Behindertenbeauftragte Kreis Göppingen
: Mehr als 130 Einzelfälle – vom Parkausweis bis zur Diskriminierung

Im Sozialausschuss des Kreistags berichtet die Kreisbehindertenbeauftragte über ihre Arbeit. Auch die Beratung von Kommunen gehört dazu.
Von
Dirk Hülser
Kreis Göppingen
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Die Kreisbehindertenbeauftragte Tina Schwenk kurz nach ihrem Amtsantritt im März 2023.

Die Kreisbehindertenbeauftragte Tina Schwenk kurz nach ihrem Amtsantritt im März 2023.

Staufenpress
  • Kreisbehindertenbeauftragte Tina Schwenk berichtet im Sozialausschuss über ihre Arbeit.
  • Mehr als 130 Einzelfälle 2025: u. a. Ausweise, GdB, Parkausweise, Diskriminierung.
  • 50 Fälle zu Schwerbehindertenausweis/GdB/Parkausweis; 27 zu Sozialleistungen.
  • Stellungnahmen zu 50 Bushaltestellen in 11 Kommunen, Querungen, Schulen, Kitas.
  • Stelle seit 1. August 2016; seit 15. Dezember 2024 100 % besetzt (75 %/25 %).

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Telefonate, Briefe, Mails, Beratungen, Stellungnahmen – umfangreich und zeitintensiv sind die Aufgaben der Kreisbehindertenbeauftragten Tina Schwenk. Im Sozialausschuss des Kreistags hat sie nun Einblicke in ihre Arbeit des vergangenen Jahres gegeben. Die Kernpunkte ihres Berichts haben die Ausschussmitglieder auch schriftlich als Sitzungsvorlage erhalten. Nach der Lektüre ist klar: Langweilig wird es einem bei dem Job nicht.

Hoher Gesprächsbedarf der Betroffenen

So gab es alleine mehr als 130 Einzelfälle, die Schwenk 2025 zu bearbeiten hatte. Unterstützt wird sie dabei von einer Assistentin, die eine 25-Prozent-Stelle innehat, die Kreisbehindertenbeauftragte hat eine 75-Prozent-Stelle (siehe Info). „Der zeitliche Umfang der Beratungen und Ombudsfälle variiert stark“, berichtet Schwenk. In einzelnen Fällen sei eine einmalige Beratung einschließlich Recherche und Dokumentation ausreichend. Viele Betroffene nähmen jedoch mehrfach Kontakt auf und benötigten eine weiterführende Begleitung im jeweiligen Einzelfall. „Insgesamt besteht ein hoher Gesprächsbedarf seitens der Betroffenen.“

Worum ging es im Einzelnen? Allein 50 Mal wandten sich Betroffene wegen eines Schwerbehindertenausweises, ihres Grads der Behinderung oder eines Parkausweises an die Beauftragte. In 27 Fällen ging es um Beratung oder Schlichtung in den Bereichen Eingliederungshilfe, Jugendhilfe, Sozialhilfe oder Betreuung. 14 Mal drehte sich die Beratung oder Schlichtung um die Themen Schule, Kita oder Studium. Auch die Themen barrierefreier Wohnraum, Arbeit und Mobilität beschäftigten Betroffene, fünf mal ging es um Diskriminierung von Behinderten und weitere Hilfestellung.

Beratung von Kommunen

„Positiv hervorzuheben ist, dass die Ämter des Landratsamts zunehmend die Einschätzung der Kreisbehindertenbeauftragten zu Einzelfällen einholen“, heißt es in dem Bericht. Die Beratung und Begleitung fand telefonisch, im Landratsamt sowie im häuslichen Umfeld der Betroffenen statt.

Das zweite wichtige Themenfeld sind Stellungnahmen und Beratungen der Kommunen. Ging es um Baumaßnahmen, waren immer wieder Ortstermine erforderlich, oft reichte auch das Studium der Planunterlagen. So musste Schwenk Stellungnahmen zum barrierefreien Umbau von 50 Bushaltestellen in insgesamt elf Kommunen abgeben, neun weitere zu Querungen, zudem Stellungnahmen zum Umbau oder Neubau von Schulen, Kitas oder Turnhallen, zu Radwegen und Wohnanlagen sowie Pflegeeinrichtungen. Auch bei Fußwege- und Verkehrschecks wirkte die Behindertenbeauftragte mit.

Beraterin, Ansprechpartnerin und Ombudsfrau

Seit 1. August 2016 gibt es im Landkreis die Stelle einer/eines hauptamtliche/n kommunale/n Behindertenbeauftragte/n. Im März 2023 hat Tina Schwenk diese Aufgabe übernommen, anfangs zu 70 Prozent. Seit 15. Dezember 2024 ist die Stelle wieder zu 100 Prozent besetzt. Sie teilt sich auf in 75 Prozent für Schwenk und 25 Prozent für eine Assistentin der Kreisbehindertenbeauftragten.

Die Beauftragte berät in Fragen der Politik für Menschen mit Behinderungen und arbeitet mit der Verwaltung zusammen. Zudem ist sie Ansprechpartnerin und Ombudsfrau für Menschen mit Behinderungen.

Die eigene Weiterbildung der Beauftragten wird in ihrem Bericht ebenfalls thematisiert: „Es wurden Fortbildungen in den Bereichen Eingliederungshilfe, Entschädigungsrecht, Schwerbehinderung sowie barrierefreie Infrastruktur absolviert. Eine fachlich korrekte und fundierte Beratung ist in dieser Funktion von besonderer Bedeutung, da die Betroffenen der Position oftmals ein hohes Maß an Vertrauen entgegenbringen.“ Doch es gibt noch mehr Aufgaben. So hat Schwenk an Sitzungen und verschiedenen Arbeitskreisen teilgenommen, „um auf die Belange von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen“. Dadurch werde die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen erhöht und ihre gesellschaftliche Teilhabe gestärkt.

Schließlich hat Schwenk auch an diversen Veranstaltungen teilgenommen, wie etwa einem Podiumsgespräch in Schlierbach, bei der Freizeitbörse und beim Inklusionspreis des Landratsamts oder am Gleichstellungstag auf dem Marktplatz in Göppingen mitgewirkt. Für sie ein wichtiger Teil ihrer Arbeit: „Veranstaltungen dienen dazu, Vorhaben voranzubringen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Barrierefreiheit weiter auszubauen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit erhöht die Kreisbehindertenbeauftragte ihre Sichtbarkeit gegenüber Kommunen und Betroffenen.“ Und es sei noch Luft nach oben: „Insbesondere auf kommunaler Ebene ist der Bekanntheitsgrad der Funktion derzeit noch sehr unterschiedlich ausgeprägt.“

Die Aufwendungen für die Behindertenbeauftragte in Höhe von 72.000 Euro werden durch das Land refinanziert und sind damit weitestgehend komplett abgedeckt, teilt das Landratsamt mit.