Einst und heute im Limpurger Land (29): In der Murrhardter Karlstraße wurde Geschichte geschrieben

Ein Blick in die Murrhardt Karlstraße am 31. März 1965. Links ist das Gebäude mit der Brot- und Feinkostbäckerei Richard Wanner zu erkennen. Dieses, wie auch die anderen Gebäude auf dieser Straßenseite sind heute verschwunden. Rechts ist der Gasthof „Sonne-Post“. Neun Jahre nach dieser Aufnahme zog dort während der Weltmeisterschaft 1974 die polnische Fußball-Nationalmannschaft ein.
Archiv- In der Karlstraße Murrhardt begann am 20. Juni 1945 in der „Sonne-Post“ der Wiederaufbau.
- Dort tagten die Landräte Nordwürttembergs – erste Konferenz der US-besetzten Zone.
- 1974 wohnte die polnische Nationalmannschaft während der WM im Gasthof.
- Die linke Straßenseite von 1965 ist verschwunden, Neubauten prägen heute die Karlstraße.
- Die Stadt kaufte 1994 die „Sonne-Post“ und sanierte sie 2016 zu Wohn- und Geschäftshaus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Karlstraße in Murrhardt wird heute von Neubauten dominiert. Die „Sonne-Post“ und das Gebäude dahinter wurden grundlegend saniert.
Klaus RiederDer Blick aus der Murrhardter Hauptstraße in die Karlstraße am 31. März 1965. Es dürfte ein kühlerer Tag gewesen sein, worauf die Kleidung des Jungen und der Frau schießen lässt. Auf der linken Straßenseite befand sich damals die Brot- und Feinbäckerei Richard Wanner.
Zum Sortiment der Bäckerei gehörten auch Produkte von Eszet, benannt nach den Gründern Staengel und Ziller. Das bekannteste Produkt der 1857 in Untertürkheim gegründeten Kakao- und Schokoladenfabrik waren die Eszet-Schnitten – dünne Schokoladentafeln, die gerne als Belag für Brot oder Brötchen genutzt wurden. 1975 wurde die Marke Eszet vom Kölner Stollwerck-Konzern aufgekauft und fortan von diesem produziert, während der Betrieb in Untertürkheim stillgelegt wurde. Im Schaufenster ist auch eine Werbung für Onko-Kaffee zu erkennen. Diese Marke wurde im Jahr 1950 von der Kaffee HAG aus Bremen auf den Markt gebracht.
Sowohl dieses Haus mit der Bäckerei als auch die anderen Gebäude auf dieser Straßenseite sind heute verschwunden. Auch auf der rechten Straßenseite hat es im Laufe der Zeit einige Veränderungen gegeben. Das markante Gebäude ist die „Sonne-Post“, deren Geschichte im Jahr 1843 begann. Im 20. Jahrhundert war das Haus weit über den Landkreis hinaus für seine gehobene Gastronomie bekannt – was vielleicht auch ein Grund für ein ganz besonderes Ereignis: Am 20. Juni 1945, rund sechs Wochen nach der Kapitulation des Deutschen Rechs, fand in der „Sonne-Post“ die historische erste Landrätekonferenz der amerikanisch besetzten Zone statt. Unter der Leitung von Regierungsdirektor Friedrich Landfried trafen sich dort die Landräte Nordwürttembergs. Dieses Treffen gilt in der Geschichtsschreibung als Meilenstein und als Beginn des demokratischen Wiederaufbaus im Südwesten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Olympiasieger in der Stadt
Während der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 bezog die polnische Nationalmannschaft Quartier in der „Sonne-Post“, da sie zwei ihrer Gruppenspiele im Stuttgarter Neckarstadion bestritt. Die Polen, zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Sommerspielen in München mit dem 5:0-Sieg gegen Marokko Gewinner der Goldmedaille, belegten am Ende mit einem 1:0-Sieg im kleinen WM-Finale gegen Brasilien den dritten Platz.
Die Stadt Murrhardt kaufte das Gebäude im Jahr 1994 und nutzte den Bofingersaal unter anderem für Gemeinderatssitzungen sowie als Heimat für verschiedene Vereine. Im Jahr 2016 erfolgte schließlich eine umfassende Sanierung in historischem Gewand zu einem modernen Wohn- und Geschäftshaus.