Tourette-Syndrom
: Interview: Jean-Marc Lorber über Klischees und Chancen der Erkrankung

Jean-Marc Lorber aus Stuttgart ist Musiker und Tourette-Betroffener. In seinen Seminaren bricht er mit Klischees und zeigt die Buntheit sowie die Chancen der Erkrankung.
Von
Verena Köger
Schwäbisch Hall
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Jean-Marc Lorber ist ein farbenfroher Mensch. Das spiegelt sich in seinen Haaren und seiner Kleidung, aber auch in seinem Gemüt wieder. „Ich halte mich schon auf der sonnigen Seite des Lebens und versuche, das Gute zu sehen. Daher auch der Drang, Farbe in die Welt zu ⇥bringen“, sagt Lorber.

privat

Wie sind Sie mit der Diagnose ­Tourette umgegangen?

Konnten Sie die Diagnose gleich ­akzeptieren?

Haben sich Freunde auch mal aufgrund der Krankheit abgewandt?

Wie ist Ihre Familie mit der Diagnose umgegangen?

Sie schlagen sich zum Beispiel leicht an den Kopf und geben „Äh-Geräusche“ von sich. Wie fühlt sich so ein Tic an?

Zum Beispiel?

Ihr Partner hat auch ein Handicap. Macht das die Beziehung leichter?

Blöde Sprüche, böse Blicke – wie gehen Sie mittlerweile damit um?

Was ist dran an dem Klischee, dass alle Tourette-Betroffenen Ausdrücke schreien?

Das Thema scheint ein wunder Punkt zu sein ...

Verändern sich die auch mal?

Wie ist es in Deutschland um die Aufklärung über Tourette bestellt?

Wünschen Sie sich manchmal, dass die Tics weg sind?

Was geht Ihnen da durch den Kopf?

Welchen Tipp geben Sie anderen Tourette-Betroffenen auf den Weg?

Was raten Sie anderen im Umgang mit Tourette-Betroffenen?

Auf die Leute eingehen und nicht in Watte packen. Sich auf Augenhöhe begegnen und die Leute nicht behandeln, als hätten sie einen Dachschaden, so von wegen: „Darf ich Ihnen die Tür aufmachen? Sie schaffen es alleine doch nicht.“ Humor zeigen, miteinander lachen, aber nicht auslachen. Darüber reden und dann ist gut.

Jean-Marc Lorber ist 1978 im französischen Ambilly geboren. Ab der Grundschule ist er in Freudental im Kreis Ludwigsburg aufgewachsen. Er besuchte die Hauptschule in Löchgau und machte eine Fortbildung zum Krankenpflegehelfer sowie eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann in einem Reformhaus in Reutlingen. In Stuttgart holte er den Realschulabschluss nach. Dort wohnt er mit Partner Michael Arnold. Mit ihm leitet er eine Selbsthilfegruppe für ADHS und Tourette sowie Seminare. Die beiden teilen sich den zweiten Vorsitz des Vereins LifeTiccer. Lorber ist außerdem Mitglied in der Tourette-Gesellschaft Deutschland sowie im Interessenverband Tic- und Tourette-Syndrom. Seit der Schulzeit macht Lorber Musik. Er ist solo als Spellfire sowie seit 2017 mit der Band So sick unterwegs. Es ist sein Wunsch, von der Musik zu leben und einen Charthit zu landen. Außerdem will er weiter Projekte, wie Hörbücher, umsetzen, um die Buntheit des Tourette-Syndroms zu zeigen.⇥ena