Pro & Contra
: Weniger Unfälle durch Handyblitzer?

Mit Monocams möchte Verkehrsminister Steffen Bilger stärker gegen Handysünder im Straßenverkehr vorgehen. Der richtige Ansatz?
Von
Klaus Rieder,
Jonas Krauthansl
Region
Jetzt in der App anhören
Monocam: ARCHIV - 31.05.2022, Rheinland-Pfalz, Mainz: Ein Schild an der Autobahn A60 weist auf den Einsatz eines neuartigen Systems zur Feststellung von Handyverstößen am Steuer hin. Das von der niederländischen Polizei entwickelte System namens "Monocam" wird von der rheinland-pfälzischen Polizei getestet. (zu dpa: «Handyblitzer auch bald im Südwesten? Das plant das Land») Foto: Thomas Frey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Symbolfoto: Ein Schild an der Autobahn weist auf den Einsatz eines  Systems zur Feststellung von Handyverstößen am Steuer hin.

Thomas Frey/dpa
  • Verkehrsminister Steffen Bilger will mit Monocams Handyverstöße im Verkehr stärker ahnden.
  • Pro: Ein Verbot wirkt nur mit Kontrollen und spürbaren Bußgeldern – ähnlich der Gurtpflicht.
  • Contra: Handyablenkung rangiert nur auf Platz neun der Unfallursachen, andere sind gravierender.
  • Vorschlag der Kritiker: Tempolimit 120 km/h senkt Tote deutlich, Bußgeld für Handy am Steuer erhöhen.
  • Laut Statistik gab es über 1100 Unfälle mit Handynutzung und fast 100 Tote, insgesamt über 2800 Tote.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Pro (Klaus Rieder)

Das Handyverbot am Steuer ist bereits seit 2001 klar geregelt. Schon das bloße Halten eines elektronischen Geräts ist untersagt – das gilt auch für Rad- und E-Scooter-Fahrer. Doch es verhält sich hier wie in anderen Bereichen: Ist das Risiko, erwischt zu werden, gering, gerät das Verbot schnell in Vergessenheit. Ein gefährliches Unterfangen, weil das Handy in der Hand vom Straßenverkehr ablenkt – was jedem bewusst ist.

Damit sich jeder jederzeit an ein Verbot erinnert, muss es auch durchgesetzt werden – das funktioniert vor allem über Kontrollen und den Geldbeutel des Fahrers. Die Situation erinnert an die Einführung der Gurtpflicht im Jahr 1976. Damals hielten viele das Anschnallen zwar für sinnvoll, fuhren aber lieber weiterhin „oben ohne“ – wie es damals spöttisch hieß – und hatten dafür stets zahlreiche Argumente parat. Erst als 1984 Bußgelder eingeführt wurden, griff die Mehrheit vor dem Fahrtantritt zum Gurt. Heute wird der Gurt nicht mehr infrage gestellt.

Contra (Jonas Krauthansl)

Laut Statistischem Bundesamt wurde 2025 deutschlandweit bei mehr als 1100 Verkehrsunfällen mit Personenschaden die Nutzung elektronischer Geräte wie Handys als Unfallursache festgestellt. Fast 100 Menschen verloren dadurch ihr Leben – eine erschreckende Zahl. Dass Verkehrsminister Bilger dagegen vorgehen will, ist an sich richtig.

Aber: Insgesamt betrachtet kamen mehr als 2800 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben. Zu den Hauptunfallursachen zählten zu geringer Abstand, überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol- und Drogeneinfluss. Ablenkung, etwa durch Smartphones, steht erst an neunter Stelle. Um die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken, gäbe es weitaus effektivere Ansätze: Durch ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen beispielsweise würde die Zahl der Verkehrstoten um schätzungsweise etwa ein Drittel sinken. Statt Handyblitzer einzuführen – aufgrund von KI-Nutzung, datenschutzrechtlichen Bedenken und hohem Mehraufwand ohnehin umstritten – könnte der Staat zunächst das Bußgeld für die unerlaubte Handynutzung am Steuer erhöhen, das derzeit 128,50 Euro beträgt. Das allein würde wohl schon viele Autofahrer abschrecken.