Einst und heute im Limpurger Land (Folge 12): Doppelmord am ersten Hochzeitstag

Das Haus Schloss-Straße 15 auf dem Hallengelände in Gaildorf – früher das Haus Lienhardt – wurde 2008 abgebrochen. Im Hintergrund ist die Körhalle zu erkennen, die im Mai 2008 saniert wurde.
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Die Körhalle auf dem Hallengelände in Gaildorf heute.
Klaus RiederNur noch eine Freifläche findet sich dort, wo einst in Gaildorf das Haus Schloss-Straße 15 stand. Im Jahr 2008 wurde es abgebrochen. Kaum ein anderes Gebäude in Gaildorf blickt auf eine so bewegte Geschichte zurück wie dieses Haus und seine Bewohner.
Als Ruhesitz hatte sich Steuersekretär Heinrich Krautter im Jahr 1927 in seinem kleinen Garten an der Schloss-Straße ein Einfamilienhaus errichtet. Die Hallen und den Sportplatz gab es damals noch nicht. Erst 1952, als Graf Gottfried von Pückler-Limpurg den Lindengarten und die Rennwiese – zusammen fast 1,5 Hektar – der Stadt schenkte, konnte das Hallengelände mitten in Gaildorf entstehen. Krautter und seine Frau Emilie starben 1946 beziehungsweise 1956 kinderlos. Mit Mitteln der Eugen-Heller-Stiftung kaufte die Stadt das Haus 1957 den Erben ab; zu diesem Zeitpunkt befanden sich darin zwei Wohnungen, und sie vermietete es.
Am 2. Mai 1966 erschreckte eine Schlagzeile im Kocherboten die Bevölkerung im Limpurger Land: „Blut floss am ersten Hochzeitstag“. Ein 25-jähriger Polizeihauptwachtmeister hatte in der Nacht zum 1. Mai 1966 in dem Gebäude bei einem Verwandtschaftsbesuch mit seiner Dienstpistole geschossen. Sein Schwager war sofort tot, die Schwiegermutter starb am folgenden Tag, und eine dritte Person wurde schwer verletzt. 1974 bezog Ernst Lienhardt – von 1954 bis 1974 Hausmeister in der heutigen Limpurg-Halle – das Haus gemeinsam mit seiner Frau als Ruhesitz. Lienhardt, der wegen seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus zeitweise im Konzentrationslager inhaftiert gewesen war, engagierte sich über Jahrzehnte als aktiver Turner, Turnwart und Ehrenmitglied in mehreren Vereinen der Stadt. Er starb 2004 im Alter von 95 Jahren. Nachdem es am 5. Dezember 2007 in dem Gebäude gebrannt hatte, wäre eine Renovierung unverhältnismäßig teuer geworden. Das Haus musste schließlich abgebrochen werden, wodurch eine Neugestaltung des Hallengeländes möglich wurde.