Der Automobilzulieferer Rüster GmbH aus Deggingen plant eine finanzielle Restrukturierung mit einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Göppingen gab am Mittwoch einem entsprechenden Antrag statt. Wie Rüster mitteilt, sei es das Ziel, den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrechtzuerhalten und zu einer Eigentümerstruktur zu gelangen, die die Finanzierung der Gruppe mit einem Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro nachhaltig sichert. Dazu soll zeitnah ein Investorenprozess in Gang gesetzt werden.
Bei diesem Vorhaben wird Rüster-Geschäftsführer Philip Hertzog durch den Restrukturierungsexperten Christian Stoffler von der Münchner Kanzlei Gerloff Liebler Rechtsanwälte unterstützt. Stoffler tritt als Chief Restructuring Officer (CRO) in die Geschäftsführung ein. Zudem wurde Rechtsanwalt Dr. Christian Schmitt von Gerloff Liebler zum Generalbevollmächtigten ernannt. Stoffler und Schmitt hatten laut der Pressemitteilung zuletzt 2021 in gleichen Funktionen für den schwäbischen Automobilzulieferer Arlington Group (heute: Thermal Management Group) im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens eine nachhaltige Zukunftslösung gefunden und umgesetzt.
Das Gericht bestimmte zum vorläufigen Sachwalter des Verfahrens den in der Automobilbranche erfahrenen Rechtsanwalt Martin Mucha von der Stuttgarter Kanzlei Grub und Brugger. Das Eigenverwaltungsverfahren ist auf die Sanierung und Fortführung eines Unternehmens ausgerichtet. Die Geschäftsführung bleibt dabei im Amt und wird unter die Aufsicht eines Sachwalters gestellt.
Rüster beliefert führende Autohersteller und -zulieferer aus dem In- und Ausland mit einer breiten Palette von Produkten zur Schwingungsdämpfung sowie zur Dichtung/Isolierung von Fahrzeugen.
Der Degginger Automobilzulieferer ist in seiner heutigen Form erst in den vergangenen eineinhalb Jahren entstanden. Die Rüster GmbH war zum 1. Juli 2021 aus der Insolvenz der früheren Rüster Präzisionstechnik GmbH & Co. KG hervorgegangen. Seither habe das Unternehmen sich erweitert und besteht mittlerweile aus vier Standorten in Deutschlan: neben Deggingen sind dies Rehburg (Niedersachsen), Gedern (Hessen) und Lauda (Baden-Württembergs). Hinzu kommt ein Standort in Polen.
Durch die Expansion wuchs die Zahl der Mitarbeiter auf rund 630, davon rund 540 im Inland. Die deutschen Beschäftigten erhalten bis einschließlich Januar 2023 Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.
Durch eine zu knappe Finanzierung im Zuge der Übernahme sowie durch dramatische Kostensteigerungen, vor allem für Energie, habe das Unternehmen laut Pressemitteilung aktuell Liquiditätsprobleme. Deshalb soll Rüster nun „durch den Investorenprozess jetzt auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden.“