Geislinger Kulturherbst
: Konzert in der Martinskirche: Klangqualität durch „Akupunktur“

Ein Konzert in der Geislinger Martinskirche für Violine und Orgel forderte und erfreute die Zuhörer.
Von
Gotthart Schulz
Geislingen
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Geislinger Kulturherbst; Konzert für Violine und Orgel;
Rike Kohlhepp (Violine) und Seiiche Komaya (Orgel);
28.09.2024; Martinskirche, Geislingen.
Foto: Thomas Madel

Zum Geislinger Kulturherbst gab es in der Martinskirche ein Konzert für Violine und Orgel mit Rike Kohlhepp an der Violine.

Thomas Madel Fotografie
  • Konzert für Violine und Orgel in Geislingen begeisterte Zuhörer.
  • Geigerin Rike Kohlhepp spielte auf einer Geige von Ralf Schumann.
  • Bach, Olsson und Helmschrott im Programm, virtuose Darbietungen.
  • Höhepunkt: „Sonata da chiesa VIII“ von Helmschrott, meisterhaft gespielt.
  • Zugabe: Berührendes Adagio von Max Reger.
  • Konzert für Violine und Orgel in Geislingen begeisterte Zuhörer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In der Reihe von Konzerten in der Martinskirche Geislingen war dieses Mal Musik für Violine und Orgel zu hören. Die Geigerin Rike Kohlhepp spielt auf einem Instrument (Baujahr 2020) des Geigenbauers Ralf Schumann aus Münstertal im Schwarzwald, der die Klangqualität durch „Akupunktur“ optimieren will und dazu besondere Aufmerksamkeit auf Steg, Stimmstock, Wirbel und Saitenhalter legt.

Diese Klangqualität war gleich bei der Sonate e-moll BWV 1023 von Johann Sebastian Bach wahrzunehmen. Entstanden nach dem Tod seiner ersten Frau, kann man den Eindruck haben, dass Bach ihr ein Denkmal mit dieser Musik setzen wollte. Über einem langen Orgelpunkt, Symbol für die Ewigkeit, jubiliert die Violine mit Sechzehntelläufen. Man konnte dabei an den glitzernden Sternenhimmel denken. Dies, um im anschließenden Adagio mit wehmütigen kraftvollen Klängen – mit ­lebendigen Rhythmen von Achteltriolen gegen Achtel, mit ungewöhnlicher Chromatik in der Baßstimme der Orgel, und schließlich im letzten Satz mit einem Totentanz in Form einer Gigue – dieser Frau ein Lebewohl zu sagen.

Der schwedische Spätromantiker Otto Emanuel Olsson gab den beiden Musizierenden Gelegenheit, ihr virtuoses Können zur Geltung zu bringen. Die Vielstimmigkeit der einsätzigen Romanze macht es dem Zuhörer nicht leicht, Strukturen zu erkennen. Thematische Figuren, mehrfach wiederholt, nacheinander in der Violine und Orgel, wirken wie ein dramatisches Crescendo.

Der Höhepunkt des Abends war die zweisätzige „Sonata da chiesa VIII“ von Robert M. Helmschrott aus dem Jahr 1990. Der Hausherr Seiichi Komaya kennt seine Orgel und die Registriermöglichkeiten des Instruments und nutzte sie bei diesem Stück aus. Weiche Prinzipale, harte Mixturen im Tuttiklang, kräftige Bässe im Pedal gemischt mit der klanglich führenden Violine sorgen für Überraschungen.

Etwas Besonderes ist das Solo, eine Art Kadenz, die dem Geigenspieler in puncto Intonation und Technik Äußerstes abverlangt, was von Rike Kohlhepp meisterlich bewältigt wurde. Während im ersten Satz mit dem Titel „Nomos“ die Kantilenen überwiegen, geht es im zweiten Satz mit dem Titel „Exclamatio“, mit seinen rhythmischen und klanglichen Elementen, mit der geforderten Virtuosität beider Instrumente, so richtig zur Sache. Beide meisterten ihren schweren Part mit Bravour. Nach verdientem Beifall vom Publikum gab es noch als Zugabe ein berührendes Adagio von Max Reger.