Kultur für Jugendliche im Landkreis Hall: Das können Jugendliche in Schwäbisch Hall, Gaildorf und Crailsheim erleben

Viel Programm ist bei der Langen Kunstnacht in Schwäbisch Hall geboten. Organisiert und geplant wurde sie von (von links) Nina Matheis, Ute Christine Berger und Giovanna Ladeira-Rode vom städtischen Kulturbüro.⇥
Patricia HorvathMehr als 40 Veranstalter bieten am 14. Oktober bei der Langen Kunstnacht in Hall wieder die Möglichkeit, sich mit der Kunstszene in der Stadt auseinanderzusetzen. Aber nicht nur Erwachsene sollen angesprochen werden, sondern auch Jugendliche. Organisiert wird die Kunstnacht von Ute Christine Berger, Nina Matheis und Giovanna Ladeira-Rode vom Kulturbüro der Stadt.
2001 eröffnete die Kunsthalle Würth und Ute Christine Berger war relativ neu in Hall. „Es gab schon einiges in der Kunstszene. Da habe ich gedacht, dass eine Kunstnacht auch noch eine schöne Idee wäre“, erzählt sie rückblickend. Dazu brauchte es jedoch eine größere Menge an Künstlern.
Beliebtes Event
Die Idee traf auf Zuspruch und es fanden sich genügend Teilnehmende. In den vergangenen Jahren ist die Kunstnacht gut besucht. „Weil es keinen Eintritt kostet, liegen keine genauen Zahlen vor. Aber es ist ein sehr beliebtes Event, für das Menschen aus Schwäbisch Hall, aber auch dem Umkreis kommen. Wir spüren sehr großes Interesse.“
Auch speziell für Jugendliche ist etwas geboten. Junge Künstlerinnen und Künstler und DJs treten auf. Zum Beispiel legen die DJs vom Orte-Kollektiv im Haller Kunstverein auf und es gibt Kunstaktionen der neuen Studierenden im Hof vor der Haller Akademie der Künste.
„Aber letztlich gibt es so ein vielfältiges Programm, dass jeder selbst schauen kann, was einen anspricht. Da ist für alle Altersklassen was dabei“, findet Auszubildende Giovanna Ladeira-Rode. „Museen können für Jugendliche erstmal beengend und daraufhin unattraktiv wirken, im Gegensatz dazu ist die Kunstnacht offen gestaltet“, betont Matheis. Es werde ein neuer Blickwinkel auf die Thematik Kunst gezeigt und dass sie nicht langweilig sein muss. „Wir hatten in den vergangenen Jahren immer ein hohes Interesse von Jugendlichen“, berichtet Berger.
Kunstnacht bleibt besonders
Warum wird die Kunstnacht nur alle zwei bis drei Jahre ausgerichtet? „Das liegt daran, dass es sich sonst ein bisschen totlaufen würde und zur Routine würde“, erklärt Berger. Außerdem stecke großer Aufwand dahinter, sodass es keine Luft mehr gebe, um andere Projekte zu planen. „Und so bleibt es auch etwas Besonderes.“ Bereits ein Jahr im Voraus lädt Berger die Teilnehmenden fürs Event nach Hall ein.
„Im Programm gibt es keine Reihenfolge, daher ist es auch so besonders“, fügt Matheis hinzu. Man könne sich im Vorfeld anhand des Flyers ein Programm zusammenstellen. Doch Abstriche sind nötig, „Man kann nicht alles schaffen.“ Wohl aber lade das Event dazu ein, entspannt durch die Stadt zu flanieren.
Auch in diesem Jahr gibt es wieder viele kleine und große Events. „Spektakulär und einzigartig ist für die Kunstnacht das Tanzprojekt von Sabine Kraft auf dem Marktplatz„, weist Ute Christine Berger besonders hin. Die Tänzerin hat die Choreografie selbst entwickelt und „Entlang der Zeit“ genannt.
G57 in Gaildorf: Party und Politik
Für Jugendliche in Gaildorf und den umliegenden Gemeinden gibt es vor allem durch das Jugendzentrum „G57“ in der Gartenstraße regelmäßige Angebote. Dafina Hashani ist die Leiterin dieses Jugendtreffs, das zum Jugendreferat gehört.
Feiern kommt in der Schenkenstadt nicht zu kurz. Vier Mottopartys im Jahr richtet das Jugendzentrum aus, bis Ende 2023 stehen noch zwei im Programm. Die nächste findet am Freitag, 20. Oktober, als Black-and-White-Party statt. Es gibt dann neben Musik und einer Tanzfläche auch alkoholfreie Getränke, unter anderem Cocktails, und Spiele.
Einmal im Monat ist kulturelle Vielfalt pur geboten. Bei der Aktion „Culture Kitchen“ schlagen Jugendliche jeweils ein Land vor, das kulturell und kulinarisch dann einen Abend lang erkundet wird. Es gibt Leckerbissen, traditionelle Musik, einheimische Spiele oder spezielle Tänze oder Sportarten. Das Angebot ist beliebt: „Die Jugendlichen fragen immer nach, wann wir es das nächste Mal machen“, berichtet Hashani. So haben die Teilnehmenden bereits unter anderem Brasilien, Albanien und Indien kennengelernt. Die nächste „Culture Kitchen“ ist Italien gewidmet, ob es Pizza oder Pasta gibt, ist noch nicht entschieden. Beginn ist am Freitag, 29. September, um 17 Uhr.
Zudem gibt es regelmäßig Bastelaktionen. Pokerabende werden immer wieder veranstaltet sowie Filmabende und Ausflüge, beispielsweise zum Bowling oder Lasertagspielen. Für ernste Themen ist beim Jugendbeteiligungsformat „Pizza und Politik“ oder bei „Lass labbern“ Platz. Jugendliche können sich zudem jederzeit melden, um sich mit eigenen Vorschlägen einzubringen.Auf Instagram könnt ihr verfolgen, was im G57 geht: @jugendzentrum_gaildorf
Crailsheim: Jugendliche können sich miteinbringen
Das Crailsheimer Kulturwochenende (nächstes im April 2024) erfreut sich mittlerweile großer Bekanntheit bis weit hinter die Stadtgrenzen. Doch noch bevor das Sommerevent ansteht, findet jährlich um Ostern die Kinder- und Jugendkulturwoche statt. Bei der 14. Auflage lautete das Motto „Fairbinden – Hand in Hand“. In diesem Rahmen wurden rund anderthalb Wochen verschiedenste Programmpunkte angeboten. Von Kochstunden mit Fair-Trade-Produkten bis zum Poetry-Slam im Hangar. Dieser wurde von der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Crailsheimer Jugendbüro veranstaltet. „Für Kinder und Erwachsene gibt es viele Angebote. Jugendliche kommen dagegen oftmals zu kurz. Wir versuchen ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst auszuprobieren und das Programm mitzugestalten“, erklärt Katharina Kalteiß, Leiterin des Jugendbüros.
Schnell ausgebucht
Die Kinder- und Jugendkulturwoche ist nur eines von vielen kulturellen Angeboten für Kinder und Jugendliche in Crailsheim. Das Jugendbüro etwa bietet auch im kommenden Jahr wieder zahlreiche Ferienprogramme wie die Stadtranderholung an. Das Ferienlager im Schönebürgwald findet immer während der ersten beiden Sommerferienwochen statt und zählt zu den beliebtesten im Crailsheimer Raum. Heuer waren innerhalb von fünf Minuten alle Plätze ausgebucht. Für sein Anmeldeverfahren mit der Online-Plattform „Feripro“ wurde das Jugendbüro jetzt sogar für den Digital-Award nominiert, der für innovative digitale Lösungen vergeben wird. Beliebt seien außerdem Ferienprogramme rund ums Essen und Kreativität.
„Unsere Haupttätigkeit gilt den sechs Jugendräumen“, berichtet Kalteiß. Außerdem arbeite das Jugendbüro eng mit dem Jugendzentrum zusammen. Ein gemeinsames Projekt ist der Mädchen*treff. Eingeladen sind neben Mädchen alle, die sich weiblich fühlen. „Dabei wird viel über Mädchen-Themen gesprochen, gemeinsam gekocht oder gebastelt“, verrät die Sozialpädagogin. Das Angebot werde sehr gut angenommen. Auch sonst wären die Jugendräume oft gut besucht, bis zu 120 Jugendliche kommen täglich. Katharina Kalteiß fiebert der Juze-Eröffnung nach dem Brand 2020 entgegen. „Es ist besonders wichtig, dass Jugendliche auch abends in ihrer Freizeit eine Anlaufstelle haben, wo sie etwa zusammen Musik spielen können“, so die Leiterin des Jugendbüros.
Drei Frauen für die Kunst in der Stadt
Am Samstag, 14. Oktober, ist wieder Lange Kunstnacht in Hall. Beginn ist um 18 Uhr und der Eintritt ist frei. Dabei sind die Stationen zu Fuß erreichbar und bis 0 Uhr geöffnet. Mehr als 40 Veranstalter bieten die Möglichkeit, sich mit der Kunstszene in Schwäbisch Hall auseinanderzusetzen. Darunter sind Ateliers, Museen, das Haus der Bildung und vieles mehr.
Ute Christine Berger ist Kulturbeauftragte der Stadt Hall. Sie betreut die Kulturschaffenden der Stadt und kümmert sich auch um die Lange Kunstnacht. 2001 hat sie diese mit vielen Kulturschaffenden zusammen ins Leben gerufen.
Nina Matheis ist seit einem Jahr „die rechte Hand“ von Berger. Außerdem betreut sie die Kammerkonzerte Schwäbisch Hall.
Giovanna Ladeira-Rode ist Auszubildende zur Veranstaltungskauffrau. Seit April ist sie im Kulturbüro. Sie unterstützt unter anderem die Mitarbeiterinnen.
Das Programm gibt’s hier.