Serie: 80 Jahre NWZ: Drei Verkehrsachsen, an denen es noch viel zu tun gibt

Der Albaufstieg der A8 ist längst in die Jahre gekommen, nun soll neu gebaut werden, der Spatenstich war im Februar.
Bernd Weissbrod/dpa- Drei Verkehrsachsen im Kreis Göppingen stehen vor Umbrüchen: A8, B10 und Filstalbahn.
- Filstalbahn: Generalsanierung erst nach Stuttgart 21 möglich – neuer Termin vorläufig 2031.
- Seit dem 8. Juli 2026 hält kein planmäßiger Intercity mehr in Göppingen – Ausnahme ist der Nightjet.
- B10-Ausbau bis hinter Geislingen geplant, Planfeststellungsunterlagen sollen bis Sommer 2027 stehen.
- A8-Albaufstieg: Spatenstich im Februar 2026, Kosten stiegen auf 1,4 Mrd. Euro – Fertigstellung 2034.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Unsere Serie
Die NWZ feiert 2026 ihren 80. Geburtstag. In einer Serie blicken wir auf Ereignisse in den vergangenen Jahrzehnten zurück, stellen Personen vor und zeigen, was den Landkreis bewegt und bewegt hat.
Drei Verkehrsachsen durchqueren den Landkreis Göppingen: Neben der Filstalbahn sind dies die B10 und die Autobahn. Und alle drei Achsen stehen vor großen Veränderungen. Die Schienen samt zugehöriger Infrastruktur sollen im Zuge einer Generalsanierung unter langer Vollsperrung der Strecke komplett saniert werden, angedacht waren hier die Jahre 2028 oder 2029. Doch das Pannenprojekt Stuttgart 21 sorgt immer wieder für Verzögerungen: Solange die Züge nicht durch den neuen Stuttgarter Tiefbahnhof rollen, kann die Filstalbahn nicht saniert werden.
Der letzte Intercity
Als neuer Eröffnungstermin steht vorläufig 2031 im Raum, das bedeutet, die Fistalbahn muss bis zum nächsten Jahrzehnt warten. Solange müssen auch die Pläne einer möglichen S-Bahn im Kreis Göppingen auf Eis gelegt werden, hier hängt alles mit allem zusammen. Das bedeutet auch, dass eine bessere Vertaktung auf Jahre hinaus nicht möglich sein wird. Unterdessen hat am 8. Juli 2026 nach 55 Jahren der letzte planmäßige Intercity in Göppingen angehalten, das Filstal ist jetzt komplett vom Fernverkehr abgehängt, einzige Ausnahme ist der Nachtzug (Nightjet) der ÖBB nach Venedig.
Parallel zur Filstalbahn verläuft die Bundesstraße. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die B10 sukzessive aus Richtung Stuttgart kommend vierspurig ausgebaut, derzeit endet sie hinter Gingen. Zuletzt vermeldete das Regierungspräsidium Stuttgart im November vergangenen Jahres, dass die Planfeststellungsunterlagen zum Sommer 2027 fertiggestellt sein werden – erst dann könne das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Von entscheidender Bedeutung sei laut Regierungspräsidium ein Verkehrsgutachten. Sollte dieses keine wesentlichen Änderungen verlangen, dürfte das Ziel Sommer 2027 erreicht werden. Für die insgesamt acht Kilometer lange Umfahrung bis hinter Geislingen sind von den Planern zwei Tunnel, eine Grünbrücke, vier Talbrücken, mehrere Unter- und Überführungen von Wirtschaftswegen sowie mehrere Entwässerungsbauwerke angedacht. Den bislang letzten Spatenstich gab es im Oktober 2015, als mit dem Bau des Teilstücks von Süßen bis Gingen begonnen wurde. Die Eröffnung war dann im Jahr 2018.

Am Ende der Filstalbahn in Richtung Ulm geht es über die Geislinger Steige auf die Schwäbische Alb. Die Steige gilt als Meisterwerk der Ingenieurskunst.
Bernd Weißbrod/dpaErste konkrete Pläne für eine Umgehung um Geislingen gab es bereits in den 1960ern, doch 1972 hieß es aus dem Bundesverkehrsministerium, dass kein Geld da sei. Vielmehr sollte der Ausbau von Plochingen her schrittweise vorgenommen werden, was ja dann bekanntlich auch so umgesetzt wurde. Aber eben nur bis hinter Gingen. Später wurden dann die Jahre 1995, 2000 und auch 2002 als Baubeginn genannt, aber dazu kam es nie.
Hauptachse durch den Kreis für den Fernverkehr auf der Straße ist die A8, deren Nadelöhr der Albaufstieg ist. Mit dessen Bau war in den 1930er-Jahren begonnen worden, heute passieren rund 70.000 Fahrzeuge täglich die in die Jahre gekommenen Strecken. Der Lämmerbuckeltunnel und der Nasenfelstunnel gehören zu den ältesten Bauwerken auf deutschen Autobahnen. Die Route auf die Alb weist eine Besonderheit auf: Es sind eigentlich zwei zweispurige Autobahnen. Zum einen der Albaufstieg über den Lämmerbuckel in Richtung Ulm mit einer Steigung von bis zu 6,3 Prozent, zum anderen der Drackensteiner Hang, über den es in die andere Richtung geht. Weil die Strecke, vor allem in Richtung Süden, extrem stauanfällig ist, ist für die Gemeinden entlang des Albaufstiegs der häufige Ausweichverkehr ein Dauerärgernis.

Die B10 am Ende der Ausbaustrecke bei Gingen in Richtung Geislingen: Noch wurde mit dem Weiterbau nicht begonnen.
Rainer LauschkeSchon in den 1980er-Jahren wurde mit den Planungen für einen neuen Albaufstieg begonnen. Verschiedene Lösungen wurden untersucht – wie etwa eine Mautvariante, die wieder verworfen wurde. Seit dem Jahr 2021 hat nun die Autobahn GmbH die Verantwortung für das Projekt. Im Februar 2026 gab es dann etwas überraschend den offiziellen Spatenstich für den Neubau, kurz vor der Landtagswahl. Die neue Trasse soll laut Autobahn GmbH mit ihren Seitenstreifen zu einer höheren Verkehrssicherheit beitragen. Auch werde die neue Autobahn nur noch ein Gefälle von 3,5 Prozent aufweisen und die Strecke um 3,8 Kilometer verkürzt.
Lange war von Baukosten von 900 Millionen Euro die Rede, vor dem Spatenstich wurde dann bekannt, dass sie bereits vor Baubeginn auf 1,4 Milliarden Euro gestiegen waren. Die Fertigstellung des neuen Albaufstiegs ist bislang für das Jahr 2034 vorgesehen.