Südmährertreffen Geislingen
: Gemeinsam erinnern und feiern

Zum 78. Bundestreffen der Südmährer am 1. und 2. August 2026 kommen in der Jahnhalle Gäste aus dem In- und Ausland sowie Geislinger zusammen. An zwei Tagen ist ein vielfältiges Programm geboten.
Von
Kathrin Bulling
Geislingen
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Geislingen - Südmährertreffen 2026 - Übergabe Kulturpreis Schulen

Der Südmährische Kulturpreis geht an das Michelberg- und an das Helfenstein-Gymnasium in Geislingen sowie an das Dr.-Karla-Polesného-Gymnázium in Znaim – mit im Bild Stadträtin Karin Eckert vom Patenschaftsrat (von links), HeGy-Schulleiterin Tanja Keifert, MiGy-Schulleiterin Martina Bach, Adelheid Bender-Klein, Vorsitzende des Südmährerbundes (zweite von rechts), und Geislingens OB Ignazio Ceffalia (rechts).

Eveline Brück
  • 78. Bundestreffen der Südmährer in Geislingen: Auftakt am Ostlandkreuz, Abschluss in der Jahnhalle.
  • Wahlen bestätigten Adelheid Bender-Klein als Vorsitzende, weitere Posten wurden neu besetzt.
  • Bunter Abend mit Moravia Cantat und Volles Rohr Böhmisch – Mundartlesung aus Österreich kam an.
  • Festgottesdienst und Reden betonten Demokratie, Heimat und Miteinander in Europa.
  • Südmährischer Kulturpreis ging an zwei Geislinger Gymnasien und ein Znaimer Gymnasium.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine feierliche Gedenkstunde am Ostlandkreuz zum Auftakt, ein angeregtes Heimattreffen der Ortsgemeinschaften in der Jahnhalle zum Abschluss: Das war der Rahmen für das 78. Bundestreffen der Südmährer am ersten Augustwochenende in Geislingen.

Zusammen mit den Teilnehmern des Treffens und Geislingens Oberbürgermeister Ignazio Ceffalia legte Heimatministerin Marion Gentges am Samstagmorgen einen Kranz am Ostlandkreuz auf der Schildwacht nieder und gedachte der Vertriebenen. Im Anschluss daran tagten in der Jahnhalle zunächst der Vorstand, dann die Heimatkreise und schließlich die Delegiertenversammlung mit Wahlen, wie die Veranstalter mitteilen. Adelheid Bender-Klein wurde als Vorsitzende des Südmährerbundes im Amt bestätigt; zweiter Vorsitzender ist Albert Kisling, dritter Vorsitzender Franz Schneider. Zum Schatzmeister wurde Peter Sliwka gewählt, zum Schriftführer Dieter Vorhemus; Kassenprüfer sind Michael Scholz und Michael Kriest.

Der offizielle Teil des Bundestreffens begann um 17 Uhr mit einem Grußwort von Adelheid Bender-Klein, gefolgt von Begrüßungsworten des Oberbürgermeisters sowie des Obmanns der Südmährer in Österreich, Hans-Günter Grech. Geselliger Höhepunkt des Tages war der bunte Abend, der musikalisch von der Gruppe Moravia Cantat, einem südmährischen Ensemble für Chor und historischen Tanz, und der Blasmusikgruppe Volles Rohr Böhmisch gestaltet wurde. Die in Tracht gewandete Gruppe Moravia Cantat sang südmährische Lieder und Weisen a cappella, bot aber auch ein breites Programm an Tänzen von feierlichen Tanzformationen bis hin zu Kirtag-Melodien, die beim Publikum sehr gut angekommen seien, wie der Südmährerbund mitteilt. Volles Rohr Böhmisch spielte ein vielfältiges Repertoire zwischen traditioneller Blasmusik und modernen Interpretationen. Sehr großen Anklang fanden laut Mitteilung auch die Mundart-Vorlesungen von Christa Mang aus Österreich: Die „UI“-Mundart der südmährischen Region habe Erinnerungen an den Alltag in der alten Heimat wachwerden lassen, heißt es in der Pressemitteilung.

260801 Südmährer Ostlandkreuz

Gedenken am Ostlandkreuz oberhalb von Geislingen.

Thomas Bitter

Der zweite Tag des Bundestreffens begann mit einem feierlichen Festgottesdienst, gehalten von Dekan Martin Ehrler. Die musikalische Umrahmung stellte die Stadtkapelle Geislingen. Die folgenden Vorträge und Reden seien trotz ernster Themen kurzweilig und inspirierend gewesen. OB Ceffalia würdigte in seinem Grußwort das Zusammenwachsen der Geislinger Bevölkerung und der Südmährer Vertriebenen – es sei eine langjährige fruchtbare Partnerschaft entstanden, die den Heimatbegriff neu zu denken geholfen habe. Ceffalia wies jedoch auch darauf hin, dass die durch all die Jahre gemeinsam vorbildlich aufgebaute Demokratie in jüngster Zeit Gefahren wie Intoleranz oder Ausgrenzung ausgesetzt werde. Es müsse das Bestreben aller sein, diese demokratische Grundordnung, die Freiheit und den so wertvollen Frieden zu erhalten, sagte er.

Ein besonders feierlicher Programmpunkt sei die Verleihung des Südmährischen Kulturpreises durch den Südmährerbund und den Patenschaftsrat der Stadt Geislingen gewesen. Der Kulturpreis wurde in diesem Jahr an drei Gymnasien in Geislingen und Znaim verliehen. Damit habe man die eindrucksvolle Geschichte des deutsch-tschechischen Schüleraustauschs würdigen wollen, der seit 2009 regelmäßig zwischen dem Helfenstein-Gymnasium und dem Michelberg-Gymnasium in Geislingen auf deutscher Seite und dem Dr.-Karla-Polesného-Gymnázium in Znaim auf tschechischer Seite stattfindet. Die Schulleiter der drei Schulen nahmen den Preis persönlich von Adelheid Bender-Klein für den Südmährerbund sowie von Ignazio Ceffalia und Karin Eckert für den Patenschaftsrat entgegen.

Die Festrede hielt Stephan Mayer, Präsident des Bundesverbandes der Vertriebenen. In seinem Vortrag rühmte er die leistungsstarke Mentalität der Vertriebenen und Flüchtlinge und deren unschätzbaren Beitrag am Wiederaufbau Westdeutschlands. Er berichtete von seinen positiven Erfahrungen vom diesjährigen Sudetendeutschen-Tag in Brünn und appellierte in diesem Zusammenhang an ein weiterhin konstruktives Miteinander zwischen europäischen Nachbarn. Mayer unterstrich besonders, dass ein erlittenes Unrecht nicht durch ein anderes erlittenes Unrecht gerächt werden dürfe und könne, sondern dass jeglicher Verstoß gegen die Menschenrechte ein für sich stehendes Verbrechen sei.

Hans-Günter Grech nahm humorvoll Bezug auf den wandlungsfähigen Begriff Heimat aus seinem Grußwort am Ostlandkreuz vom Vortag und erklärte, dass auch für ihn als Österreicher Geislingen ein wichtiger und liebgewordener Heimatort geworden sei. Der Ehrenvorsitzende Reinfried Vogler thematisierte ebenfalls wie Stephan Mayer den diesjährigen Sudetendeutschen-Tag und mahnte an, nie zu vergessen. Anschließend fand der informelle Teil des Heimattreffens statt: Bis in die späten Nachmittagsstunden hätten sich Südmährer-Landsleute und Gäste angeregt unterhalten, schreibt der Südmährerbund.