Trauerfeier für Geislinger Holger Schrag: „Abschied von einem Kämpfer mit Herz“

In der Geislinger Jahnhalle nehmen am Samstag (31.1.2026) Hunderte Menschen Abschied von Holger „Holle“ Schrag.
Thomas Bitter- Hunderte nahmen am Samstag (31.1.2026) in der Jahnhalle Abschied von Holger Schrag.
- Schrag starb am 15. Januar überraschend mit 51 Jahren; er hinterlässt seine Frau Melanie und seine Kinder Julia und Linus.
- Diakon Franz und OB Ceffalia würdigten sein Engagement für Kinder, Jugend und soziale Gerechtigkeit.
- Stationen: SMV, Jugendhaus Maikäferhäusle, Jusos, Helfenstein-Festival, Ferienstadt, Stadtjugendring, Gemeinderat.
- Klare Haltung gegen Rechts; Trauerfeier mit Musik von Toten Hosen, Ransom, Donots
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Zu Hunderten strömten am Samstagvormittag (31.1.2026) die Menschen in die Geislinger Jahnhalle. Sie alle wollten Holger Schrag die letzte Ehre erweisen. Der Geislinger war am 15. Januar überraschend im Alter von 51 Jahren verstorben. Er hinterlässt seine Frau Melanie und seine Kinder Julia und Linus.
Große Fassungslosigkeit und Trauer, aber auch Dankbarkeit für ein reiches, inspirierendes Leben
In der vollbesetzten Jahnhalle kamen jene Menschen zusammen, mit denen Holle – wie ihn fast jeder nannte – zu tun hatte: Als Gemeinderat, als Abteilungs- und Jugendleiter der Tischtennisabteilung des TVA, als Vorstandsmitglied des Stadtjugendrings, als stellvertretendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss im Landkreis, als Tausendsassa in der Kinder- und Jugendarbeit auf lokaler und Kreisebene, als engagierter Kämpfer für eine gute Gesundheitsversorgung im Raum Geislingen und – zuletzt – gegen die Streichungen im Sozialbereich auf Kreisebene, als Punkrockfan, als Freund.
Viel Musik prägte die zirka zweistündige Trauerfeier: von den Toten Hosen, von Ransom, den Donots. „Die Lieder hat Holle geliebt“, sagte Diakon Thomas Franz, der den Trauergottesdienst hielt und die Trauergäste im Namen von Holles Frau Melanie ermunterte, mitzusingen, „wenn ihr das könnt“. Dafür blieben den meisten Trauergästen aber die Worte im Hals stecken. Auch Thomas Franz, der von gemeinsamen Zeiten mit Holger Schrag in der Jugendarbeit erzählte, versagte zuletzt die Stimme.
Es war die große Fassungslosigkeit über den plötzlichen Tod des Geislingers, der die Trauergemeinschaft kennzeichnete. Fassungslosigkeit und Traurigkeit – aber auch Dankbarkeit für einen Menschen, der sich von frühester Jugend an für die Gemeinschaft engagierte, sich für Schwächere, für Kinder und Jugendliche einsetzte und der für soziale Gerechtigkeit kämpfte, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen oder sich wichtig zu nehmen, wie Thomas Franz sagte.
Diakon Thomas Franz: „Holger Schrag hat seine klare Haltung gegen Rechts, gegen Menschenverachtung und Unterdrückung ausgezeichnet“
Für Holger Schrag, den freiberuflich tätigen Informatiker, sei das Ehrenamt schon immer sein Hauptamt gewesen, fügte Franz hinzu. Holger Schrags soziales und politisches Engagement begann schon während der Schulzeit, in der SMV; als Zivi arbeitete er im Jugendhaus Maikäferhäusle, wurde Mitglied der Jusos. Seine Liebe zur Musik fand Niederschlag im Helfenstein-Festival, das er erst mitorganisierte und dann hauptverantwortlich betreute. Der Tag der Jugend mit vielen Konzerten sei immer eines seiner Highlights im Jahr gewesen. Auch die Ferienstadt prägte er maßgeblich – er übernahm 2009 die Hauptverantwortung für die Ferienfreizeit und traf dort auch seine Frau Melanie.
Holger Schrag habe ausgemacht, sagte Franz, dass er immer seine Ideen voranbringen wollte, nie einfach nur dabei sein wollte. Er habe den Bogen oft stark gespannt, auch überspannt, schilderte der Diakon. Doch mit den Jahren sei es Holger Schrag immer mehr gelungen, Menschen zu vereinen und für ein gemeinsames Ziel zu begeistern. „Die Menschen haben sich gerne hinter ihn gestellt, sind ihm gefolgt.“ Was ihn immer ausgezeichnet habe, betonte Thomas Franz, sei seine klare Haltung gegen Rechts, gegen Menschenverachtung und Unterdrückung gewesen.
OB Ignazio Ceffalia: „Holger Schrag wird als Stadtrat, als Mitstreiter, als Freund und Mensch fehlen“
„Rebellisch, klar und voller Haltung – so war Holger“, sagte der Geislinger Oberbürgermeister Ignazio Ceffalia: „Er war laut, aber nicht lärmend, sondern im Sinne von Haltung: Weil er sagte, was gesagt werden musste.“ Holger Schrag habe die Stadt geprägt wie nur wenige, er werde als Stadtrat, als Mitstreiter, als Freund und Mensch fehlen. Sein Tod sei ein Verlust für die Stadt, doch sein Wirken werde nachhallen, versicherte der OB. Ceffalia bezeichnete Holger Schrag als Macher und Gestalter, der anpackte, anstatt zu reden. Im Gemeinderat habe er noch am Abend vor seinem Tod davon gesprochen, wie sehr ihm die kommunalpolitische Arbeit wieder Freude mache, „er sprach von Aufbau, Energie und neuen Wegen“, sagte Ceffalia traurig. Wertschätzung sei ihm wichtig gewesen, „und besonders am Herzen lagen ihm jene, die nicht viel haben. Er war ein Anwalt für Kinder und Jugendliche, er verstand sie, er hörte ihnen zu, er nahm sie ernst“. Seine Herzensprojekte – der Tag der Jugend und der Weltkindertag – sollten sie spüren lassen, wie wertvoll sie sind. Holger Schrag habe eine Welt gewollt, in der Kinder und Jugendliche gesehen, gefördert und geschützt werden und in der sie mutig sein dürfen – dafür habe er sich mit ganzer Kraft eingesetzt.
Ceffalia sprach auch von Holger Schrags Fähigkeiten zum Netzwerken – er habe unterschiedliche Generationen und Gruppen zusammengebracht. Im Gemeinderat habe er leidenschaftlich diskutieren können, „und danach ist man miteinander ein Bier trinken gegangen“. Auch wenn er Holger Schrag nur etwa ein Jahr gekannt habe, sei er schnell sein Freund geworden, sagte der OB. „Holger wird mir fehlen. Als Brückenbauer, als treibende Kraft, als Mensch voller Lebensfreude, mit Herz und Wärme.“
Ludwig Kraus: „Holger Schrag hatte die Gabe, Dinge auszusprechen, wie sie sind - immer mit Herz“
Persönliche Worte, die große Trauer, aber auch tiefe Wertschätzung und Dankbarkeit ausdrückten, fand auch Ludwig Kraus. Er bildete mit Holger Schrag und Werner Gass die Gemeinderatsfraktion Offene Liste für Geislingen und engagierte sich mit Holger Schrag im Bürgerbündnis für Gesundheitsversorgung in der Raumschaft Geislingen (BBG). „Wir drei haben uns vielleicht lange gesucht, aber dann auch gefunden“, sagte Kraus. Holle sei ein Herzstück, ein Gewinn für die Stadtgemeinschaft gewesen. „Er hatte die Gabe, die Dinge auszusprechen, wie sie sind – immer mit Herz.“ Lothar Bindert sprach für die Filstalborussen, den Fanclub des BVB, dem auch Holger Schrag angehörte. Auch er schilderte einen Menschen, der sich engagierte („er war da – nicht irgendwie, nicht halb, sondern ganz“) und der hingeschaut habe, wenn andere wegschauten.
Erinnerungen an die gemeinsame Zeit
Freunde von Holger Schrag erzählten voller Wärme und Zuneigung von gemeinsamen Jugenderinnerungen, an die Schulzeit, an Konzerte im Maikäferhäusle, an seinen Drang, das Leben ausgelassen zu feiern, Dinge voranbringen, gestalten zu wollen. „Nein sagen war keine Option, Mitmachen war Ehrensache.“ Immer mit Haltung, engagiert, geradlinig, herzlich, humorvoll, authentisch – es waren Worte, die wohl vielen im Saal zu Holger Schrag einfielen.
Melanie Schrag, Holgers Ehefrau, sprach die letzten, die Trauergemeinde tief bewegenden Worte über ihren Mann, der in der Familie der Außenminister gewesen sei und sie die Innenministerin – „wir haben uns perfekt ergänzt, er war die Liebe meines Lebens“. Während die Beisetzung im engsten Kreis erfolgt, trafen sich am Abend im Clochard die Freunde zur Erinnerung an Holle – „und ich glaube, wenn ihr über ihn sprecht, dann wird es trotz unserer großen Trauer auch schnell lustig werden, denn so war es mit Holle immer“, sagte Melanie Schrag.
