Als der Architekt das Wort erhob, da grummelte es schon in den Reihen der Gemeinderäte. "Der labert wieder", zischte es beispielsweise in der SPD-Fraktion. Der Geduldsfaden der Stadträte bei dem 15,6 Millionen Euro teuren Projekt ist am Reißen. Jetzt sollten sie eine Kostensteigerung in Höhe von 668.000 Euro hinnehmen, weil Gipskartondecken, Fachraummöbel und Abbrucharbeiten teurer werden als erwartet. Man habe angenommen, 75 Prozent der vorhandenen Wände wiederverwenden zu können, was sich nicht bestätigt habe, berichtete der Leiter des Stadtbauamts, Karl Vogelmann, den Stadträten. Denn bei der Demontage der Wände habe sich gezeigt, dass die Unterkonstruktion korrodiert ist. Weitere Schwierigkeiten seien bei der Fassade und beim Flachdach aufgetreten. Das würde den Kostenrahmen für die Schulsanierung in Höhe von 15,6 Millionen Euro sprengen, weshalb die Architekten gebeten wurden, nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen.

Der Architekt, Professor Horst Höfler, und der Ingenieur der Schweizer Firma Lucido-Solar, Giuseppe Fent, präsentierten denn auch eine ganze Liste: Hier eine andere Dachrinne, dort eine veränderte Leitungsführung, andernorts schwer entflammbares statt nicht brennbares Material. 17 Sparvorschläge sollen die Kostensteigerung wieder wettmachen - selbstverständlich ohne Qualitätsverlust.

SPD-Stadtrat Hansjürgen Gölz versuchte, den Kostensteigerungen noch etwas Positives abzugewinnen: "Dafür haben wir eine gute, schöne Schule." Er bleibe zuversichtlich. Ganz anders CDU-Stadtrat Werner Ziegler: "Es ist schon schwer nachvollziehbar, wie die Kostensteigerungen zustande kommen", wetterte er. "Was mich erstaunt, ist die wundersame Einsparung ohne Qualitätsverlust." Nun stelle sich die Frage: Sind weitere Kostensteigerungen zu erwarten?

Architekt Höfler rechtfertigte sich damit, bei der Sanierung des Michelberg-Gymnasiums handle es sich um ein innovatives Entwicklungs- und Forschungsprojekt. "Forschung heißt: Am Anfang nicht wissen, was am Ende herauskommt."

Oberbürgermeister Frank Dehmer wunderte sich demonstrativ: "Wir haben das als Schulbauprojekt betrachtet." Es sei doch aber eine Auszeichnung, wenn das eigene Projekt zugleich Forschungsobjekt sei, entgegnete Höfler. "Warum sträubt man sich so dagegen?" Die Stadträte brachte das vollends auf die Palme. "Sie bekommen Schulterklopfen von der Fachwelt - von uns bekommen Sie Prügel, und das zu Recht", schimpfte SPD-Stadtrat Peter Zajontz. "Ich kann Ihnen den Vorwurf nicht ersparen, dass Sie damals Ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht haben." Würden sich aber noch mehr Einsparungen dieser Art ergeben, "wunderbar, machen Sie weiter so!". Einen Schulbau habe der Gemeinderat gewollt, keine Sendung mit der Maus, bei der man noch etwas lernen kann, ätzte Sascha Binder (SPD). "Als privater Bauherr wäre ich schon lange vor dem Einzug pleite", enervierte sich Ulrich Volk (CDU). Und Ismail Mutlu (GAL) fragte provozierend: "Warum arbeiten Sie nicht auf einem türkischen Basar in Istanbul?"

Info: Das vorliegende Rechenmodell billigte der Rat dann aber doch - bei zwei Enthaltungen von Peter Zajontz (SPD) und Holger Schrag (GAL).