Geislinger Schüleraustausch: Ein deutsch-französisches Wiedersehen nach 38 Jahren

Silke Duckeck (links) und ihre französische Freundin beim Wiedersehen 2025 in Saint-Étienne.
privat- Silke Duckeck entdeckte 1982 durch einen Schüleraustausch ihre Liebe zu Frankreich und der Sprache.
- Viermal nahm sie am Austausch mit Montceau-les-Mines teil, enge Freundschaft mit Marielle entstand.
- Nach Schulzeit Kontakt verloren, durch WhatsApp 2025 Wiedersehen nach 38 Jahren in Saint-Étienne.
- Erfahrungen prägten ihr Leben: Studium an der Sorbonne, Arbeit als Wirtschaftsübersetzerin.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vor 43 Jahren begann Silke Duckecks große Liebe zu Frankreich, der Sprache und der franzözischen Kultur. Als einer der ersten Jahrgänge begann sie 1982 als Fünftklässlerin am Geislinger Michelberg-Gymnasium mit Französisch als erster Fremdsprache. Dazu gehörten bald auch Brieffreundschaften mit Schülerinnen und Schülern der Geislinger Partnerstadt Montceau-les-Mines. Das sei anfangs vor allem aufgrund des begrenzten Wortschatzes durchaus eine Herausforderung gewesen, erinnert sich die gebürtige Geislingerin, die inzwischen in Laichingen wohnt.
Die Gastfamilie war „ein Glücksgriff“
Nach einigen Briefwechseln sei es dann noch spannender geworden: Der erste Austausch zwischen französischen und deutschen Schülern und Schülerinnen war geplant. „Was würde uns erwarten, in diesem fremden Land? Wie würden wir zurechtkommen, mit dieser noch so fremden und vorher kaum einmal gesprochenen Sprache und den französischen Gewohnheiten, die wir noch nicht kannten?“, erinnert sich Silke Duckeck an die Gedanken, die ihr und ihren Mitschülern damals durch die Köpfe gegangen waren.
Die erste Fahrt nach Montceau war ein Abenteuer, erzählt sie: zwei Doppeldecker-Busse voller aufgeregter Teenies auf dem Weg ins schöne Burgund. Die Fahrt dauerte lange, spätabends kamen die Geislinger in der fremden Stadt an. Nach einiger Zeit in Montceau, in der die Austauschschüler auch mit in die Schule durften, alle zusammen ins Schwimmbad gingen, die Fußgängerzone in Montceau unsicher machten und in der sich alle erst einmal kennenlernen mussten, stellte sich eine gewisse Erleichterung und Routine ein. Silke Duckeck meint im Rückblick, mit „ihrer Familie“ einen echten Glücksgriff getan zu haben – alle seien sehr nett gewesen und sie habe sich ziemlich schnell gut aufgehoben und wohl gefühlt. Mit ihrer Gastfamilie kam sie auch zum ersten Mal nach Paris, sie besuchten Annecy und immer wieder Feste in Montceau, bei denen sich alle trafen.

Silke Duckeck (links) beim Schüleraustausch mit ihrer französischen Freundin Marielle.
privatViermal nahm Silke Duckeck am Austausch teil, und sie und ihre französische Freundin Marielle lernten sich richtig gut kennen: „Wir haben uns sehr aneinander gewöhnt, die Abschiede wurden von Mal zu Mal tränenreicher, doch meist mit dem Trost, dass wir uns ja in einem halben Jahr wiedersehen.“
Nach der Schule schrieben sich die beiden zwar noch einige Zeit Briefe, doch dann sei das Leben dazwischen gekommen, meint Silke Duckeck – Berufsleben, Heirat, Kinder. Der Briefwechsel sei seltener geworden und sogar fast gänzlich eingeschlafen, doch mit dem Aufkommen der Kommunikations-App Whatsapp startete Duckeck einen Versuch, den Kontakt wiederzubeleben. Sie schrieb an die letzte ihr bekannte Postadresse und schickte ihre Handynummer mit – die Freundin könne sich ja per App melden. Und das tat diese schließlich auch. „Seither schreiben wir uns immer mal wieder, schicken Weihnachts- und Geburtstagsgrüße und Bilder unserer Familien.“
Nach dem Abi ein Jahr an der Sorbonne studiert
Es waren diese Erlebnisse während der Schulzeit – mit tollen Französischlehrern am MiGy und schönen Aufenthalten in Montceau-les-Mines –, die Silke Duckecks Erwachsenenleben maßgeblich beeinflussen sollten: Sie studierte nach dem Abi ein Jahr an der Sorbonne und machte schließlich eine Ausbildung zur Wirtschaftsübersetzerin für Englisch und Französisch. In beiden Sprachen unterrichtet sie seither auch Schüler und Erwachsene. „Französisch ist nach wie vor meine Lieblingssprache, und an Paris habe ich mein Herz verloren. Jedes Jahr besuche ich ‚meine’ Stadt und flaniere durch die Straßen als wäre ich eine echte ‚Parisienne’“, erzählt sie.
Die Geschichte mit Marielle indes ist noch nicht zu Ende. Denn in den Pfingstferien fuhr Silke Duckeck mit ihrem Mann nach Frankreich, das Ziel: Montceau-les-Mines, wo sie die Mutter von Marielle besuchten, und Saint-Étienne, wo die Freundin inzwischen lebte. Das Wiedersehen mit ihrer Gastmutter, die die Duckecks zuerst trafen, sei sehr bewegend gewesen, „die Freude war auf beiden Seiten sehr groß“. Silke Duckeck hatte von zu Hause ein altes Fotoalbum mitgenommen und schaute sich mit Madame die Bilder der Austauschzeit an. Danach ging es zu Marielle, die sie schon auf der Straße vor dem Haus erwartete. „Es war, als hätten wir uns erst letzte Woche zuletzt gesehen und nicht vor 38 Jahren. Es war so selbstverständlich, sie zu umarmen und zu begrüßen, als würde ich eine Schwester wiedertreffen“, erinnert sich Silke Duckeck. Die beiden verbrachten den ganzen Tag bis spätabends miteinander, aßen zusammen, machten einen Spaziergang und schauten sich Fotos von früher an. „Insgesamt war es ein sehr schöner und bewegender Tag und wir gingen auseinander mit dem Versprechen, uns auch in Zukunft immer mal wieder persönlich, in Deutschland oder in Frankreich, zu treffen. Ich freue mich heute schon, wenn Marielle mich in meiner Heimat besuchen kommt.“
Der Kreis schließt sich für Silke Duckeck mit der Jubiläumsfeier der Geislinger Steige am 28. Juni: Bei diesem Fest trafen sich Silke Duckecks Mutter und Marie-Claude Valabrègue, die Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses von Montceau-les-Mines, und sprachen über das besondere Wiedersehen nach 38 Jahren. Diese Geschichte zu hören, habe Madame Valabrègue sehr gefreut, denn genau dies, so meinte sie, sei ja ein Ziel der Schüleraustausche gewesen: Freundschaften zwischen den Kulturen zu fördern und zu schaffen. „Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an Madame Valabrègue, die, zusammen mit vielen anderen natürlich, sehr viel für die Freundschaft zwischen Montceau-les-Mines und Geislingen getan hat“, sagt Silke Duckeck.
