Einst und heute im Limpurger Land (Folge 22)
: Letzte Sperrstunde für „das erste Haus am Platze“

Der Gaildorfer Traditionsgasthof „Post-Krone“ schloss am Abend 31. März 1996, es war ein Sonntag  letztmals seine Pforten. Wenig später verschwand das Gebäude vom Stadtbild und wurde durch einen Neubau ersetzt.
Von
Klaus Rieder
Gaildorf
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Postkrone 1970 - einst und heute 2026

Nicht erinnert mehr an den früheren Glanz: Das Gebäude am Marktplatz heute (links) und das Gebäude „Postkrone“ wohl in den früheren 1970er-Jahren mit dem Gasthof und der Stadt-Drogerie Mattheis.

Hanna Klein/Archiv
  • Gaildorfer Gasthof „Post-Krone“ schloss am 31. März 1996 – danach Abriss und Neubau.
  • Ursprung 1843 mit erstem „Postbüro“; nach Stadtbrand 1868 Wiederaufbau mit Gasthof.
  • Um 1912 Umbenennung zu „Post-Krone“, später Drogerie und Apotheke im früheren Post-Bereich.
  • 1945 Beschlagnahmung durch US-Truppen, Saal als Kino genutzt; 1947 startete das „Union-Theater“.
  • Ab späten 1950ern Prägung durch Walter und Ute Thier, prominente Gäste wie Heuss und Genscher.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Anfänge der „Post-Krone“ in Gaildorf reichen zurück bis ins Jahr 1843, als an dieser Stelle Gaildorfs erstes „Postbüro“ eingerichtet wurde. Das Gebäude fiel 1868 dem Stadtbrand zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut und beherbergte danach neben der königlich württembergischen Post auch den Gasthof „Zur Krone“. 1896 verkaufte der Wirt Friedrich Philip das Gebäude an Georg Kreiselmeier, der die Wirtschaft als „Krone-Post“ führte.

Vermutlich um 1912, mit dem Umzug der Post in den Neubau beim Stadtbahnhof, firmierte das Lokal in „Post-Krone“ um. Später, im früheren Post-Bereich, wurde zunächst eine Drogerie eingerichtet, später eine Apotheke. Die „Post-Krone“ warb damals als das „erste Haus am Platze“ und war bekannt durch seine gehobene Küche.  Im Saal wurde getanzt und gelacht. In Wahlkampfzeiten heftig politisiert.

Das erste Nachkriegs-Kino

Der Zweite Weltkrieg stellte eine Zässur dar: Als im April 1945 amerikanische Truppen die Stadt besetzten, wurden die Wirtsleut’ kurzerhand vor die Tür gesetzt, die Räume als Büro und Casino für Offiziere, der Saal als Soldaten-Kino genutzt. Nach Abzug der letzten US-Truppen konnte der Gastbetrieb wieder aufgenommen werden. Und: Hier eröffnete 1947 Emma Mack ihr „Union-Theater“, das erste Nachkriegs-Kino in Gaildorf.

Ab den späten 1950er-Jahren entwickelte sich die „Post-Krone“ unter den Wirtsleuten Walter und Ute Thier zu einer gastronomischen Institution im öffentlichen Leben der Stadt. Hier wurden Feste gefeiert, es wurde getrauert. Vereine wurden aus der Taufe gehoben und Jubiläen begangen. Und nicht selten mischte sich auch Prominenz unters tafelnde und zechende Volk.

Heuss, Genscher und Trenker

In den 1950er-Jahren zählte der erste Bundespräsident Theodor „Papa“ Heuss dazu. Fürsten und Grafen ließen sich auftischen, was Küche und Keller zu bieten hatten. Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher war von der Thierschen Gastlichkeit ebenso angetan wie der leutselige Bergsteiger und Filmemacher Luis Trenker. Die einstigen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Lothar Späth und Erwin Teufel schwärmten von der gutbürgerlichen Küche des Hauses.

Vor rund 30 Jahren, genau am 31. März 1996, schloss die „Post-Krone“ zum letzten Mal. Es war, wie es damals hieß, wirtschaftlich nicht vertretbar, das in die Jahre gekommene Gebäude am Gaildorfer Marktplatz zu sanieren. Die Thiers verkauften das Gebäude. Einige Monate begannen Bagger mit dem Abriss. Das das Stadtbild prägend Gebäude wurde durch einen Neubau ersetzt.