Boehringer in Göppingen
: Vor 75 Jahren in Göppingen: Der erste in Serie gefertigte Unimog wird ausgeliefert

Am 19. März 1949 erhielt der erste Kunde das Unimog-Premierenfahrzeug aus der Serienfertigung bei Boehringer in Göppingen. Das Universal-Motor-Gerät wurde in 75 Jahren an vier deutschen Standorten produziert.
Von
SWP
Göppingen
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Das Boehringer-Gelände in Göppingen. Im Hintergrund ist die Halle zu sehen, wo die Unimogs gefertigt wurden.

Daimler Truck AG

Es ist in dieser Woche 75 Jahre her: Am 19. März 1949 erhielt der erste Kunde das Unimog-Premierenfahrzeug aus der Serienfertigung beim Maschinenbauer Boehringer in Göppingen. Das Universal-Motor-Gerät wurde in 75 Jahren an vier verschiedenen Standorten in Deutschland produziert. Seit der Erstauslieferung wurden mehr als 375 000 Unimog gefertigt.

„Technologisches Wunderwerk“

„Der hochgeländegängige Unimog steht bis heute fürs Durchkommen im Gelände und das Erreichen entlegener Ziele“, heißt es in einer Pressemitteilung von Daimler Truck. Der Unimog-Geräteträger sei durch stetige Entwicklungsarbeit vielseitig für den modernen Arbeitseinsatz verwendbar. Franziska Cusumano, Leiterin Mercedes-Benz Special Trucks, sagt: „Der Unimog ist ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte. Heute ist es ein absolutes Kultfahrzeug, das die Augen von Alt und Jung leuchten lässt. Gleichzeitig entwickeln wir dieses Schweizer Taschenmesser unter den Nutzfahrzeugen ständig weiter, damit es bleibt, was es immer war: ein technologisches Wunderwerk.“

Vor genau 75 Jahren rollte der erste Unimog zu einem Kunden in der Nähe von Stuttgart. Die Auslieferung des Premierenfahrzeugs erfolgte durch die Unimog-Generalvertretung Kloz in Fellbach, nur wenige Monate nach Aufnahme der Produktion. Dies war der Startschuss für die inzwischen 75-jährige internationale Erfolgsgeschichte des Universal-Motor-Geräts, kurz: Unimog.

Ochsenkopf-Logo auf der Haube

Der erste Serien-Unimog aus der Baureihe 70200 mit der Fahrgestellnummer 003, der das stilisierte Ochsenkopf-Logo von Boehringer auf der Haube trug, ging an einen Kunden in Hößlinswart. Die beiden Unimog mit den Nummern 001 und 002 wurden als Erprobungsfahrzeuge nur für interne Zwecke gebaut und gelangten nicht in den Handel. Das Fahrzeug vereinte erstmals die Vorzüge von Schlepper, Geräteträger und Lkw und unterschied sich nicht nur optisch, sondern auch durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten deutlich von den konventionellen Traktoren, die damals am Markt verfügbar waren, heißt es in der Mitteilung.

Innerhalb kürzester Zeit war die Nachfrage nach dem vielseitig einsetzbaren Unimog im weitgehend zerstörten Deutschland der Nachkriegszeit so groß, dass die Produktionskapazität von Boehringer rasch an ihr Limit geriet. Der Siegeszug des Unimog wurde ab Herbst 1950 unter der Regie der damaligen Daimler‑Benz AG fortgesetzt. Die Produktion des Allrad-Fahrzeugs erfolgte ab Juni 1951 im Werk Gaggenau und ab August 2002 im Werk Wörth. Heute ist der Geländegänger und Geräteträger mit der langen Tradition nicht nur weit bekannt, sondern auch ein hochmodernes Fahrzeug, das unter anderem in Kommunen, bei Feuerwehren, im Katastrophenschutz, in der Landwirtschaft und im militärischen Bereich eingesetzt wird.

Startschuss fiel in Schwäbisch Gmünd

Angefangen hat übrigens alles im Nachbarlandkreis: Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann Albert Friedrich, technischer Leiter bei der Gold- und Silberwarenfabrik Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd und zuvor Leiter der Flugmotoren-Konstruktion von Daimler‑Benz, mit der Entwicklung einer kompakten Allrad-Arbeitsmaschine mit vier gleich großen Rädern und einer Motorleistung von 25 PS. Vorgesehen war sie in erster Linie für den landwirtschaftlichen Einsatz, darüber hinaus auch für den Einsatz als stationäre Antriebsmaschine und Lieferfahrzeug für die Agrarwirtschaft mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometer pro Stunde. Diese frühen Überlegungen mussten den strengen Kriterien des Morgenthau-Plans in der amerikanischen Besatzungszone entsprechen, mit dem Deutschland zum reinen Agrarstaat umgebaut werden sollte.

Schon 1946 wurde in Schwäbisch Gmünd der erste Prototyp fertiggestellt und am 9. Oktober des gleichen Jahres fand die erste Probefahrt statt. 1949 begann dann die industrielle Fertigung bei Gebrüder Boehringer in Göppingen.