Praktikum, Ferienjob, Ausbildung und Co.
: Richtig bewerben – auch digital

Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse – Worauf Personalerinnen und Personaler im Bewerbungsprozess achten und wie man seine Social-Media-Kanäle pflegen sollte, erklärt Lisa John, Teamleiterin Berufsberatung Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Und was braucht es alles für ein gelungenes Anschreiben?
Von
Emily Hägele
Landkreis
Jetzt in der App anhören

Was es für eine Bewerbung alles braucht, hat die Jugendredaktion recherchiert.

Freepik.com

Worauf sollte man beim Bewerben generell achten?

Lisa John: Wer ein Unternehmen von sich überzeugen möchte, sollte seine Inspiration in der Bewerbung zum Ausdruck bringen. Damit meine ich, dass eine Bewerbung Antworten zu den Fragen „Wer bin ich? Was kann ich? Warum habe ich mich für den Beruf entschieden?“ liefern sollte. Das setzt voraus, dass man sich mit dem Thema Berufswahl befasst hat und sich über seine Stärken und Motivation im Klaren ist. Für junge Leute ist das nicht ganz so einfach, doch es gibt gute Ratgeber wie Eltern, Freunde, Lehrer und natürlich unsere Berufsberatung sowie gute Werkzeuge wie das Erkundungstool auf unserer Homepage CheckU.

Wie sollte eine gute Bewerbung aussehen?

Eine gute Bewerbung ist authentisch und individuell. Egal, ob ich eine Bewerbung per Post oder E-Mail verschicke, die Bestandteile sind gleich: Dazu gehören Deckblatt/Foto, Anschreiben, Lebenslauf und Anlagen wie Zeugnisse oder sonstige Bescheinigungen. Das Deckblatt ist nicht zwingend, wer darauf verzichtet, kann das Foto auf dem Lebenslauf platzieren.

Welche Tipps haben Sie, wenn man nicht weiß, wie man seine Bewerbung anfangen soll?

Hier hilft das AIDA-Prinzip: A = Attention: Aufmerksamkeit erreiche ich durch das Wort „Bewerbung“ und den Bezug zur Stellenanzeige in der Betreffzeile. I = Interest: Interesse wecken gelingt im Einleitungssatz und im ersten Absatz. Den Einleitungssatz beginne ich mit der direkten Anrede meines Ansprechpartners. Im Text am besten so wenig Floskeln wie möglich verwenden. Ein Beispiel: „Ihre Firma begeistert mich, weil ...“ macht neugierig und regt zum Weiterlesen an. D = Desire: Im Hauptteil wecke ich den Wunsch des Unternehmens, mich als Azubi haben zu wollen. Überzeugt wird mit Beispielen. Das heißt „Softskills“ also „soziale Kompetenzen“ mit konkreten Angaben belegen. „Ich bin zuverlässig“, kann jeder sagen. Aber: „Dass ich zuverlässig bin, stelle ich als Babysitterinnen oder Babysitter in meiner Freizeit unter Beweis.“ Das liefert gleich einen Beleg. So kann ein Mannschaftssport für Teamfähigkeit stehen. Hier kommt das Thema „Werbung“ in eigener Sache, das ja in dem Wort Bewerbung drinsteckt, ins Spiel. A = Action: Der Schlusssatz sollte eine Handlung erzeugen. An der Stelle ist ein Konjunktiv tabu. Also „Auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich.“ statt „Über eine Einladung würde ich mich freuen.“ Das ist alles ganz einfach gesagt, aber am Ende doch nicht so leicht umzusetzen. Deshalb bieten wir in der Berufsberatung einen Bewerbungsmappen-Check und in einigen Schulen Bewerbungstrainings an.

Auf welche Angaben im Lebenslauf achten Personaler genau?

Der Lebenslauf ist das Herzstück der Bewerbung. Standard ist heute die tabellarische Aufstellung, dabei stehen die aktuellen Daten oben. Ein Datum und die Unterschrift dürfen nicht fehlen. Bei jungen Leuten reicht oft eine DINA4-Seite. Inhalte sind persönliche Daten, Schulbildung, erste praktische Erfahrungen und Interessen/Hobbys. Entscheidend sind eine fehlerfreie Schreibweise, eine lückenlose Darstellung, eine klare Struktur und eine gute Übersichtlichkeit. Auf blumige Formulierungen sollte man verzichten. Wichtig ist auch eine seriöse E-Mail-Adresse, also nichts in Richtung fortniteking@...

Worauf sollte man beim Posten privater Bilder, Kommentaren und ähnlichem auf seinen Social-Media-Kanälen achten?

Immer mehr Personalerinnen und Personaler suchen im Internet nach Profilen von Bewerberinnen und Bewerbern, um Informationen zu bekommen. Deshalb ist es ratsam, bei der Veröffentlichung persönlicher Daten besonders vorsichtig zu sein. Überlegt euch immer, was eure Posts und Fotos über euch aussagen und was Personalerinnen und Personaler darüber denken würden. Man kann Social-Media-Kanäle wie Instagram oder Facebook auch für den Bewerbungsprozess nutzen, sollte aber auf die Einstellungsoptionen achten. Also Privatsphäre-Einstellungen prüfen und nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich machen.

Wie funktionieren die Bewerbungsportale der Unternehmen?

Die Bewerbung wird über ein Online-Formular auf der Website des Unternehmens eingereicht. Bewerberinnen und Bewerber füllen hierbei einzelne Formularfelder aus und laden PDF-Dokumente hoch. Dieser Prozess ist intuitiv, das bedeutet man wird automatisch geleitet.

Worauf sollte man bei einer Online-Bewerbung besonders achten im Vergleich zur Bewerbung in Papierform?

Hier unterscheiden wir zwei verschiedene Formen: Bewerbung per E-Mail und Online-Bewerbung. Die E-Mail-Bewerbung ähnelt im Aufbau der schriftlichen Bewerbung. Der Unterschied ist, dass diese eben per E-Mail und mit nur einem PDF-Anhang auf elektronischem Weg versendet wird. Der PDF-Anhang enthält Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse. Wichtig ist, dass in der E-Mail der Betreff „Bewerbung um eine Ausbildungsstelle als …“ genannt ist. Der Anhang sollte nicht größer als 5 MB sein. Die Online-Bewerbung läuft über ein Online-Formular auf der Website des Unternehmens. Wichtig ist, dass man sein Postfach im Blick behält, um auf eine Antwort des Betriebs zeitnah reagieren zu können.

Auf welchen Social-Media-Kanälen präsentieren sich die Unternehmen jungen Leuten?

Möglichkeiten, Unternehmen und ihre Ausbildungsberufe sowie Einstiegsmöglichkeiten über Praktika, Ferienjobs kennenzulernen, bieten beispielsweise folgende Kanäle: Tiktok, Youtube, Instagram, Facebook, Podcasts. Oft sind es Auszubildende und Angestellte der Firmen, die auf diesen Kanälen sozusagen aus erster Hand ihre Erfahrungen und Informationen teilen.

Worin sehen Sie die Vorteile einer digitalen Bewerbung?

Ich spare die Kosten für Papier, Fotos und Bewerbungsmappen. Außerdem ist eine digitale Bewerbung klimafreundlicher: es wird nichts gedruckt und der Postweg entfällt. Für die Unternehmen ist der Aufwand geringer beispielsweise, weil Unterlagen nicht zurückgeschickt werden müssen. Nicht zuletzt sind digitale Bewerbungen inzwischen einfach der gängige Standard.

Checkliste für deine Bewerbung:

  • Inspiration für Bewerbung zum Ausdruck bringen
  • Authentizität und Individualität
  • Fehlerfreie Schreibweise, lückenlose Darstellung, klare Struktur und hohe Übersichtlichkeit
  • Überlegter Umgang mit Social Media
  • Verschiedene Bewerbungsformen beachten
  • Bei Online-/E-Mail-Bewerbungen Postfach öfter checken für zeitnahe Rückmeldung

Das Anschreiben

Jugendredakteurin Emily Hägele hat recherchiert, was für ein gelungenes Anschreiben wichtig ist:

Wozu dient das Anschreiben überhaupt?

In diesem Teil der Bewerbung hast du die Freiheit in einem Fließtext von dir zu überzeugen. Du kannst dich und deine aktuelle Situation vorstellen, deine individuellen Stärken hervorheben und dem Empfänger überzeugende Gründe liefern, warum genau du ausgewählt werden sollst. Obwohl es sich um einen Fließtext handelt, ist es empfehlenswert ein ungefähres Muster zu befolgen und bestimmte Kernelemente miteinzubringen.

Wenn du ein umfassendes Anschreiben verfassen möchtest, kannst du wie folgt vorgehen:

Tipps:

  • Keine Übertreibungen
  • Vermeide zu verschachtelte Sätze
  • Hebe dich von anderen Bewerbern durch Kreativität hervor
  • Belege zum Beispiel deine Teamfähigkeit mit einem Beispiel
  • Passe dein Anschreiben an den Empfänger an
  • Lasse es nach Möglichkeit Korrekturlesen
  • Beachte Formalitäten wie die Grußformel
  • Versuche dich auf die Dinge zu begrenzen, die für die Stelle relevant sind
  • Es soll nicht länger als eine DINA4-Seite sein

Briefkopf

Deine eigenen Daten mit Namen, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, die Daten des Unternehmens sowie Datum und Ort.

Betreffzeile

Hinweis auf die Bewerbung auf die ausgeschriebene Stelle.

Persönliche Anrede

Am besten sprichst du den zuständigen Personaler direkt an, denn ein konkreter Ansprechpartner wirkt immer besser.

Einleitung

Hier stellst du dich und deine aktuelle Situation kurz vor und gehst auf deine Motivation für die Bewerbung ein.

Hilfreiche Leitfrage:

  • Welche Stärken und Kenntnisse, Referenzen und Erfahrungen hast du? (Versuche immer Merkmale auszuwählen, die auch Bezug zum Stellenangebot haben)

Hauptteil

Versuche hier wirklich Interesse zu wecken und dich von der Konkurrenz abzuheben.

Hilfreiche Leitfragen:

  • Wieso willst du genau diesen Job bei genau diesem Unternehmen, was begeistert dich daran?
  • Was macht dich zur besten Bewerberin, zum besten Bewerber für diese Stelle? Wieso bist genau du geeignet?
  • Was ist deine Motivation und welche Fähigkeiten machen dich perfekt für den Job?

Schlusssatz

Beispiele:

  • Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
  • Ich freue mich darauf, Sie in einem Gespräch persönlich kennenzulernen.

Schluss

Grußformel und (digitalisierte) Unterschrift nicht vergessen

Anlagen: Verweise am Ende der Seite kurz auf die Anlagen, in denen sich weitere Unterlagen wie Zeugnisse oder Zertifikate befinden.

Weitere Tipps gibt es zum Beispiel auf www.arbeitsagentur.de, www.planet-berufe.de und abi.de