Einst und heute im Limpurger Land (23)
: Mammut, Ziegel und Reisebus

Auf dem Gelände der Ziegelei Grotz in Gaildorf wurden Stücke aus prähistorischer Zeit gefunden. Heute ist dort ein Busdepot.
Von
Klaus Rieder
Gaildorf
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Ziegelei Grotz  Schillerstraße Gaildorf - Einst und heute

Die Ziegelei Grotz in der Gaildorfer Schillerstraße Gaildorf im Juni 1997 kurz vor dem Abriss.

Klaus Rieder
  • Auf dem Gelände der früheren Ziegelei Grotz in Gaildorf steht heute ein Busdepot.
  • Die Ziegelei wurde 1527 erstmals erwähnt, der Betrieb endete 1979 nach über 450 Jahren.
  • Zwischen 1934 und 1940 wurden dort fossile Funde wie Mammut- und Nashornreste entdeckt.
  • 1995 wurde das Anwesen verkauft, 2004 entstand der Betriebshof der Firma Omnibus Hofmann.
  • Die Ziegelei war einst ein bedeutender Arbeitgeber mit bis zu 50 Saisonkräften.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Busunternehmen Hofmann Gaildorf - Serie einst und heute (21)

Heute befindet sich an dieser Stelle das Depot des Busunternehmen Hofmann.

Klaus Rieder

Schon 1527 lässt sich in Gaildorf eine Ziegelei nachweisen. Die Ziegelhütte befand sich meistens etwas entfernt vom Ort wegen der Brandgefahr, die vom ständig in Betrieb befindlichen Brennofen ausging. Im Jahr 1867/68 wurde an der Straße nach Münster, der heutigen Schillerstraße, ein zweistöckiges Wohn- und Ziegeleigebäude errichtet. Richard Grotz erwarb etwa 1903 die Ziegelei und begann mit dem Umbau der Wohnräume und der Einrichtung von Büroräumen. 1904 wurde das große Trockengebäude um ein zweites Stockwerk erhöht. Der Betrieb florierte, in der Saison wurden bis zu 50 Arbeiter beschäftigt. Nach dem Tod von Richard Grotz im Jahr 1964 führte seine Tochter Lore zusammen mit ihrem Ehemann, dem Obstbauinspektor Gotthilf Koch, den Betrieb weiter. Als die Ausbeutung der Lehmgrube in seinem Anwesen dem Ende zuging und weiterer Grunderwerb nicht möglich war, begann der umtriebige Unternehmer mit einem Baustoff- und Kohlenhandel, dem später auch noch Heizöl angegliedert wurde. Koch pflanzte auf dem Gelände nach modernen Gesichtspunkten eine Obstanlage.

Im Lauf der Jahre verfielen die ungenutzten Gebäude der Ziegelei. In den 1970er Jahren mussten Teile des Trockengebäudes und später auch der Kamin abgebrochen werden. Gotthilf Koch war 74 Jahre alt, seine Frau Lore 65, als sie 1979 den Baustoff- und Kohlenhandel aufgaben. Ihr Sohn Richard hat sich nach Studium und Promotion beruflich anders orientiert und verkaufte 1995 das Anwesen. 2004 entstand der Betriebshof der Firma Omnibus Hofmann.

Zwischen 1934 und 1940 gab es auf dem Gelände der Ziegelei sensationelle Funde aus der grauen Vorzeit. Der damalige Gaildorfer Schüler und spätere Paläontologie-Professor und Crafoord-Preisträger Adolf Seilacher fand in den Grotz'schen Gruben einen 1,50 Meter langen Mammut-Stoßzahn, Mammutbackenzähne, den Unterkiefer-Rest eines Riesenhirsches, den Zahn eines Wildpferdes, mehre Zähne eines Urrindes und den Kiefer eines wollhaarigen Nashorns – alles zwischen 20 000 und 50 000 Jahre alt.