An diesem Morgen nehmen wir uns die Höhenrunde vor. Immer den Tafeln mit dem grünen Löwenkopf nach. Unser Auto steht am Rathaus, durchs Wohngebiet ging’s hinauf in Richtung Hiltenburg. Doch sie blieb links liegen. Schade eigentlich.

Erfahrungsbericht der Höhenrunde:

An einer anderen Stelle müssen wir dann doch die Uhr fragen, auch wenn wir uns nur ungern auf sie verlassen. Über Gosbach am Hang können wir uns nicht entscheiden, welcher der beiden Löwenköpfe an den Bäumen für uns gedacht ist. Ein Blick ans Handgelenk: Geradeaus verläuft die Route den Berg hinauf.
Wir unterhalten uns. Über Freunde aus der Kindheit. Was ist aus wem geworden, wer wohnt nun wo? Aber Thema sind auch alpine Wanderungen. Steigeisen, Fehlkäufe, Hüttenerlebnisse. Und es geht um peinliche Wanderhüte für Männer. Der Schweiß steht mir auf der Stirn.
Immer wieder zeigen im Boden verankerte Holzpflöcke, wo es hingehen soll. Sieht modern aus, und gefällt uns gut. Einen Teil der „neuen“ Höhenrunde kenne ich schon, den markanten Oberbergfelsen über Bad Ditzenbach steuern wir schließlich öfter an. Der Aufstieg aus dem Ort direkt hinauf ist kurz und knackig und bietet schnell ein schönes Panorama. Heute werden wir dort unsere Tour beenden.
Meine Mitstreiterin war vor fünf Tagen noch auf einem 4000er in der Schweiz, ich habe die Alpen im vergangenen Jahr zu Fuß überquert. Die Tour von 12,2 Kilometern und 300 Höhenmetern erscheint uns wie ein Spaziergang. 3 Stunden und 49 Minuten Gehzeit? Wir gehen um 10.30 Uhr los und setzen uns 3 Stunden zum Ziel.
Auf der Hochfläche angekommen, entdecken wir einen Spielplatz. Keine Kinder in Sicht, das nutzen wir aus. Allerdings endet der Versuch an der Reifenschaukel für mich mit dem Hintern im Sand. Ein Paar sitzt auf einer Bank und schaut uns belustigt zu. Von meinem Bein bröseln die winzigen Körner. Eine Seilbahn mit Tau und Teller zum Draufspringen sieht ungefährlicher aus. Und siehe da: Unbeschadet steige ich ein paar Meter später vom Gerät. Genug der Kinderei. Wir beschließen, uns doch wieder aufs Wandern zu konzentrieren.
Der restliche Teil des Rundwanderweges führt fast ausschließlich auf schmalen Pfaden durch den Wald. Das Gelände fällt links steil ab, dahinter erheben sich auf der anderen Talseite weitere Hügel.

Landschaft wie aus Märchenwelt

Eine Landschaft wie aus einer Märchenwelt erwartet uns im Wald. Das satte Grün der bodendeckenden Pflanzen überwältigt uns. Keine Menschen. Sanftes Auf und Ab über Wurzeln und Steine. Teils treten wir in matschigen Dreck. Unseren Schuhen macht das nichts.
Beim Tierstein schauen wir in die Weite, jede beißt in einen mitgebrachten Riegel. Getrocknete Bio-Beeren, Nüsse, kein künstlicher Zucker. Unser Wasser kommt per Schlauch und Drehverschluss aus dem Rucksack. So geht’s am schnellsten. Man muss nicht stehenbleiben, die Flasche herausholen und wieder verstauen. Egal, ob beim Wandern in den Alpen oder beim Trailrunning am Albtrauf - wir beide nutzen diese neue Technik gerne. Sie macht uns Sportler schließlich schneller.
Wilder Schnittlauch ziert den kargen Felsen. Ein paar Hummeln und Bienen machen sich über die Blüten her. Für uns geht’s stramm weiter zwischen Brennnesseln und jungen Rosentrieben in Richtung Schonterhöhe.
An einem Parkplatz verlassen wir den Wald, die Hiltenburg mit ihrem wehenden Fähnchen haben wir inzwischen umrundet. Kurze Pause: hingesetzt, Stein aus dem Schuh. Weiter geht’s, und zwar schon leicht bergab.

Kein Gelände für Selfies

Gegen Ende treffen wir mehrere Wanderer. Am Oberbergfels sitzt an beiden Aussichtspunkten jemand. Wir bitten eine Frau, ein Foto von uns zu machen. Mit Selfies am Abgrund haben wir’s nicht so und ein Schritt zu weit nach hinten wäre voraussichtlich tödlich. Meine Kamera reiche ich der Frau über einen Abgrund, über den wir auf den vorgelagerten Felsen springen mussten. Nichts für schwache Nerven.
Beim Abstieg entdecken wir einige Haken an der Steilwand des Oberbergfelses. Hier üben Kletterer gerne den Aufstieg, teils überhängend. Doch meine Freundin und ich sind uns einig. In dem Gelände möchte man nicht stehen und den Kletternden von unten sichern.
Weiter unten treffen wir auf den Ave-Weg, einen anderen Löwenpfad, der in Deggingen startet. Die Schilder stehen erst seit einigen Wochen, wie ich vom Tourismusmanager des Landkreises erfahren habe. Um diese Uhrzeit ist aber nichts los. Wir bleiben die einzigen auf unserer Runde.
Um 13.15 Uhr verlassen wir den Wald am Oberberg. Satte Blumenwiesen empfangen uns, Disteln blühen gerade in kräftigem Lila. Wir gehen vorbei an der Pferdekoppel und stehen drei Stunden nach Start der Tour am Auto. Geschafft! Der Rucksack wurde um 1,5 Liter Leitungswasser leichter. Zum Mittagessen zu Hause wird’s gerade recht.

Zusammenfassung der Höhenrunde

Die rund 12,2 Kilometer lange Tour ab Bad Ditzenbach startet am Wanderparkplatz des Haus des Gastes und führt die Wanderer von dort auf die höhenreiche Tour im Oberen Filstal. Abgehend vom Weg empfiehlt sich ein Abstecher zur Ruine Hiltenburg. Die schönsten Aussichtspunkte bieten sich am Tierstein und am Oberbergfels auf über 730 Metern. Eine Grillstelle mit Spielplatz findet man unter anderem am Wanderparkplatz Aimer.

Details zur Route:

Schwierigkeit: Mittel
Strecke: 10,8 Kilometer
Dauer: 3:28 Stunden
Aufstieg: 302 Höhenmeter