Hochwasser in der Region Geislingen: Erstes Durchatmen nach der Flut

Seit Freitag sind die Feuerwehren im Kreis unterwegs, um ihre Einsätze abzuarbeiten. Inzwischen hat sich die Hochwasserlage offenbar ein wenig entspannt. Foto: Thomas Madel
Thomas Madel FotografieDer Unterricht in der Wiesensteiger Franz-Xaver-Messerschmidt-Schule fällt am Montag (3. Juni) aus, berichtet Schulleiterin Carmen Schönweitz. Teile des Schulgeländes, das direkt an der Fils liegt, und der angrenzenden Straßen seien überflutet. In die Unterrichtsräume selbst sei Stand 16 Uhr am Sonntag zwar noch kein Wasser eingedrungen, aber der Strom im Gebäude musste abgestellt werden. Allgemein sei die Situation auf dem Schulgelände angesichts des Hochwassers für Grundschüler zu gefährlich, sagt die Rektorin. Eltern können ihre Kinder zur Notbetreuung anmelden. Wo diese stattfindet, war am Sonntagnachmittag noch unsicher.
Wie der Führungsstab des Landkreises mitteilt, sind noch immer zahlreiche Feuerwehren im Einsatz. Dennoch: „Im Gegensatz zu gestern können wir landkreisweit sinkende Pegelstände verzeichnen. Auch die Nacht verlief bis auf lokale Einsatzschwerpunkte in Bad Ditzenbach und Ebersbach ohne große Vorkommnisse“, berichtet Kreisbrandmeister Michael Reick.
„Einen kurzzeitigen Einsatzschwerpunkt bildete gestern (1. Juni, Anm. d. Red.) ein Erdrutsch im Bereich Wiesensteig in Fahrtrichtung Neidlingen. Hier musste die L1236 zeitweise voll gesperrt werden. Am Sonntagmorgen ergab sich ein weiterer Hangrutsch im Bereich B 466 Weißenstein“, schildert der Brandbekämpfer. Ebenso habe man am Wochenende die B 466 bei Donzdorf, die Kirchheimer Straße in Wiesensteig sowie die K 1448 Bad Ditzenbach Richtung Auendorf sperren müssen.
Mühlhausen, Gruibingen, Wiesensteig, Bad Ditzenbach, Deggingen, Bad Überkingen und Geislingen seien bis Sonntagvormittag als Gemeinden entlang der Fils die hauptbetroffenen Orte gewesen. In Wiesensteig und in Geislingen wurden an der Fils 50-jährliche Hochwasserabflüsse registriert, wie das Umweltschutzamt des Kreises mitteilt. In Geislingen und Richtung mittleres Filstal sowie im unteren Filstal hätten es die Feuerwehrkräfte mit wechselnden Pegelständen und Pegelhöchstständen zu tun gehabt. Während der Schwerpunkt am Samstag auf der Absicherung durch Sandsäcke gelegen habe, sei der Sonntag für die Kameraden eher durch das Abpumpen von Kellern geprägt gewesen.
Bei der Integrierten Leitstelle des Kreises gingen nach Angaben des Führungsstabs alleine am Samstag 814 Anrufe ein, davon 408 Notrufe. An normalen Samstagen liege das Notrufaufkommen bei etwa einem Drittel. Am Sonntag hatte sich die Lage etwas beruhigt, sodass bis Vormittag 161 Anrufe, davon 136 Notrufe, eingingen. Am Sonntag waren noch immer vier Abfüllanlagen für Sandsäcke in Betrieb. Dies an den Standorten Gruibingen, Uhingen, Salach und Geislingen.

Der komplett vollgelaufene Biergarten an der Halle des TV Altenstadt ist zumindest wieder zu sehen.
Thomas Madel FotografieAn der TV-Halle in Altenstadt hat sich das Wasser weitestgehend zurückgezogen. Auch der überspülte Biergarten ist wieder zu sehen. Zudem konnte durch Sandsäcke verhindert werden, dass Wasser in die TV-Halle vordringen konnte. Ebenso mussten die Helfer vier Personen nebst drei Tieren mit Schlauchbooten aus ihren Häusern bringen. Wichtig sei neben der Abwehr des Wassers bei der TVA-Halle auch die Sicherung einer Weitergabestation für Erdgas gewesen.
Insgesamt waren alle Löschzüge im Einsatz, wie der stellvertretende Kommandant der Geislinger Wehr, Andreas Baumholzer, berichtet. Ein Umstand, der ihm in seinen 37 Jahren bei der Feuerwehr zum ersten Mal unterkommen sei, wie er schildert. Insgesamt 135 Einsatzkräfte habe die Geislinger Wehr mobilisiert. Mehr als 50 Einsätze waren am Sonntag zusammengekommen.
Auf der anderen Seite habe die Zusammenarbeit zwischen den Kameraden, der Polizei wie auch dem Bauhof sehr gut funktioniert, wie auch Zugführer Michael Schilling berichtet. Auch die Unterstützung seitens der Bevölkerung sei groß gewesen, sowohl durch Einzelne als auch durch Gastronomie, Bäckereien und Metzgereien.

Der komplett vollgelaufene Festplatz unter den Linden an der Altenstädter TV-Halle ist mittlerweile wieder weitestgehend.
Thomas Madel FotografieWenngleich es hier einen kleinen Wermutstropfen gibt. Denn einige, die ihre Hilfe angeboten hatten, habe man ablehnen müssen, sagt Andreas Baumholzer. Gerade bei den Füllmaschinen für Sandsäcke brauche es eingewiesene Kräfte, die nur unter den Feuerwehrleuten zu finden gewesen seien. Ihren Dank für die Bereitschaft der Bevölkerung möchten Baumholzer und Schilling dennoch ausdrücken und bitten um Verständnis, falls es den ein oder anderen enttäuschten Helfer gegeben haben sollte.
In Eybach sei es spitz auf Knopf gewesen, als man damit begonnen hatte, den Ortsteil gegen das vordringende Wasser zu schützen. Sowohl die Quellen am Quellenweg hätten viel Wasser geführt, aber auch die Eyb selbst. "Wir waren nur weniger Zentimeter entfernt", zeichnet Baumholzer nach, wie rasant sich das Einsatzgeschehen dort entwickelte und dass es kurz davor stand, dass Wasser in den Ort und die Häuser fließt. Die Situation habe der Eybacher Löschzug aber ohne Unterstützung bewältigen können.

Von Bad Ditzenbach kommend ist die Ortseinfahrt nach Deggingen auch am Sonntag (2. Juni) noch unpassierbar.
Thomas Madel FotografieIn Deggingen ist das Wasser an vielen Stellen inzwischen wieder zurückgegangen, wenngleich noch immer einzelne Straßen überflutet sind, darunter Ortseinfahrt aus Richtung Bad Ditzenbach. "Bei uns ist die Lage derzeit relativ entspannt", berichtet Zugführer Jürgen Knaupp. Derzeit liefen Nacharbeiten, einige Keller würden derzeit noch leergepumpt. An einem Filswehr zwischen Bad Ditzenbach und Deggingen müsse noch Treibgut entfernt werden, welches sich angesammelt hat.
Anders als gestern, als fast minütlich neue Aufträge eingetrudelt über verschiedene Kanäle eingetrudelt seien, wie Knaupp berichtet. 62 Einsätze hätten die Kameraden gestern erhalten. Anders als in Teilen Gosbachs habe es jedoch keinen Anlass gegeben, Häuser zu evakuieren. Lediglich bei einigen Tiefgaragen in tieferer Lage habe man empfohlen, die Fahrzeuge zu räumen.
Dennoch: „Wir müssen momentan aufgrund der Wetterprognose damit rechnen, dass wir auch am Sonntag die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten müssen und am morgigen Tag weiter im Einsatz sein werden“, sagte gestern (1. Juni) Kreisbrandmeister Michael Reick weiter. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Einsatzleitern vor Ort und können so stets auf die aktuelle Anforderung reagieren“.