Jugendamt bezieht Stellung: Tagesvater soll über Jahre Kinder sexuell missbraucht haben

Die Polizei hat einen Mann festgenommen, der im Verdacht steht, Kinder sexuell missbraucht zu haben. (Symbolbild)
Karl-Josef Hildenbrand/dpa- Anklage gegen einen Kindertagesbetreuer aus dem Rems-Murr-Kreis wegen vielfachen Missbrauchs.
- Vorgeworfen werden schwerer sexueller Missbrauch, Missbrauch von Schutzbefohlenen und Herstellung von Kinderpornografie.
- Der Mann betreute Kinder und soll in 41 Fällen seit 2020 bis zu seiner Festnahme sexuelle Handlungen begangen haben.
- Betroffen waren mindestens acht Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren – teils wurden Handlungen gefilmt.
- Der Geständige sitzt in Untersuchungshaft, das Landgericht Stuttgart entscheidet über die Zulassung der Anklage.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Betreuer von Kindern soll ihm anvertraute Kleinkinder und Kinder vielfach sexuell missbraucht haben. Das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg erhob unter anderem wegen schweren Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen sowie der Herstellung kinderpornografischer Inhalte Anklage gegen den Mann. Ihm werden 41 Fälle teils schwerer sexueller Gewalt gegen die Kinder vorgeworfen, wie das Cybercrime-Zentrum und Polizei weiter mitteilten.
Der Beschuldigte habe im an Stuttgart angrenzenden Rems-Murr-Kreis bis zu seiner Festnahme im Oktober 2025 als Tagesvater gearbeitet. Um die Kinder habe er sich zu Hause gekümmert, sagte ein Polizeisprecher. Seit 2020 soll der Mann in insgesamt 41 Fällen sexuelle Handlungen an oder vor jeweils mindestens einem von insgesamt acht der von ihm betreuten Kinder vorgenommen haben.
Jüngstes Opfer noch im Säuglingsalter
Zum Alter des Mannes sowie seinem Wohn- beziehungsweise Arbeitsort äußerten sich die Ermittler nicht. Der Mann sei sonst schnell identifizierbar, sagte ein Sprecher. Auch zu den ihm vorgeworfenen Missbrauchstaten werde es keine weiteren Ausführungen geben.
Die Opfer seien zwischen nicht mal einem Jahr und zwölf Jahre alt gewesen. Das betroffene Kind im ersten Lebensjahr habe sich bei den sexuellen Handlungen mit im Raum befunden, sei aber nicht selbst von einem Übergriff betroffen gewesen, hieß es weiter.
In Tauschbörse aufgedeckt
Außerdem soll der Deutsche in zwei Fällen Kinder bei sexuellen Handlungen untereinander aufgenommen haben. In mindestens einem Raum, in dem die Kinder betreut wurden, sei eine Kamera installiert gewesen. Auch habe der Mann kinderpornografische Inhalte an andere weitergegeben, lauten die Vorwürfe weiter.
Die Ermittler waren dem Mann mit Hilfe bayerischer Strafverfolgungsbehörden auf die Schliche gekommen – im Rahmen von Ermittlungen in einem sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk. Das sind Tauschbörsen für Kinderpornografie. Bei dem Mann wurden schließlich elektronische Geräte mit einschlägigen Darstellungen gefunden. Er sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Das Landgericht Stuttgart muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Landrat Sigel: „Ein unvorstellbarer Tabubruch“
Das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises hat zu dem Fall eine Stellungnahme abgegeben. Demnach hätten weder dem Jugendamt noch den Tageselternvereinen bis zum Beginn der Ermittlungen Hinweise vorgelegen, die gegen die Eignung des Tatverdächtigen als Kindertagespflegeperson sprachen. Die Vorgaben zur Pflegeerlaubnis und Qualitätssicherung seien regelmäßig geprüft worden.
„Wir sind erschüttert über die kriminelle Energie und schockiert über das Ausmaß der zur Last gelegten Taten“, teilte Landrat Richard Sigel mit. „Es ist unerträglich, wenn Kinder Opfer sexualisierter Gewalt werden. Die Obhut von Kindern auszunutzen, ist ein unvorstellbarer Tabubruch.“ Sigel dankte dem Cybercrime-Zentrum BW und dem Polizeipräsidium Aalen für die Aufklärung des Falls, zu derer das Landratsamt seinen Beitrag geleistet habe. Das Verfahren liege nun in den Händen der Justiz.
„Das Jugendamt hat unmittelbar mit Bekanntwerden der Ermittlungsarbeiten Kontakt zu den betroffenen Familien aufgenommen. Wir begleiten die Familien bewusst und machen Ihnen Angebote, unter anderem psychologische Beratung durch die Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt“, so Holger Gläss, Leiter des Kreisjugendamts.
Telefonisch ist die Anlaufstelle erreichbar unter 07151/501-1496 oder per Mail an anlaufstellegsg@rems-murr-kreis.de. Die Beratungen sind kostenlos und auf Wunsch anonym.
