Kreisbrandmeister im Kreis Hall: Joachim Wagner behält den Überblick auch in der Krise

Sein auffälliger Dienstwagen steht abfahrtbereit im Hof des Haller Landratsamts: Joachim Wagner ist der neue Kreisbrandmeister.
Bettina LoberEin großer Bildschirm hängt in der Ecke seines Büros im Erdgeschoss des Haller Landratsamts. Dort kann Joachim Wagner etwa bei Besprechungen Karten und Einsatzpläne zeigen oder das Covid-19-Dashboard des Robert-Koch-Instituts checken. „Der tägliche Blick auf die aktuellen Fallzahlen ist längst normal“, sagt Wagner. In seinem Job muss man den Überblick behalten: Seit Ende Juli ist der 42-Jährige der neue Kreisbrandmeister. Damit löst er Werner Vogel ab, der in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Mitten in einer Pandemie diesen Posten zu übernehmen, ist gewiss nicht leicht. Aber Wagner geht seine neuen Aufgaben mit Elan an. Zu seinen Themen gehört zum Beispiel die Unterstützung der Feuerwehren bei Förderanträgen, wenn etwa neues Gerät angeschafft werden soll. Der Kreisbrandmeister muss eine Art Prioritätenliste erstellen. Überdies stehe die Einführung einer neuen Software an: „Da geht es jetzt um Schulungen und Übungen.“ Auch der Digitalfunk steht auf Wagners Agenda – um den Landkreis mit neuer Technik gut auszustatten und zu vernetzen. Vieles sei von seinem Vorgänger schon maßgeblich vorbereitet worden, „jetzt geht’s an die Umsetzung“.
Ein ausgeklügeltes Hygienekonzept ist wichtig
Auch mit der Rechtsaufsicht über die Leitstelle ist der Kreisbrandmeister betraut: „Gerade in einem Flächenlandkreis wie hier geht es darum, am Einhalten der Hilfsfristen weiterzuarbeiten“, erklärt er. Wagner muss neue Feuerwehrfahrzeuge abnehmen, er berät bei Anschaffungen und vielem mehr.
Ein anderes Thema ist die Ausbildung in der Feuerwehr. Allein im aktuellen Jahr hätten rund 80 Teilnehmer die vier angebotenen Lehrgänge in der Grundausbildung absolviert, berichtet Wagner. Allerdings habe es rund 130 Anmeldungen gegeben. „Wegen Corona konnten wir aber erst im Juli mit dem ersten Lehrgang anfangen“, erklärt der Kreisbrandmeister, „und natürlich nur mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept: Also alle Praxisteile mit Mund-Nasen-Schutz, täglich Temperatur messen, Handdesinfektion, regelmäßiges Lüften, Theorieteile in der Fahrzeughalle statt in einem kleinen Raum und so weiter.“
Sowohl die Teilnehmer, die meist zwischen 17 und 20 Jahre alt sind, als auch die Ausbilder seien „hochmotiviert“ bei der Sache gewesen, hätten sich streng an die Regeln gehalten. Das sei, gerade bei der Feuerwehr, essenziell, macht Wagner klar: „Wir müssen ja Einsatzbereitschaft gewährleisten. Denn die Einsätze nehmen keine Rücksicht auf Corona.“
Wagner möchte sich für mehr Ausbilder und mehr Standorte einsetzen. „Nachwuchsarbeit ist ein Riesenthema“, sagt er. Die Pandemie macht dies nicht gerade einfacher. „Wir haben bei den Jugendfeuerwehren nach den Sommerferien zunächst vorsichtig wieder angefangen – und jetzt steht wieder alles.“
Prägende Zeit als Zivi
Überhaupt sei es mit der Kameradschaft angesichts der gebotenen Kontaktbeschränkungen derzeit „schon problematisch„, räumt Wagner ein. Da fehlt etwas. Auch die üblichen Versammlungen sind kaum möglich.
Immerhin: „Mit der Bürgermeisterrunde in den 30 Gemeinden des Landkreises bin ich jetzt fast durch“, erzählt er von seiner Vorstellungstour der letzten Wochen. Ihm macht es als Kreisbrandmeister Freude, Verantwortung zu übernehmen und zu helfen. Das muss er schon während seiner Zivi-Zeit gespürt haben. Damals, beim DRK in Crailsheim, sei er quasi „mit dem Virus Rettungsdienst infiziert“ worden. Er merkte, dass ihm die Arbeit Spaß macht, dass er auch mit schwierigen und belastenden Situationen gut umgehen kann. Den ursprünglichen Plan, nach der Lehre zum Bau- und Möbeltischler, die er als Innungsbester abschloss, Holztechnik zu studieren, verwarf er. Dafür schlug er eine Karriere in Sachen Rettungsdienst und Feuerwehr ein – beides reizt ihn sehr. „Ich bin jemand, der gerne plant, Konzepte erstellt, in Gruppen arbeitet, mit anderen kommuniziert“, sagt Joachim Wagner und bekräftigt: „Feuerwehr funktioniert nur gut als Team.“
Helfer und Retter mit einem Faible für Skat
Joachim Wagner ist 42 Jahre alt und in Crailsheim aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife machte er in Wallhausen eine Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler. Seinen Zivildienst absolvierte er beim DRK auf der Rettungswache in Crailsheim. Dann machte er eine Ausbildung zum Rettungsassistenten in Göppingen.
Es folgten weitere Ausbildungen wie die Grundausbildung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Branddirektion Stuttgart sowie die Laufbahnausbildung für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst an der Landesfeuerwehrschule. 18 Jahre lang hat Wagner bei der Berufsfeuerwehr Stuttgart gearbeitet, von 2016 an war er Rettungsdienstleiter der Branddirektion Stuttgart.
Unter anderem ist der 42-Jährige zusätzlich als Lehrrettungsassistent qualifiziert und ist staatlich geprüfter Desinfektor. Ende Juli 2020 trat Wagner seinen Dienst als neuer Kreisbrandmeister im Kreis Hall an. Er ist der Nachfolger von Werner Vogel, der sich nach 34 Jahren als Kreisbrandmeister in den Ruhestand verabschiedete.
Über viele Jahre ist Joachim Wagner zu seinem Arbeitsplatz nach Stuttgart per Zug gependelt. Seit 2010 wohnt er in Kirchberg-Lendsiedel. Er ist verheiratet und hat drei kleine Kinder im Alter von fünf, drei und einem Jahr. Früher spielte er in seiner Freizeit aktiv Volleyball im Team der TSG Hall. Das Motorradfahren hat Wagner der Familie zuliebe zunächst aufgegeben. Aber er pflegt daheim in Lendsiedel eine kleine Skatrunde. ⇥blo

