Sonntagabend in den sozialen Medien kursierte.
unbekantNoch kein Katastrophenfall ausgerufen
Wolff befand sich zu dieser Zeit beim Führungsstab im Göppinger Feuerwehrmagazin. Brennpunkt der Extremwetterlage, die seit Freitag anhält, sei aktuell Ebersbach. Man versuche, alle möglichen Hilfen in Anspruch zu nehmen, um die Menschen aus den Fluten zu retten. Dabei sollen auch Hubschrauber und Boote zum Einsatz kommen. Ebersbach war am späten Abend total abgeriegelt. Den Katastrophenfall hat der Landkreis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgerufen. "Dazu ist noch keine Entscheidung gefallen", sagte der Landrat, ließ aber auch durchblicken, dass dem Führungsstab eine lange Nacht bevorsteht. Zumal es am späten Abend wieder starke Regenfälle und Gewitter gab. Auch der Göppinger Oberbürgermeister Alex Maier gehört dem Stab an. Nach seinen Angaben waren kurz vor Mitternacht keine Menschen in der Stadt eingeschlossen.
Stausee im Notüberlauf
In Uhingen bot sich ein ähnliches Bild. Unzählige Menschen waren auf den Straßen unterwegs, teilweise in kurzen Hosen und Flipflops. Blaulicht zuckte durch die Nacht, die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um vollgelaufene Keller leer zu pumpen. Auch die Firma Allgaier war offenbar von eindringendem Wasser betroffen, auch hier waren Einsatzfahrzeuge zu sehen. Die Süddeutsche Mediengesellschaft berichtet von überfluteten Häusern im Stadtteil Holzhausen.

Am späten Abend kam jede Hilfe recht. Vor allem in Ebersbach war die Lage dramatisch.
SDMGDie Freiwillige Feuerwehr Donzdorf wies am späten Abend Nachrichten in den sozialen Medien zurück, wonach der Damm am Stausee zu brechen droht. Vielmehr befinde sich der Stausee aktuell im Notüberlauf, das heißt, das Wasser laufe geordnet in den Simonsbach. Das Hochwassersystem und die Sandsäcke seien vorsorglich aufgebaut worden, "um das Wasser im Falle des Übertritts am Einlauf Seegasse geordnet in die Lauter zu leiten". Die Feuerwehrleute kündigten an, die ganze Nacht im Magazin vor Ort zu sein und die Lage regelmäßig zu kontrollieren.
Außergewöhnliche Einsatzlage
Kurz vor Mitternacht schickte das Landratsamt eine Pressemitteilung zur aktuellen Situation. Aufgrund der sich zuspitzenden Lage mit Schwerpunkt im unteren Filstal beziehungsweise Ebersbach an der Fils und Uhingen hat die untere Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Göppingen am späten Sonntagabend um 22.38 Uhr die außergewöhnliche Einsatzlage (AEL) nach Paragraf 35 Landeskatastrophenschutzgesetz Baden-Württemberg - im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium Stuttgart - festgestellt.
Die Einsatzleitung bleibt unverändert bei den örtlich zuständigen Feuerwehren, allerdings hat der Landkreis und somit der Führungsstab dadurch Zugriff auf die Einsatzeinheiten des Katastrophenschutzdienstes, sowohl aus dem Landkreis selbst, als auch darüber hinaus, heißt es in der Mitteilung.
Massive Überflutungen in Wohngebiet
Durch massive Überflutungen in einem Wohngebiet in Ebersbach seien derzeit zahlreiche Menschen in Gefahr. In Abstimmung mit der örtlichen Einsatzleitung wurden daher bereits zeitnah - und vor der Feststellung der AEL - Spezialkräfte der verschiedensten Organisationen aus dem Regierungsbezirk angefordert. Diese sind inzwischen auch eingetroffen.
Die förmliche Feststellung einer außergewöhnlichen Einsatzlage (AEL) ist unterhalb der Auslösung eines Katastrophenfalles einzuordnen, räumt den Kreisbehörden jedoch bereits gewisse Kompetenzen ein.

