Hochwasser im Kreis Göppingen
: Feuerwehren im Dauereinsatz

Der anhaltende Regen hat auch im Kreis Göppingen Spuren hinterlassen.
Von
Jens Kirschner
Kreis Göppingen
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Nicht nur Gewässer traten über die Ufer, auch die Kanalisation im Kreis Göppingen wurde vielerorts überspült.

Nicht nur Gewässer traten über die Ufer, auch die Kanalisation im Kreis Göppingen wurde vielerorts überspült.

SDMG

Die Lage am Samstagnachmittag (1. Juni):

Inzwischen hat sich auch der Führungsstab des Landeskreises Göppingen zur Hochwasserlage geäußert. Demnach dauerten die Einsätze weiter an. 35 Feuerwehren mit insgesamt 793 Kräften seien bislang seit Freitagnachmittag (31. Mai)  im Einsatz gewesen. Das THW unterstützte mit insgesamt 90 Einsatzkräften aus drei Ortsverbänden.

Drei Einsatzschwerpunkte macht der Führungsstab aus: Bad Ditzenbach, Deggingen und Gosbach. „Unsere Arbeit konzentriert sich momentan darauf, mit Sandsäcken zahlreiche Gebäude vor dem übertretenden Wasser zu schützen“, berichtet Kreisbrandmeister Michael Reick. Krankenhäuser, medizinische oder betreuerische Einrichtungen hätten bisher nicht evakuiert werden müssen.

"In einigen Straßenzügen entlang der Fließgewässer mussten allerdings Personen aufgefordert werden, ihre Häuser zu verlassen", heißt es vom Führungsstab. Die Personen werden von Einheiten des Rettungsdienstes versorgt.

In den vergangenen Tagen seien Tausende Sandsäcke zum Einsatz gekommen, um Gebäude zu schützen. In Kellern hätten die Kräfte auch aufgeschwemmte Öltanks gefunden. Ebenso wurden zahlreiche Straßen aufgrund von Überflutungen und Erdrutschen gesperrt. Hilfe in Form von Sandsäcken erhalte der Landkreis Göppingen aus Stuttgart, Heilbronn und Ludwigsburg sowie aus Esslingen nebst einer Sandsackfüllmaschine plus Bedienpersonal.

„Wir müssen momentan aufgrund der Wetterprognose damit rechnen, dass wir auch am Sonntag die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten müssen und am morgigen Tag weiter im Einsatz sein werden“, sagt Kreisfeuerwehrchef Reick. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Einsatzleitern vor Ort und können so stets auf die aktuelle Anforderung reagieren.“

Evakuierung in Gosbach

Für die Feuerwehr Kuchen steht das Gros an Arbeit wohl noch bevor, wie es von dort heißt. Wenngleich auch dort Keller vollgelaufen seien, habe es keine größeren Probleme oder Schadensereignisse gegeben. Nur in einem Fall habe man ein Haus vom Strom trennen müssen.  Man warte, bis der Pegel zurückgehe, um das Wasser aus den Häusern pumpen zu können. Entferne man das Wasser zu früh, drohten Strukturschäden an den betroffenen Gebäuden.

In Mühlhausen, berichtet Feuerwehrkommandant Markus Herrlinger, sei zwar viel Wasser eingelaufen, aber kein größerer Schaden entstanden. Wie andernorts auch, trat die Fils über die Ufer und die Kanäle liefen über. "Wir haben inzwischen Schichten eingeführt", schildert Herrlinger.

Auch die Kreisstadt Göppingen ist vom Hochwasser der Fils betroffen. Dort musste eine Unterkunft am Flussufer evakuiert werden.

Der aktuelle Lagebericht der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) geht davon aus, dass der aktuelle Dauerregen auch weiter anhält. Insbesondere für den Montag sei auf Grundlage der Niederschlagsvorhersagen mit "großen bis sehr großen" Hochwasserereignissen an den Neckarzuflüssen, also auch der Fils, zu rechnen.

Wie das THW Geislingen berichtet, seien dessen Helfer mit den Kameraden der Feuerwehr inzwischen an den Mühlwiesen in Gosbach dabei, Anwohner zu evakuieren, aber auch weiter bei Pumparbeiten mitzuhelfen. Nicht jeder der Anwohner habe das Angebot angenommen, berichtet THW-Sprecher Jürgen Kuhn. Das Einsatzgeschehen nehme derzeit nicht ab: "Wir arbeiten Stück für Stück, von Haus zu Haus." Für die Evakuierten sei eine Notunterkunft eingerichtet worden. Nach Angaben des THW Baden-Württemberg seien im Land rund 200 Ehrenamtliche aus 20 Ortsverbänden der Bundesanstalt im Einsatz.

Das Geislinger und Gruibinger THW unterstützt beim Abpumpen von Wasser an den Gosbacher Mühlwiesen

Das Geislinger und Gruibinger THW unterstützt beim Abpumpen von Wasser an den Gosbacher Mühlwiesen

Jürgen Kuhn

Ebenso im Einsatz sind die insgesamt 35 THW-Helfer, darunter auch des THW aus Gruibingen, beim Thermalbad und dem Rehacenter in Bad Ditzenbach, um Sandsäcke gegen Wassermassen zu verbauen. Weiter liefen ebenso die Erkundungen gemeinsam mit der Feuerwehr.

Die Lage am Samstagmorgen (1. Juni):

Wie erwartet sind die Gewässer an verschiedenen Orten über die Ufer getreten, auch Kanäle sind übergelaufen.

Wie die Süddeutsche Mediengesellschaft (SDMG) berichtet, kämpfen die Feuerwehren seit gestern Abend gegen die Wassermassen. So baute die Feuerwehr Wiesensteig mit Brettern und Sandsäcken einen zusätzlichen Wall an der Fils entlang. Die Feuerwehr Mühlhausen sicherte im Ortsinneren Teile der Fils, da der Pegel schnell anstieg. In Gruibingen wurden Sandsäcke gefüllt und im Landkreis verteilt.

Unwetterwahrungen. Aufgrund des erwarteten extrem ergiebigeren Dauerregens halten sich die Feuerwehren im Landkreis in Bereitschaft. Die Fils, wie hier bei der Wasserkraftanlage in Deggingen, schwoll, verursacht durch den anhaltenden Starkregen, innerhalb kurzer Zeit stark an. Die Pegel Flüsse und Bäche stiegen schnelle an und die Feuerwehr war, wie hier bei der Firma G Moll in Gruibingen, damit beschäftigt 3000 Sandsacke abzufüllen und diese an die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden zu verteilen. Die Sandsäcke wiegen ca. 15-20 kg und wurden mit trockenem Bausand gefüllt.600 Sandsäcke pro Stunde wurden unter Zuhilfenahme einer Sandsackbefüllmaschine befüllt und anschließend, zum Weitertransport, in Gitterboxen gelegt.

Die Pegel der Flüsse und Bäche stiegen schnell an und die Feuerwehr Gruibingen war - wie hier bei der Firma Georg Moll Tiefbau - damit beschäftigt, 3000 Sandsäcke abzufüllen und diese an die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden zu verteilen.

Rainer Lauschke

Wie die SDMG schildert, sei am Samstagmorgen (1. Juni) die Feuerwehr zum Edeka Mändle nach Gosbach gerufen. Dort war Wasser ins Gebäude gelaufen. Ebenso ist die Fils entlang der B466 über die Ufer getreten und hat einzelne Flächen überspült.

Entlang der B466 in Gosbach, hier nahe der Bäckerei Kalik, hat die Fils Flächen überflutet.

Entlang der B466 in Gosbach, hier nahe der Bäckerei Kalik, hat die Fils Flächen überflutet.

privat

Inzwischen ist auch das Technische Hilfswerk (THW)  Geislingen in Bad Ditzenbach im Einsatz. "Hier ist die Lage prekär", schildert dessen Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, Jürgen Kuhn. Ausgerückt sei der technische Zug mit der Fachgruppe Infrastruktur sowie einem Bergungs- und Suchtrupp. Ihre Aufgabe sei zunächst, Erkundungen zur Bestimmung der weiteren Einsatzlage vorzunehmen.

  • Das THW unterstüzt beim Ampumpen in Bad Ditzenbach

    Das THW unterstüzt beim Ampumpen in Bad Ditzenbach

    Jürgen Kuhn
  • Kräfte des THW unterstützen beim Abpumpen in Bad Ditzenbach

    Kräfte des THW unterstützen beim Abpumpen in Bad Ditzenbach

    Jürgen Kuhn
  • Kräfte des THW helfen beim Abpumpen in Gosbach

    Kräfte des THW helfen beim Abpumpen in Gosbach

    Jürgen Kuhn
  • Das Hochwassergeschehen in Bad Ditzenbach.

    Das Hochwassergeschehen in Bad Ditzenbach.

    Jürgen Kuhn
  • Das Hochwassergeschehen in Bad Ditzenbach

    Das Hochwassergeschehen in Bad Ditzenbach

    Jürgen Kuhn
  • Hochwasser Bad Ditzenbach

    Eindrücke der Hochwasserlage in Bad Ditzenbach

    Ruben Wolff
  • Hochwasser in Bad Ditznenbach

    Eindrücke der Hochwasserlage in Bad Ditzenbach

    Ruben Wolff
  • Hochwasser Bad Ditzenbach

    Eindrücke der Hochwasserlage in Bad Ditzenbach

    Ruben Wolff
  • Hochwasser Bad Ditzenacb

    Eindrücke der Hochwasserlage in Bad Ditzenbach

    Ruben Wolff
  • Hochwasser Bad Ditzenbach

    Eindrücke der Hochwasserlage in Bad Ditzenbach

    Ruben Wolff
  • Hochwasser Bad Ditzenbach

    Eindrücke der Hochwasserlage in Bad Ditzenbach

    Ruben Wolff
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In Wiesensteig war die Fils über die Ufer getreten und drohte, in die Innenstadt zu laufen, wie die Wiesensteiger Kameraden berichten. Das Wasser habe man zwar nicht aufhalten, aber umleiten können, um Schlimmeres zu verhindern. Gleiches gelte für das Freibad, wo Gefahr bestand, dass der Technikraum volllaufen könnte. Inzwischen gilt für Wiesensteig eine Warnung, das Trinkwasser abzukochen, weil das Hochwasser auch ins Wasserwerk vorgedrungen ist. Und auch das Tälesbad bleibt aufgrund der Hochwassergeschehnisse bis auf Weiteres geschlossen, wie die Stadtverwaltung inzwischen mitteilt.

Die Feuerwehr Aichelberg musste zu einer Firma ausrücken, in dem Unternehmen war Wasser in den Keller gelaufen, teilt die SDMG mit.

Auch in Altenstadt war die Fils über die Ufer getreten. Dort wurde der Biergarten beim TVA überflutet. Dort droht offenbar auch, dass die Kellerräume der Halle des TV-Altenstadts mit Wasser volllaufen. Mit Sandsäcken versucht die Feuerwehr, dies noch zu verhindern.

Auch der Biergarten an der Fils in Altenstadt wurde vom Hochwasser nicht verschont

Auch der Biergarten an der Fils in Altenstadt wurde vom Hochwasser nicht verschont

privat

Genaueres über die Lage in Geislingen war bislang in Erfahrungen zu bringen. Die Feuerwehr Geislingen war, wie viele ihrer Kameraden im Kreis, noch im Einsatz. Bei der Integrierten Leitstelle des Kreises ist der Führungsstab im Einsatz, der ebenfalls bislang ob der Lage noch zu beschäftigt ist, um aktuell konkrete Auskünfte zu geben. Erst am Nachmittag wird es wohl ein erstes Komplettbild im Kreis über das Hochwassergeschehen geben können.

"Wir waren die ganze Nacht und sind auch aktuell für euch im Einsatz. Bis jetzt konnten wir Schlimmeres verhindern und das Wasser weitestgehend zurückhalten", schreibt die Feuerwehr Bad Ditzenbach auf Instagram und warnt: "Die anhaltenden Regenfälle werden die Lage aber sicher noch weiter eskalieren lassen." Die Wehr gibt auch Tipps zum Verhalten bei dieser Extremwetterlage: "Haltet euch von Gewässern fern." Auch sollten die Landkreisbewohner auf eindringendes Wasser in Häuser beziehungsweise Kellern achten.

Im Voralbgebiet waren am Samstagvormittag die Einsatzkräfte gefragt: Der Heubach zwischen Heiningen und Gammelshausen war über die Ufer getreten und hatte die angrenzende Straße überspült. Mit schwerem Gerät wurde das Flussbett ausgebaggert und Äste entfernt. Die Gemeinde Albershausen teilt auf Instagram mit, dass die Durchfahrt zwischen Albershausen und Sparwiesen wegen des steigenden Wasserpegels für den Verkehr voll gesperrt ist. "Diese Sperrung wird so bald wie möglich wieder aufgehoben. Bitte nutzen Sie die Umleitung über Uhingen", teilt die Gemeindeverwaltung mit.

Auch in den Nachbarlandkreisen kämpften die Einsatzkräfte mit den Wassermassen. In Hochdorf drohte der Köhlerbach über die Ufer zu treten. Die Feuerwehr baute einen Hochwasserschutz auf. Auch in Schorndorf traf man Vorkehrungen, weil hier der Pegel der Rems bedrohlich anstieg. Wanderwege wurden gesperrt, Hochwasserschilder aufgestellt.

Die B466 zwischen Deggingen und Bad Ditzenbach wurde überflutet.

Die Abfahrt nach Deggingen von der B466 ist wurde überflutet.

privat

In Deggingen ist die Lage offenbar besonders prekär. Dort seien derzeit alle Fahrzeuge im Einsatz, wie von der Degginger Wehr zu hören ist. Die Abfahrt nach Deggingen von der B466 ist derzeit überflutet. 40 Einsatzstellen habe man, stand 13 Uhr, schon abgearbeitet. Man fordere ständig Sandsäcke und Sand an. Die Lage sei dynamisch und derzeit nicht wirklich abzuschätzen. Erfreuliches trotz der Umstände: Die Degginger unterstützten die Kameraden, wo sie nur könnten. Entweder indem sie selbst anpackten oder durch Kuchenspenden. Weitere Helfer können sich direkt am Gerätehaus melden.