Gesundheitszentrum Helfenstein: Kaum Patienten behandelt - gerühmtes Modellprojekt ist gescheitert

Es ist beschlossen: Die KAV im Gesundheitszentrum Helfenstein wird beendet.
Rainer Lauschke- Kurzstationäre Allgemeinmedizinische Versorgung im GZ Helfenstein endet Ende dieses Jahres.
- AOK beendet das Modellprojekt, da die Nachfrage sehr gering war und die Station kaum ausgelastet.
- Nur 11 Prozent Betten belegt, rund 350 Patienten seit Start im Januar 2024 behandelt.
- Initiatoren betonen gewonnene Erfahrungen – Personal soll beim Alb-Fils-Klinikum weiterarbeiten.
- Gesundheitszentrum bietet weiterhin ein breites ambulantes Angebot, die Entscheidung betrifft nur die KAV.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Als Krankenkasse tragen wir Verantwortung dafür, die verfügbaren Mittel dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen für unsere Versicherten bringen“, berichtet Heike Kallfass, Geschäftsführerin der AOK Neckar-Fils, am Donnerstagabend (24.09.) in einer Pressemitteilung. Für die Krankenkasse sei die Wirtschaftlichkeit von wesentlicher Bedeutung, denn man habe eine Verantwortung gegenüber den Versicherten. Tatsächlich sei die Nachfrage nach der Kurzstationären Allgemeinmedizinischen Versorgung (KAV) in Geislingen aber so gering gewesen, dass die AOK keine Chance für einen „wirtschaftlich tragfähigen und nachhaltigen Weiterbetrieb“ mehr sah. Bekanntermaßen wird die KAV von der Krankenkasse vollkostenfinanziert.
In der Pressemitteilung schildert Kallfass zwar, dass die KAV für sie kein gescheitertes Projekt sei, erklärt aber zudem, dass die Station kaum ausgelastet war. Obwohl acht Betten für Patienten und Patientinnen bereitstanden, seien nur elf Prozent belegt gewesen. Seit dem Start im Januar 2024 hatten Ärzte und Pflegepersonal rund 350 Patienten behandelt.
Viel gerühmtes Modellprojekt endet zum Jahreswechsel
Die KAV war mit großen Vorschusslorbeeren gestartet. Von Beginn an war die Rede von einem Modellprojekt gewesen, unter anderem weil sie sie die Brücke spannte zwischen der stationären und ambulanten Versorgung. Als der frühere Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) das Gesundheitszentrum Helfenstein im Sommer 2024 besucht hatte, schwärmte er von einer „vorausschauenden Blaupause“. Doch schon damals blieben viele Betten frei. Auf GZ-Nachfrage hatte Dr. Ingo Hüttner, Medizinischer Geschäftsführer des Alb-Fils-Klinikums, davon gesprochen, dass es diesbezüglich „noch viel Luft nach oben“ gibt. Daran hat sich offenbar nichts geändert.
Dennoch verlängerte die KAV den Vertrag um ein weiteres Jahr. Im Februar 2026 feierten Kallfass, Hüttner, kommunale Partner und die Lokalpolitik noch die Verlängerung um ein weiteres Jahr. Landrat Markus Möller hatte die KAV damals als „einzigartiges Modellprojekt“ gelobt. Hüttner erklärte, wie sehr zufrieden die Patienten seien mit den Behandlungen. Die KAV beweise, „wie innovative und sektorenübergreifende Versorgungskonzepte erfolgreich umgesetzt werden können“, sagte er. Als die GZ im Februar Heike Kallfass während der Feierlichkeiten fragte, warum das Modellprojekt lediglich für ein Jahr verlängert wurde und nicht gleich dauerhaft, hatte sie geantwortet, dass eine weitere Verlängerung nicht ausgeschlossen sei, dass man aber die Entwicklung beobachten werde und zudem auf die Ergebnisse einer Evaluation warte. Offenbar brachte all das nichts.
Was wurde aus der Studie der Hochschule?
Um die Langlebigkeit der Station zu ermöglichen, arbeitete man auch mit der Hochschule Esslingen zusammen. Wie in der GZ berichtet, wollte man herausfinden, wie die KAV ausgestaltet und langfristig finanziert werden kann. Während der Feier zur Vertragsverlängerung hatte Hüttner auf GZ-Nachfrage erklärt, dass sich bereits positive Aspekte erkennen ließen. Er bezog sich dabei auf eine Masterarbeit der Hochschule. Offenbar gab es jedoch auch in dieser Hinsicht keine Erfolgsmeldungen zu verkünden. In der Pressemitteilung der AOK ist davon jedenfalls nichts zu lesen. Genauso wenig wird darüber berichtet, warum so viele Betten der KAV frei geblieben sind.
„Die KAV war ein innovativer und sinnvoller Ansatz, um eine Versorgungslücke zwischen Arztpraxis und Krankenhaus zu schließen. Deshalb war es richtig und wichtig, dieses Modell in Geislingen zu erproben“, erklärt Heike Kallfass jetzt in ihrer Pressemitteilung. An späterer Stelle schreibt sie, dass die Initiatoren, Beteiligten und Beschäftigten der KAV mit der Erprobung Pionierarbeit geleistet und wichtige Erfahrungen gesammelt hätten. „Diese Erkenntnisse sollen in die weitere Entwicklung einer bedarfsgerechten und wohnortnahen medizinischen Versorgung einfließen“, teilt sie nun mit, ohne dabei konkreter zu werden.
Hüttner ist dankbar für die Erfahrungen
Auch Ingo Hüttner kommt in der Pressemitteilung zu Wort: „Die Möglichkeit, neue Wege in der Gesundheitsversorgung zu erproben und dabei praktische Erfahrungen zu sammeln, war uns sehr wichtig und gehört für uns zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Herausforderungen der Zukunft dazu.“ Auch wenn der eingeschlagene Weg an dieser Stelle nicht weiterverfolgt werden könne, sei die gemeinsame Arbeit sehr wertvoll gewesen. „Sie hat gezeigt, welche Möglichkeiten, aber auch welche Voraussetzungen mit neuen Versorgungsansätzen verbunden sind. Wir konnten über das Expertengremium der Deutschen Krankenhausgesellschaft zahlreiche Impulse aus unserer praktischen Erfahrung in die Beratungen zur aktuellen Gesetzgebung einbringen und bedanken uns bei der AOK und allen Beteiligten für die engagierte Zusammenarbeit“, so Hüttner.
Die KAV läuft bis Ende des Jahres weiter. Ziel ist es, dass alle Mitarbeitenden bei der Alb-Fils-Klinikum-GmbH weiterbeschäftigt werden. Patienten dürften das Angebot solange auch noch annehmen. Extra betont wird in der Pressemitteilung, dass das Gesundheitszentrum Helfenstein „auch künftig ein breites Spektrum an ambulanten ärztlichen und therapeutischen Angeboten“ bietet. Die Entscheidung betreffe ausschließlich die KAV als zeitlich befristetes Modellprojekt.
Nicht zu verwechseln ist die Kurzstationäre Allgemeinmedizinische Versorgung mit der Kurzzeitpflege. In der von Fachärzten geleiteten KAV werden Patienten kurzzeitig stationär aufgenommen und ärztlich wie pflegerisch rund um die Uhr betreut. Mit der KAV soll eine allzu rasche stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus verhindert werden. Man könnte sie als prä-stationär bezeichnen. Die so ähnlich klingende Kurzzeitpflege dagegen ist eine Art post-stationäre Einrichtung für pflegebedürftige Personen, die stationär im Krankenhaus waren, für die eine ambulante oder teilstationäre Versorgung aber noch nicht ausreicht. Sie verfolgt damit einen rehabilitativen Ansatz.
Wird es einen Investor geben?
Die Entscheidung der Krankenkasse dürfte für Diskussionen in Geislingen sorgen. Nach dem Ende der Klinik-Ära bleiben noch immer viele Fragen offen, wie es weitergehen soll mit dem Gesundheitszentrum Helfenstein. Immerhin sucht man bis heute nach einem Investor für das alte Klinikgebäude und das moderne Ärztehaus. Seit April ist die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung damit beauftragt, den Markt zu erkunden. Im Herbst soll es Ergebnisse geben.
AFK kann Projekt nicht finanzieren
Eine Folgefinanzierung durch das Allb-Fils-Klinikum ist nicht möglich, heißt es in der Pressemitteilung. Hinzu komme, dass sich mit der beschlossenen Krankenhausreform die Rahmenbedingungen verändert haben. „Für eine Fortführung der KAV sind die rechtlichen und strukturellen Voraussetzungen derzeit nicht gegeben.“

