Hier sind wir zu Hause: Dreisprachig im Haller Sonnenrain

Die junge Familie vor ihre Doppelhaushälfte im Sonnenrain: Lilach Kuperman-Ott und Holger Ott sowie die Zwillinge Eliana und Benjamin⇥
Thumilan SelvakumaranShakshuka landet häufig auf den Tellern – versunkene Eier in einer Tomatensauce. Daneben gibt es auch mal Hummus oder Hähnchen – israelische und argentinische Köstlichkeiten, nur selten deutsche Gerichte. Das trifft genau den Geschmack von Holger Ott (37) und seiner Ehefrau Lilach Kaperman-Ott (38). Gemeinsam mit den Zwillingen Eliana und Benjamin (3) leben sie seit drei Jahren in einer Doppelhaushälfte im Neubaugebiet Sonnenrain. „Wir wollten eigentlich ein Grundstück kaufen“, sagt die Mutter. Doch der Markt war leergefegt. „Wir haben in der Kreuzäckersiedlung in einer kleinen Wohnung gelebt, als klar wurde, dass wir Zwillinge bekommen. Da musste es dann schnell gehen.“
In Qingdao verliebt
Dass das Ehepaar überhaupt in Hall gelandet ist, verdankt es vielen Zufällen. Holger Ott stammt aus Regensburg, dessen Eltern aus Freiburg. „Hall kannte ich von den Durchfahrten.“ Nach dem Studium zog er erst für Recaro nach Hall, dann 2013 dienstlich weiter in die chinesische Boomstadt Qingdao, wo der Haller Flugzeugsitzhersteller einen neuen Standort eröffnete. Dort traf er dann auf seine künftige Ehefrau, die damals wegen eines Joint-Ventures der Länder von Israel nach China gezogen war. „Wir lebten zwei Jahre zusammen“, berichtet Lilach Kaperman-Ott, deren Eltern argentinischer Abstammung sind.
Doch wo sollten sie ihre Familie gründen? Sie sei sprachlich fitter, knüpfe schneller Kontakte, während er einen gutbezahlten Job hat. In Israel gebe es wenig Industrie, die politische Lage sei schwierig, insbesondere für nicht-orthodoxe Juden. Hall stand 2015 schnell als Ziel fest. Nach einem Jahr Goethe-Institut spricht sie sehr gut Deutsch.
Zu zweit hatte das Paar in den Kreuzäckern genug Platz. Mit der Schwangerschaft wurde der Zeitdruck aber groß. „Auch unsere direkten Nachbarn im Mehrfamilienhaus, mit denen wir befreundet sind, haben eine Immobilie gesucht“, berichtet ihr Mann. Zeitgleich hätten sie ein Objekt eines Bauträgers im Sonnenrain entdeckt. „Erst dachten wir noch, wir interessieren uns für das gleiche Haus.“ Das wäre ein Problem geworden. „Es stellte sich aber heraus, dass sie die linke Doppelhaushälfte wollen, wir die rechte. Das hat super gepasst.“
Als die Zwillinge inmitten der Pandemie geboren wurden, war das Objekt nicht fertig. „Die ersten sieben Monaten wurde es sehr eng in der kleinen Wohnung.“ Corona habe für die frischen Eltern ohne Angehörige im Umfeld aber auch positive Aspekte gehabt. „Ich war durch Homeoffice fast drei Jahre daheim – eine tolle Zeit, auch wenn es manchmal laut war“, sagt Ott, der inzwischen Senior Sales Manager bei Recaro ist. Zudem habe es dadurch geklappt, dreisprachig zu leben. Die Mutter spricht mit den Kindern hebräisch, der Vater deutsch. Untereinander unterhält sich das Paar auf Englisch – wie damals in China.
Nachbarschaft wächst zusammen
Corona lähmte zunächst aber die nachbarschaftlichen Beziehungen. „Hier leben viele Familien, die aus beruflichen Gründen nach Hall gekommen sind“, meint der 37-Jährige. „Denen geht es wie uns. Aber keiner kannte den anderen.“ Seine Frau, die inzwischen als Sachbearbeiterin bei Förch im Homeoffice arbeitet, habe zusammen mit der Freundin nebenan ein Straßenfest organisiert. Das war 2021 – ein großer Erfolg. Denn schlagartig sei ein enges, freundschaftliches Netz gewachsen. Inzwischen helfen sie einander aus, kümmerten sich um die Kinder. „Als ich mit Eliana ins Krankenhaus musste, war mein Benjamin hier gut versorgt“, sagt Lilach Kuperman-Ott.
Sie engagieren sich auch für den Ort, etwa in der Initiative für ein lebens- und liebenswertes Hessental. Sie haben etwa die Unterschriftenaktion gegen den Schulbezirkswechsel der Sonnenrain-Kinder in die Kreuzäcker initiiert. Holger Ott sieht da einen Vorteil von Hall. „Die Stadt ist klein genug, dass man noch gehört wird. In einer Großstadt würde es keinen interessieren, wenn 50 Leute ein Problem haben.“ Daneben schätze er die kurzen Wege, etwa zur Arbeit. „Trotz der kleinen Größe hat Hall aber sehr viel zu bieten.“ Da lasse es sich verschmerzen, dass die Vielfalt an internationalen Restaurants nicht so groß ist.
Auch seine Frau genießt die Angebote, lobt zudem die Hilfsbereitschaft und kurzen Wartezeiten in den Behörden. Aber nicht alles laufe rund, etwa der Mangel an Kita-Plätzen. „Wir haben quasi Stunden nach der Geburt die Zwillinge angemeldet.“ Dennoch mussten sie ein Jahr nach Sulzdorf. Die Kita sei zwar toll. Bei vier Fahrten am Tag seien es aber monatlich 600 Kilometer gewesen. Inzwischen ist das Problem gelöst. Seit vergangener Woche besuchen die Zwillinge den Pfiffikus in Hessental. „Jetzt kann ich sie mit dem Rad bringen.“
Höhepunkt der HT-Sommeraktion ist das Fest am Dienstag, 18. Juli, 18 Uhr, auf dem Haalplatz. Der Kleine Siedershof tritt auf. Die Jugendfeuerwehr bietet Mitmachtstationen. Sieger eines Kindergarten-Malwettbewerbs werden gekürt. Es wird bewirtet. HT-Mitarbeiter stehen für Gespräche bereit. Oberbürgermeister Daniel Bullinger stellt sich auf der Bühne den Fragen des Redaktionsleiters Dr. Marcus Haas. Ab 20 Uhr tritt der Schlagerstar Carmen Lehmann auf. Der Eintritt ist frei.
Das Haller Tagblatt startet zudem eine Online-Umfrage zur Zufriedenheit mit der Entwicklung und den Angeboten in Hall. Abstimmung auf www.meinhallertagblatt.de/hall