Eislingen: Hier sind wir zu Hause: Die Rahmenbedingungen sind gut

Oberbürgermeister Oliver Marzian hat auf der Bühne während des verkaufsoffenen Sonntags die Fragen von NWZ-Redaktionsleiter Helge Thiele beantwortet.
Tilman Ehrcke- Eislingen plant Stadtmitte neu: Bahnbrücke ab Januar weg, Schlossplatz folgt mit mehr Freiraum.
- Neue Radunterführung soll Platz auf dem Schlossplatz schaffen und Nord und Süd besser verbinden.
- Finanzen: Lage „noch gut“, aber Risiken durch Kreisumlage und Baukosten; Projekte werden priorisiert.
- Wohnen und Wirtschaft: Nachnutzung von Flächen, geförderte Wohnungen im Klingengraben, enge Firmenkontakte.
- Verkehr und Ordnung – mehr Radinfrastruktur, Regeln für Gehwege strenger, Tempo 30 vereinheitlichen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Stadtmitte neu gestalten, den Radverkehr weiterentwickeln, Wohnraum schaffen und die Wirtschaft stärken: Oberbürgermeister Oliver Marzian hat für die kommenden Jahre einige Vorhaben auf der Agenda. Im Oberbürgermeistertalk im Rahmen der NWZ-Aktion „Hier sind wir zuhause“ mit NWZ-Resaktionsleiter Helge Thiele geht er auf die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger ein – und erklärt auch, wo die Stadt selbst nur begrenzten Einfluss hat. Die wichtigsten Punkte im Überblick.
Wie soll sich die Eislinger Stadtmitte in den kommenden Jahren verändern?
In der Stadtmitte stehen zunächst weitere Baustellen an. Ab Januar soll die bisherige Bahnbrücke abgebrochen werden. Bis Juni 2027 soll der Abbruch abgeschlossen sein, sodass die Brücke zum Stadtfest 2027 verschwunden ist. Danach kann die Stadt die Neugestaltung des Schlossplatzes angehen. Marzian wünscht sich in diesem Zusammenhang auch eine neue Radunterführung. Dadurch soll auf dem Schlossplatz mehr Raum entstehen – für Fußgänger ebenso wie für den Wochenmarkt, Feste und andere Veranstaltungen.
Hinter den einzelnen Projekten steht für den Oberbürgermeister ein größeres Ziel: Die historisch getrennten Bereiche nördlich und südlich der Bahn sollen stärker zusammenwachsen. Spätestens zum 100-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2033 soll an dieser Nahtstelle ein gemeinsames Zentrum entstanden sein. Marzian verspricht sich davon einen weiteren Schub für die Innenstadt.
Was soll mit dem Schlossplatz passieren?
Nach dem Abbruch der Brücke soll der Schlossplatz neu gestaltet werden. Marzian möchte dort vor allem mehr nutzbaren öffentlichen Raum schaffen. Die Fläche soll Platz für Fußgänger, den Wochenmarkt, das Stadtfest und weitere Veranstaltungen bieten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die mögliche neue Radunterführung. Sie könnte Radfahrer direkt durch die Stadtmitte führen und gleichzeitig dafür sorgen, dass oberirdisch mehr Fläche für die Gestaltung des Platzes zur Verfügung steht.
Soll auch die Fils stärker Teil der Stadtmitte werden?
Der Wunsch ist da, konkrete Planungen gibt es allerdings noch nicht. Bislang lässt sich die Fils beispielsweise vom Holzdeck an der Stadthalle erleben. Marzian weist darauf hin, dass der Fluss in Eislingen relativ tief liegt. Das sei bei Hochwasser von Vorteil, erschwere aber an vielen Stellen den direkten Blick auf das Wasser. Mit dem Umbau der Stadtmitte könnten sich neue Möglichkeiten ergeben. Wenn die Brücke im Süden verschwunden ist, entsteht beispielsweise in der Bahnhofstraße neuer Raum an der Fils. Wie dieser genutzt werden könnte, ist bislang offen. Marzian macht deutlich, dass die Überlegungen noch nicht konkret genug sind, der Wunsch nach einer stärkeren Einbindung der Fils in die Stadtentwicklung aber vorhanden ist.
Was passiert mit dem Lutherareal und dem Dehnerareal?
Beim Lutherareal handelt es sich um eine städtische Fläche. Wie es dort weitergehen könnte und ob eine Bebauung möglich ist, soll der Gemeinderat beraten. Marzian wollte der Entscheidung im Interview ausdrücklich nicht vorgreifen. Anders sieht es beim Dehnerareal aus. Das Gelände befindet sich in privatem Besitz. Dort versucht der Eigentümer, eine umsetzbare Planung zu entwickeln. Das sei angesichts der derzeit hohen Baukosten nicht einfach. Die bisherigen Planungen seien so nicht realisierbar gewesen. Deshalb müsse abgewartet werden, ob neue Pläne entwickelt werden können. Grundsätzlich begrüßt Marzian, dass sich die Bürgerinnen und Bürger Gedanken darüber machen, in welcher Reihenfolge Flächen und Areale in Eislingen entwickelt werden sollten.
Gibt es einen langfristigen Plan für die Entwicklung Eislingens?
Ja. Im kommenden Jahr soll ein sogenanntes integriertes Stadtentwicklungskonzept aufgesetzt werden. Darin sollen verschiedene bereits bestehende Fachplanungen zusammengeführt werden – beispielsweise das Einzelhandelskonzept, das Mobilitätskonzept und das Klimaanpassungskonzept. Hinzu kommen soll eine Bürgerbeteiligung. Gemeinsam soll darüber nachgedacht werden, wie die Innenstadt in etwa zehn Jahren, also 2035 oder 2036, aussehen könnte. Zuvor soll sich der Gemeinderat bei einer Klausurtagung auch mit der Frage beschäftigen, welche Projekte sich die Stadt unter den finanziellen Rahmenbedingungen überhaupt leisten kann. Marzian betont zugleich, dass Stadtentwicklung nicht ausschließlich aus städtischen Projekten besteht. Entscheidend sei das Zusammenspiel zwischen privaten Investitionen und den Aktivitäten der Stadt.
Kann sich Eislingen all diese Projekte überhaupt leisten?
Marzian beschreibt die finanzielle Lage der Stadt als vergleichsweise gut, warnt aber davor, sich darauf auszuruhen. Im Haushalt 2026 rechnet Eislingen mit Gewerbesteuereinnahmen von 13,2 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt des Interviews lag der Stand bei 13,9 Millionen Euro. Ein Einbruch der Gewerbesteuer auf breiter Front sei damit bislang nicht zu erkennen. Das könne sich jedoch jederzeit ändern. Hinzu kommen Belastungen, auf die die Stadt nur begrenzten Einfluss hat. Als Beispiel nennt Marzian die Kreisumlage. Eislingen zahlt in diesem Jahr 14 Millionen Euro an den Landkreis. Nach den zum Zeitpunkt des Gesprächs diskutierten Zahlen könnten es im kommenden Jahr 17 Millionen Euro sein. Drei Millionen Euro zusätzlich aufzubringen, würde auch eine finanziell vergleichsweise gut aufgestellte Kommune vor erhebliche Probleme stellen. Deshalb sagt Marzian über die Finanzlage Eislingens: Der Stadt gehe es „noch gut“.
Was will Marzian gegen Müll und Verschmutzung unternehmen?
Beim Thema Sauberkeit sieht Marzian nicht ausschließlich die Stadt in der Verantwortung. Für die Sauberkeit an Altglascontainerstandorten sei grundsätzlich der Abfallwirtschaftsbetrieb zuständig. Gleichzeitig appelliert er an die Bürgerinnen und Bürger, keinen Müll an den Containern abzustellen und Abfälle nicht unnötig früh zur Abholung herauszustellen. Der städtische Betriebshof beseitige Verschmutzungen, die er sehe, und kümmere sich teilweise auch um privaten Müll. Containerstandorte würden zudem zweimal pro Woche gereinigt, wenn dies nicht von anderer Seite geschehe. Die Stadt könne aber nicht überall gleichzeitig sein. Auch beim Ordnungsamt setzt Marzian nicht ausschließlich auf Kontrollen. Er plädiert dafür, Probleme zunächst direkt miteinander zu besprechen – beispielsweise mit dem Nachbarn –, bevor die Stadt eingeschaltet wird. Gleichzeitig verursacht illegal oder falsch entsorgter Müll nach seinen Angaben zusätzliche Kosten für die Kommune, weil beispielsweise private Müllsäcke über öffentliche Mülleimer auf Kosten der Stadt entsorgt werden müssen.
Wie soll der Radverkehr weiterentwickelt werden?
Das Fahrrad spielt in Marzians Vorstellungen für die Mobilität eine wichtige Rolle. Er verweist darauf, dass Eislingen in den vergangenen Jahren bereits einiges umgesetzt habe. Die Stadt verfügt über zwei Fahrradstraßen, auf der Hauptstraße gibt es ein Fahrradüberholverbot und an der Hirschkreuzung wurde der Radverkehr aus der Unterführung in den Kreisverkehr geholt. Ein nächster wichtiger Schritt könnte die neue Radunterführung an der Schlosspassage werden. Darüber soll der Gemeinderat entscheiden. Darüber hinaus verweist Marzian auf die Filstalrouten Nord und Süd. Auch der Radschnellweg soll durch Eislingen in Richtung Göppingen weitergebaut werden. Dafür ist allerdings der Landkreis verantwortlich. Weitere Verbesserungen will die Stadt nach und nach umsetzen.
Will Marzian gleichzeitig stärker gegen Radfahrer und E-Scooter auf Gehwegen vorgehen?
Ja. Marzian unterscheidet klar zwischen der Förderung des Radverkehrs und der Einhaltung der Verkehrsregeln. Radfahrer und E-Scooter gehörten auf die Straße und nicht auf den Gehweg. Gerade dieses Verhalten soll nach seinen Worten in den kommenden Monaten konsequenter verfolgt werden. Auch Kinder unter 14 Jahren hätten auf E-Scootern nichts verloren. Gleiches gelte für Fahrzeuge ohne Versicherungskennzeichen. Vor allem im Bereich der Hauptstraße möchte die Stadt wieder stärker auf die Einhaltung der Regeln achten. Gegen Radfahrer, die auf der Straße entsprechend schnell unterwegs sind, hat Marzian dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden.
Soll es in Eislingen noch mehr Tempo 30 geben?
In nahezu allen Wohngebieten gilt bereits Tempo 30. Auch auf der Ulmer und Stuttgarter Straße sowie auf weiteren Straßen gibt es entsprechende Begrenzungen. Marzian kann sich vorstellen, bestehende Tempo-30-Bereiche stärker zu vereinheitlichen. Als Beispiel nennt er die Schlossstraße, auf der teilweise noch Tempo 50 gilt. Es soll geprüft werden, ob sich die Tempo-30-Zonen so gestalten lassen, dass innerhalb eines größeren Gebiets eine einheitliche Geschwindigkeit gilt und nicht immer wieder einzelne Abschnitte mit Tempo 50 dazwischenliegen.
Kann die Weingartenstraße vom Durchgangsverkehr entlastet werden?
Eine einfache Lösung sieht Marzian nicht. Um den Durchgangsverkehr tatsächlich zu verhindern, müsste die Straße beispielsweise an einer Stelle gesperrt werden. Dann stelle sich jedoch sofort die Frage, wohin der Verkehr ausweicht. Die Weingartenstraße gehört für ihn zu den Straßen, die innerhalb Eislingens eine gewisse Sammelfunktion übernehmen. Ähnliches gelte für die Poststraße, die Scherstraße und die Talstraße. Eine Sperrung würde den Verkehr deshalb nicht verschwinden lassen, sondern möglicherweise lediglich auf andere Straßen verlagern.
Plant Eislingen eine Kameraüberwachung auf öffentlichen Plätzen?
Nein, zumindest unter den derzeitigen Voraussetzungen ist dies nicht möglich. Marzian verweist darauf, dass für eine Kameraüberwachung öffentlicher Wege und Plätze ein Kriminalitätsschwerpunkt vorliegen müsse. Einen solchen gebe es in Eislingen nicht. Deshalb sei eine entsprechende Überwachung datenschutzrechtlich nicht zulässig.
Wie will Marzian Arbeitsplätze sichern und neue Unternehmen nach Eislingen holen?
Eislingen verfügt nach seinen Angaben über rund 8000 Arbeitsplätze. Gleichzeitig bauen einzelne Unternehmen Stellen ab. Für völlig neue große Gewerbegebiete sind die Möglichkeiten begrenzt, denn Eislingen besitzt eine vergleichsweise kompakte Gemarkung und nur wenig freie Fläche. Marzian setzt deshalb unter anderem auf die Nachnutzung frei werdender Flächen und den engen Kontakt mit den vorhandenen Unternehmen. Rund 20 Firmenbesuche hat er bereits terminiert, beginnend bei den großen Unternehmen am Standort. Firmen, die sich in Eislingen ansiedeln möchten, sollen sich an die Stadt wenden können. Dann werde geprüft, welche Flächen frei sind oder künftig frei werden könnten. Auch die Wirtschaftsförderung möchte Marzian wieder stärker in den Blick nehmen. Sein Ziel ist es, die Bereiche Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung personell möglichst gut aufzustellen und den Kontakt zu den Unternehmen zu intensivieren. Die Verwaltung müsse permanent wissen, was sich in den Betrieben und auf den verfügbaren Flächen bewegt.
Wie will die Stadt neuen und bezahlbaren Wohnraum schaffen?
Die Ausgangslage ist aus Marzians Sicht schwierig, weil Bauen derzeit teuer ist. Dennoch entstehen neue Wohnungen. Im Klingengraben werden nach seinen Angaben mehr als 85 Wohneinheiten gebaut. Davon sollen 20 bis 25 Prozent sozial gefördert sein und damit Menschen mit Wohnberechtigungsschein zur Verfügung stehen. Weitere rund 80 Wohnungen könnten auf einem anderen Areal entstehen. Die Stadt selbst verfügt allerdings nur über wenige eigene Bauplätze. Deshalb möchte Marzian nicht sofort neue Baugebiete auf der grünen Wiese ausweisen. Zunächst soll geprüft werden, welche Baulücken innerhalb der Stadt vorhanden sind und wie Rahmenbedingungen geschaffen werden können, damit diese Grundstücke tatsächlich bebaut werden.
Wie sollen Eislingen-Nord und Eislingen-Süd stärker zusammenwachsen?
Die Bahnlinie wird als Trennung zwischen Nord und Süd bestehen bleiben. Rund 12.000 Menschen leben laut Marzian im nördlichen und rund 9000 im südlichen Stadtteil. Gerade deshalb dürfe der Süden bei den städtischen Maßnahmen nicht vergessen werden. Ein konkretes Ziel betrifft die Bahnhofstraße. Sie soll nach Marzians Vorstellungen mit einer ähnlichen Qualität und einem entsprechenden Geschäftsbesatz weiterentwickelt werden, wie dies in der Hauptstraße in den vergangenen 20 Jahren geschehen ist. Zusammenhalt entsteht für den Oberbürgermeister aber nicht allein durch Stadtgestaltung. Eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielen Vereine, Kirchengemeinden, Feuerwehr und andere Organisationen, in denen Menschen zusammenkommen und sich engagieren. Ehrenamtliche zu unterstützen und Veranstaltungen sowie Begegnungsmöglichkeiten zu fördern, gehört deshalb ebenfalls zu seinem Programm. Sein Grundgedanke dabei: Stadtentwicklung funktioniert nicht nur über Gebäude, Straßen und Plätze, sondern vor allem über die Menschen, die in Eislingen leben.
