Es raschelt im Walnussbaum. Grüne Schalen fallen zu Boden, dann flitzt ein rotes Eichhörnchen den Stamm herab, sucht einen geeigneten Platz im Acker und vergräbt eine Nuss. Sofort springt es wieder den Baum empor und sucht weiter nach Futter. Als es die Spaziergänger vor dem Baum bemerkt, stößt es kurze Rufe aus, sammelt aber weiter fleißig Vorräte für den Winter. Wie im Nussrausch springen die wendigen Tiere von Baum zu Baum. Der Schwanz hilft ihnen dabei, die Balance zu halten. Dank ihrer scharfen Krallen können sie auch kopfüber die Bäume herunterrennen, ohne abzurutschen. Die spitzen Zähne öffnen problemlos Nüsse. Auch die Samen in Kiefernzapfen stehen auf dem Speiseplan, ebenso wie Bucheckern, Eicheln, Pilze, Knospen, Triebe – selten auch Insekten, Jungvögel oder Vogeleier.
Kleine Räuber im flauschigen Pelz
Eichhörnchen sehen zwar putzig aus, sind aber kleine Räuber. Wie groß die Population im Kreis ist, weiß das Umweltschutzamt nicht. Bedroht sind die Waldbewohner aber nicht, sagt die Wildtierbeauftragte des Landkreises, Patricia Brandbeck. Die heimischen Eichhörnchen in Großbrittanien wurden von den größeren nordamerikanischen Grauhörnchen verdrängt, weil diese aggressiver und dominanter waren. Außerdem tragen dort die Grauhörnchen ein Pockenvirus in sich, gegen das die heimischen Arten nicht immun werden und sterben. Diese Bedrohung spielt aber laut Brandbeck in Deutschland keine Rolle.
Wenn die heimischen Eichhörnchen eines Tages bedroht wären, dann eher, wenn der natürliche Lebensraum, die Laubwälder mit altem Baumbestand schwinden. Das Fell der heimischen Eichhörnchen ist zur Tarnung gut an den Wald angepasst. Die Farbe reicht von rot-braun bis braun-schwarz, der Bauch ist hell. „Je wärmer die Klimazone, desto heller ist das Fell“, erklärt Brandbeck. Eichhörnchen haben einen Fellwechsel, das Winterfell ist immer etwas dunkler.
Wenn der Frost kommt, dann halten die Tiere gegen Ende November Winterruhe in ihrem Nest, dem fußballgroßen Kobel, hoch oben in den Baumkronen. Dort rollen sie sich ein und schlafen. Dabei decken sie sich mit dem buschigen Schwanz zu, um sich warm zu halten. Dort oben werden sie nur von einem heimischen Feind erreicht: dem Baummarder. Am Boden müssen sie sich auch vor jagenden Hauskatzen in Acht nehmen. „Eichhörnchen haben mehrere Nester, so dass sie bei Gefahr auch mal schnell umziehen können“, erklärt die Wildtierbeauftragte.
Während der Aktivitätsphasen im Winter suchen Eichhörnchen ihre Verstecke auf, um zu fressen. Da sie nicht alle Nüsse wiederfinden, wachsen aus den vergessenen Vorräten neue Bäume. Eichhörnchen sind also wenn man so will kleine Förster. „Uns braucht die Natur nicht“, sagt Brandbeck. Eichhörnchen kommen in der Regel gut durch den Winter, Menschen sollten sie also nicht füttern. Denn das könnte auch ungewollte Mitesser wie Ratten oder Waschbären anlocken. Wer aber seine Freude daran habe, im Winter die Vögel zu beobachten und Futterhäuschen aufstellt, der muss damit rechnen, dass sich auch ein räuberisches Eichhörnchen über die Körner hermacht. Junge bekommen die Eichhörnchen im Frühling.
Wildtiere in der Natur lassen
Wer ein verletztes oder krankes Eichhörnchen findet, dem rät die Wildtierbeauftragte: „Am besten die Tiere da lassen, wo sie sind.“ Es sei zwar nicht schön, aber völlig natürlich, dass nicht alle Tiere den Winter überleben. So sorgt die Natur dafür, dass es nicht zu viele Eichhörnchen werden. Für Wildtiere bedeute es zudem großen Stress, wenn Menschen sie anfassen und mitnehmen. Es könne sogar sein, dass die Tiere an diesem Stress sterben. Wer ein schwerverletztes Tier findet, kann es an einen ruhigen und geschützten Platz bringen, es mit Flüssigkeit versorgen und ihm viel Ruhe gönnen. Es sei aber schwer, Wildtiere aufzupäppeln und wieder auszuwildern. „Als Wildtierbeauftragte bin ich die erste Ansprechpartnerin und kann helfen, die Tiere zu vermitteln“, sagt Brandbeck. Dabei komme es auf den individuellen Fall an und wie alt das Fundtier ist. Auch ein Tierarzt könne schwer verletzte Tiere einschläfern und so erlösen, wenn Menschen ein Wildtier nicht sich selbst überlassen wollen. Die Kosten für Pflege oder den Tierarzt muss aber der Finder privat tragen, gibt Brandbeck zu bedenken.

Wildtierbeauftragte

Kontakt zur Wildtierbeauftragten des Landkreises am Umweltschutzamt, Patricia Brandbeck: Telefon (07161) 202-460.