Früherer Innenminister ist tot
: Frieder Birzele mit 83 Jahren in Göppingen gestorben

Er war überzeugter Sozialdemokrat, Landesinnenminister unter CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel und maßgeblich an der Aufklärung von Lothar Späths „Traumschiff-Affäre“ beteiligt.
Von
Dirk Hülser
Göppingen
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  • Frieder Birzele (17. Januar 1940 - 25. Dezember 2023)

    Frieder Birzele (17. Januar 1940 - 25. Dezember 2023)

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  • Frieder Birzele (17. Januar 1940 - 25. Dezember 2023)

    Frieder Birzele (17. Januar 1940 - 25. Dezember 2023)

    Giacinto Carlucci
  • Frieder Birzele und der frühere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) in den 1970er-Jahren.

    Frieder Birzele und der frühere Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) in den 1970er-Jahren.

    NWZ-Archiv
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Frieder Birzele ist tot. Der langjährige Landtagsabgeordnete, frühere Landesinnenminister und Rechtsanwalt ist am Montag, 25. Dezember 2023, im Alter von 83 Jahren in der Göppinger Klinik am Eichert im Kreise seine Familie an einer Lungenentzündung gestorben.

Politisch aktive Familie

Birzele, geboren am 17. Januar 1940, stammte aus einer politisch aktiven Göppinger Familie. Schon sein Vater Georg war Stadtrat für die SPD, auch Frieder Birzeles älterer Bruder Ernst Birzele war SPD-Kommunalpolitiker und mehrfach Stimmenkönig bei den Wahlen zum Göppinger Gemeinderat.

30 Jahre lang Abgeordneter

1976 gründete Birzele eine Rechtsanwaltspraxis in Göppingen – im selben Jahr wurde er als Abgeordneter des Wahlkreises Göppingen in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, dem er 30 Jahre lang bis 2006 angehörte. Bereits 1963 war Birzele in die SPD eingetreten.

„Traumschiff-Affäre“ aufgeklärt

Einer breiten Öffentlichkeit wurde der ruhige und besonnene und stets akribisch arbeitende Politiker 1991 als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der „Traumschiff-Affäre“ von CDU-Ministerpräsident Lothar Späth bekannt. Unter anderem war Späth von einem Unternehmer zu einem Segeltörn in die Ägäis eingeladen worden und hatte ein Firmen-Flugzeug zur Nutzung überlassen bekommen. Der Unternehmer erhielt ohne Ausschreibung einen großen Auftrag des Landes – Späth musste schließlich zurücktreten. Birzele leitete auch den U-Ausschuss zum milliardenschweren Flowtex-Betrugsskandal.

Vier Jahre lang Innenminister

Nach der Landtagswahl 1992 gab es im Land erstmals seit 1972 wieder eine Große Koalition, unter Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) wurde Birzele Innenminister. Der Kampf gegen Rechtsextremismus und die innere Sicherheit waren ihm immer wichtige Anliegen. Mit der Feuerwehr und der Polizei verband ihn ein besonderes Verhältnis. Noch im Jahr 2010 zitierte die NWZ Polizisten mit diesem Zitat über Minister Birzele: „Den besten, den wir je hatten.“ 1996 endete die Große Koalition und wurde von einer CDU/FDP-Regierung abgelöst. Auf Birzele folgte als Innenminister Thomas Schäuble (CDU), der jüngere Bruder des CDU-Bundespolitikers Wolfgang Schäuble, der einen Tag nach Birzele am Dienstag, 26. Dezember 2023, starb. Birzele war ab 1996 Erster Stellvertretender Präsident des Landtags von Baden-Württemberg.

Auch ehrenamtlich aktiv

Frieder Birzele betätigte sich in vielen Vereinen und Verbänden, so etwa 19 Jahre lang als ehrenamtlicher Vorsitzender des baden-württembergischen Volkshochschulverbands, er war Vorsitzender des Präsidiums der Diakonie Württemberg und viele Jahre Vorsitzender der deutsch-polnischen Gesellschaft.