Es sind nur zehn Sängerinnen, die am Donnerstag unter der Leitung von Daniel Rühle eine bemerkenswerte Leistung erbringen: Ohne Noten, tonsicher und mit schöner Dynamik präsentierten die Damen Lieder für die Seele.
Sarah Schnatterbeck und Ute Klauer treten auch solistisch aus dem Chor hervor. „Die Melodien und Texte gehen ins Herz“, ist in der Pause unter den Besuchern zu hören.  Und weil die Erkältungswelle einige Chormitglieder erreicht hat, übernahm eine der Sängerinnen kurzerhand die Tenorstimme.
Dass der ungewöhnliche Chorname „UPgestimmt“ für eine ungewöhnliche Truppe spricht, hat er an diesem Abend erneut bewiesen. Das englische „UP“ im Namen soll ein noch besser gestimmtes Hoch zum Ausdruck bringen – wobei die Sopranistinnen keinerlei Schwierigkeiten in den Höhen zeigten.
Zu diesem Konzert hat die Chorgemeinschaft den Songpoeten Andi Weiss nach Geislingen gelockt. Der Diakon aus dem Münchner Raum hat sich für sechs Jahre beurlauben lassen und sich als Logotherapeut und Coach niedergelassen.
Die auch in diesen Bereichen notwendige Seelsorge spiegelt sich außerdem in seiner Musik. Seit über zehn Jahren macht er Musik auf der Bühne: Er spielt Piano und begleitet damit seine Erzählungen und Songs.
Was ist das für ein Mann, der laut Ankündigung bereits viele musikalische Erfolge aufzuweisen hat? Erster Eindruck: Ein bisschen wie Grönemeyer, der Songtext schwer verständlich, aber wenn, dann mit Tiefgang. Gerne laut, er kann aber auch leise.
Dass ihm die Menschen am Herzen liegen, nimmt man ihm ab, wenngleich manche seiner Erzählungen oder Kommentare etwas abgedroschen klingen.
 Nicht immer bringt er damit das Publikum zum Lachen, auch dann nicht, wenn er zum Mitsingen auffordert: „Singen Sie Ihrem Nachbarn ins Ohr: Du bist geliebt“. Vielleicht aber lassen sich die Schwaben da einfach nicht mit den Bayern vergleichen.
Andi Weiss’ aktuelles Programm trägt den Titel „Laufen lernen“ und wunderbar ist, dass er darin vom Aufbruch über den Abbruch oder Umbruch die menschliche Lebensreise vom ersten Schritt bis zum letzten Gang thematisiert. In seinen Geschichten und Liedern spart er nicht an den dunklen Seiten des Lebens, doch aus allen leuchtet die Hoffnung.
Träumerische Gedanken wie „Du gehst mit mir auf Reisen, barfuß durch den Sand bis zum Regenbogen und den Blick nach oben“ oder sein Einblick in das Leid eines Vaters, der dem Sohn nicht helfen kann: „Ich kann nicht mehr als mit dir zu leiden“, bewegen die Gemüter des Publikums. „Ich bring dich durch die Stunde, ich bring dich durch den Sturm“ ist ebenso ein Kraft gebender Song wie seine Aufforderung nach Leonardo da Vinci: „Binde deinen Karren an einen Stern“.
Andi Weiss appelliert an die Sinnhaftigkeit des Lebens, benennt Momente, die nicht mehr gestaltet werden und deren  Leiden nur noch ertragen werden können. „Dass deine schmerzhaften Gedanken untergehen“, wünscht er in einem weiteren Song und macht im zweiten Teil nach der Pause ordentlich Mut zum „immer wieder Aufstehen“.
Leid, Schuld und Tod sind ein tragisches Trio, mit dem ein jeder früher oder später Bekanntschaft macht und es scheint, dass sich Weiss diesen Situationen ganz besonders annehmen will und kann.
Einprägend auch ein Zitat des Psychiaters Viktor Frankl, der Auschwitz überlebt hat: „Wer ein Warum zum Leben hat, der erträgt fast jedes Wie“.
Bleibt nach Weiss auch die Frage in einem weiteren Song: „Wie sehr haben wir geliebt? Wie sehr haben wir uns lieben lassen? Wann haben Sie aufgehört Ihre Träume zu leben? Was gehört zu Ihnen und wer sind Sie und was müssen Sie eigentlich gar nicht sein?“
Ein Abend mit viel Tiefgang, mit dem Chor und auch Andi Weiss das Publikum entflammt haben.

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