Einst und heute im Limpurger Land (18)
: Politisches Pokerspiel um Honkling

Nur drei Monate gehörten die ehemaligen Unterroter Ortsteile Honkling und Wildgarten ab dem 1. Januar 1972 zur Stadt Gaildorf.  Nach einem weiteren Bürgerentscheid „wechselten“ die Ortschaften zum 1. April 1972 zur Gemeinde Gschwend.
Von
Klaus Rieder
Gschwend
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Honkling einst (ca 1985) und heute 2026

Die Luftbildaufnahme von Honkling in schwarz-weiß entstand etwa im Jahr 1985.

Klaus Rieder/Martin Bohn
  • Kommunalreform zum 1. Januar 1972 ordnete Gemeinden und Kreise in Baden-Württemberg neu.
  • Unterrot kam mit Honkling und Wildgarten zunächst zur Stadt Gaildorf – für drei Monate.
  • Strategischer Plan: Erst Eingemeindung nach Gaildorf, danach Wechsel von Honkling und Wildgarten.
  • Abstimmungen: 522:437 für Gaildorf, später 139:38 der beiden Orte für Gschwend.
  • Vertrag mit Gschwend versprach Kindergartenbeförderung, Sportplatz und Fußweg; der Fußweg fehlt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zum 1. Januar 1972 trat die große Kommunalreform in Baden-Württemberg in Kraft, durch die neue Verwaltungseinheiten auf Gemeinde- und Kreisebene gebildet wurden. Die zuvor zum aufgelösten Landkreis Backnang gehörende Stadt Gaildorf und die Gemeinde Unterrot wurden dem vergrößerten Landkreis Hall zugeschlagen, während sich die Gemeinde Gschwend für den neuen Ostalbkreis entschied.

Honkling und Wildgarten kamen zum Jahreswechsel mit Unterrot zur Stadt Gaildorf. Doch schon drei Monate später, zum 1. April 1972, „wechselten“ die beiden Ortschaften zur Gemeinde Gschwend.

Dem war ein politisches Pokerspiel vorausgegangen: Bei der Unterroter Bürgerversammlung am 26. November 1971 warb Gaildorfs Bürgermeister Hans König für die Eingemeindung Unterrots nach Gaildorf. Eine kaum versteckte Zusage ging dabei an die zu Gschwend tendierenden Bürger aus Honkling und Wildgarten, deren Wünschen wohlwollend zu prüfen.

522:437-Stimmen für Gaildorf

Jahre später beschrieb König seine Strategie: Wollte Unterrot selbstständig bleiben, konnte es auf Honkling und Wildgarten nicht verzichten - Gaildorf dagegen schon. So sollten die Bürger aus Honkling und Wildgarten zunächst für die Eingemeindung von Unterrot nach Gaildorf stimmen und in einer späteren Abstimmung dann für den Wechsel von Gaildorf nach Gschwend. Die Rechnung ging auf: Im Dezember 1971 votierten die Unterroter mit 522:437-Stimmen für die Eingemeindung nach Gaildorf.

139:38-Stimmen für Gschwend

Ohne die Stimmen aus Honkling und Wildgarten hätte es für die Gaildorfer Pläne kaum gereicht. Beim Bürgerentscheid am 27. Februar 1972 stimmten die Bürger aus Honkling und Wildgarten bei einer Wahlbeteiligung von 84 Prozent mit 139:38 für Gschwend.

Gegenüber der Vereinbarung zwischen der Stadt Gaildorf und Unterrot konnten Honkling und Wildgarten im neuen Vertrag noch einige weitere Punkte festschreiben lassen: Gschwend verpflichtete sich dazu, „geeignete Beförderungsmöglichkeiten zum Besuch des Kindergartens in Gschwend zu schaffen“, einen Sportplatz in Honkling zu anzulegen sowie entlang der Straße von der B 298 in den Ort einen Fußgängerweg zu bauen.

Versprochener Fußweg fehlt bis heute

Zumindest der Fußweg lässt bis heute auf sich warten. Die beiden Aufnahmen entstanden aus leicht unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Vergleich zwischen der Aufnahme aus dem Flugzeug (etwa von 1985) und der Drohne zeigt überwiegend kleinere Veränderungen. Ältere Gebäude wurden abgerissen und durch neue ersetzt. Neubauten gab es in Baulücken und im Bereich der Altäckerstraße.