Erneuerbare Energien
: Aus Kunststoff wird Wasserstoff

Klimaneutraler Wasserstoff soll bald in Ebersbach entstehen – die Firma DU treibt ihre Arbeit weiter voran.
Von
SWP
Ebersbach an der Fils
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Die Wasserstoffanlage der Firma "DU: willkommen in der Umwelt".

Die Wasserstoffanlage der Firma "DU: willkommen in der Umwelt". Die Firma hat große Pläne, um aus Kunststoff Wasserstoff herzustellen.

DU
  • DU testet in Ebersbach eine Anlage, die aus Kunststoff klimaneutralen Wasserstoff erzeugt.
  • Bisher wird Holzstaub genutzt; nun werden Kunststoffe wie Polypropylen und Polyethylen verarbeitet.
  • Die Technik soll patentiert werden; DU plant, Kunststoffstaub künftig selbst herzustellen.
  • Bis 2026 sollen drei weitere Anlagen entstehen; der Wasserstoff wird für Lkw genutzt.
  • CO₂ wird an regionale Härtereien geliefert; Kunststoffindustrie zeigt großes Interesse.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Wir zünden die zweite Phase“, kündigt Christoph Zimmermann an. Der DU-Geschäftsführer liefert einen Einblick in den aktuellen (Entwicklungs-)Stand der Wasserstoffanlage, die im Frühjahr in Ebersbach bei Göppingen installiert wurde. Die zweite Phase bedeutet, dass die Anlage, die bisher Holzstaub in seine Bestandteile Wasserstoff, Kohlendioxid, Abwasser und Asche aufspaltet, nun mit Kunststoffen „gefüttert“ wird, wie das Unternehmen mitteilt.

Bisher wird getrockneter und gesiebter Holzstaub in den Reaktor geblasen. Dieser kann täglich inzwischen einen 16-stündigen Dauerbetrieb leisten. Dafür wird er mit jährlich 800 Tonnen Holzstaub „gefüttert“. Durch einen Vergasungsprozess entstehen mehr als 70 Tonnen klimaneutraler Wasserstoff und 700 Tonnen Kohlendioxid. Hinzu kommen 7,5 Kilogramm Asche pro Produktionsstunde, die als Biodünger verwendbar sind. Zudem fallen stündlich bis zu 130 Kilogramm sauberes Abwasser an, das in die Kanalisation geleitet wird.

Damit er reibungslos funktioniert, haben Ingenieure der Betreiberfirma GHT den gesamten Prozess visualisiert. „Wir sehen nun genau, welche Temperatur und welcher Druck an jeder Stelle der Anlage herrscht und vor allem, wie viel Ausgangsmaterial wir wann hineingeben müssen, um optimale Ergebnisse zu erzielen“, verdeutlicht Zimmermann.

Verfahren soll patentiert werden

In der zweiten Phase wurden Polypropylen und Polyethylen als Ausgangsstoffe eingesetzt. Die Anlage lief fünf Werktage hintereinander störungsfrei und erzielte eine hohe Wasserstoffausbeute. Diese Kunststoffe finden sich in Verpackungen, Isoliermaterial und Textilien. Bisher werden sie verbrannt oder in der Zementindustrie verarbeitet. „Wir wollen weg vom Verbrennen“, so Forstassessor Zimmermann. Anstatt die Kunststoffe thermisch zu verwerten und das CO2 zu emittieren, soll die Wasserstoffanlage sie aufspalten.

Die Sache habe allerdings einen Haken: Bisher kaufe DU Holz- und Kunststoffstaub in Reinform zu. „Wir tüfteln an einem Verfahren, das es möglich macht, Kunststoffstaub selbst herzustellen.“ Expertise im Zerkleinern von Kunststoff hat das Unternehmen seit Jahrzehnten. In Eislingen betreibt DU eine Recyclinganlage, die aus Plastikflaschen PET-Flakes herstellt, aus denen wiederum Flaschenrohlinge gespritzt werden können.

Wie genau das funktionieren soll, bleibt Betriebsgeheimnis. Nur so viel: „Wir wollen uns das Verfahren patentieren lassen“, so Zimmermann. Parallel dazu sucht Anlagenbetreiber GHT (Green Hydrogen Technology) weitere Partner aus dem mittelständischen Entsorger-Milieu, die ähnlich wie DU Anlagen installieren und das Ausgangsmaterial beschaffen. Es gibt bereits Interessenten: „Drei konkrete Projekte sollen 2026 realisiert werden“, weiß Zimmermann.

Pläne für die Zukunft

Und woher soll der Kunststoffabfall kommen, der zu Wasserstoff und CO2 werden soll? Auch hierfür habe Zimmermann nach Quellen gefahndet. „Wir rennen bei Kunststoff-Spritzgießern offene Türen ein“, so der Geschäftsführer, auf dessen Gelände in Ebersbach die Anlage steht. Die Kunststoffindustrie sei sehr daran interessiert, Warenkreisläufe zu schließen. „Wir haben die passende Technik dafür.“

Bis Anfang 2026 soll Phase zwei abgeschlossen sein. Der erzeugte Wasserstoff werde dann wasserstoffbetriebene Lastwagen antreiben. Das CO2 werde an Härtereien in der Region geliefert. Entsprechenden Abnahmevereinbarungen würden verhandelt.