Weihnachtsgruß der Pfarrer: Vom Licht, das der Dunkelheit das letzte Wort nimmt

Unten liegen die Häuser still in der Dunkelheit, während von oben ein weiter Bogen aus warmem Licht herabstrahlt. Dieses Bild wirkt wie ein leises Versprechen: Über uns – Frieden und Licht, schreibt Pfarrer Harald Gehrig in seinen Gedanken zu Weihnachten.
Über uns Frieden und Licht, 2Design, Copyright Beuroner Kunstverlag.- Die Pfarrer Harald Gehring und Lorenz Kohl thematisieren zu Weihnachten die Sehnsucht nach Frieden.
- Sie erinnern daran, dass Gottes Licht und Frieden auch in schwierigen Zeiten Hoffnung schenken.
- Das weihnachtliche Licht steht für Orientierung, Trost und die Botschaft: „Ich muss nicht alles alleine tragen.“
- Weihnachten wird durch kleine Gesten spürbar, die Hoffnung, Versöhnung und Miteinander fördern.
- Die Weihnachtsbotschaft ermutigt, auf das Licht und den Frieden Gottes zu vertrauen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Liebe Leserinnen und Leser,
ein heller Stern breitet sein Licht über einer kleinen Stadt aus. Unten liegen die Häuser still in der Dunkelheit, während von oben ein weiter Bogen aus warmem Licht herabstrahlt. Dieses Bild wirkt wie ein leises Versprechen: Über uns – Frieden und Licht.
Es ist ein passendes Motiv für diese Weihnachtszeit. Denn auch wenn die Vorfreude auf das Fest vielerorts spürbar ist, erleben wir zugleich, wie sehr die Welt und das persönliche Leben vieler Menschen belastet sind. Internationale Konflikte, politische Spannungen und Kriege prägen täglich die Nachrichten. Gewalt und Hass scheinen mancherorts lauter zu sein als die Stimmen der Vernunft. Auch im Alltag spüren viele Menschen Unsicherheit – durch steigende Kosten, berufliche Herausforderungen oder Sorgen um Gesundheit und Familie.
So zeigt uns das Weihnachtsbild etwas sehr Gegenwärtiges: eine Stadt, lebendig und vielfältig, und dennoch von Dunkelheit umgeben. Und vielleicht erkennen wir darin etwas von unserer eigenen Situation wieder.
Gerade deshalb berührt uns das Licht des Sterns so sehr. Es steht für eine Botschaft, die seit über zweitausend Jahren unverändert gilt: Gott kommt in unsere Welt – nicht in eine perfekte, sondern in eine, die Orientierung sucht und Frieden braucht. Weihnachten geschieht nicht in einer unbeschwerten Idylle, sondern mitten in der Wirklichkeit, mit all ihren Brüchen und Fragen.
Der Stern im Bild erinnert daran: Das göttliche Licht fällt nicht nur auf heilige Orte, sondern auf unsere Häuser, Straßen, Wege. Es erreicht die Orte, an denen Menschen leben, arbeiten, hoffen, zweifeln. Dieses Licht verändert nicht sofort die Welt, aber es schenkt einen neuen Blick. Es lädt uns ein zu vertrauen, dass Dunkelheit nicht das letzte Wort hat.
Der Glaube, dass Licht stärker ist als die Nacht
„Über uns – Frieden und Licht“ bedeutet deshalb auch eine Haltung: Wir können die Welt nicht im Alleingang heller machen, aber wir können uns vom Licht berühren lassen und es weitertragen. Weihnachten erinnert uns daran, dass selbst kleine Gesten eine große Wirkung haben können.
Weihnachten wird dort spürbar, wo Menschen einander zuhören, wo jemand einem anderen beisteht, wo Versöhnung gesucht wird, auch wenn nicht alle Fragen geklärt sind, wo jemand Hoffnung sät – durch ein Wort, eine Geste, eine unerwartete Freundlichkeit.
Solche Momente sind wie Funken des Lichts, das im Weihnachtsbild so eindrücklich dargestellt ist. Und sie entstehen nicht aus eigener Kraft allein, sondern wachsen oft aus der Erfahrung, getragen und gehalten zu sein.
In den Tagen vor Weihnachten sehnen sich viele nach solchen Zeichen. Das weihnachtliche Leuchten, das Kerzenlicht, die festliche Musik – all das berührt uns nicht nur emotional, sondern erinnert uns an etwas Tieferes: an die Möglichkeit von Frieden, an den Wert des Miteinanders, an den Glauben, dass Licht stärker ist als die Nacht.
Darum ist die Botschaft dieses Bildes nicht nur ein schöner Gedanke, sondern eine Einladung. Eine Einladung, innezuhalten und zu fragen: Wo ist das Licht in meinem Leben? Wo kann ich selbst zum Licht für andere werden? Und wo erlebe ich Momente, in denen ich spüre: Ich muss nicht alles alleine tragen?
Ich wünsche uns, dass der Stern von Bethlehem auch in diesem Jahr ein Licht in unsere Dunkelheit bringt. Dass Gottes Frieden unsere Herzen erreicht. Und dass das Jahr 2026 reich wird an Augenblicken, in denen wir sagen können: Über uns – Frieden und Licht. Möge dieses Licht uns stärken und begleiten – an Weihnachten und weit darüber hinaus.
Pfarrer Harald Gehrig, Leitender Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Ehingen-Stadt
Das Licht ist nicht laut, es drängt sich nicht auf
Es gibt diesen Moment im Gottesdienst an Heiligabend,
wenn die Lichter gedimmt werden und nur noch Kerzen brennen. Ein warmes, stilles Leuchten breitet sich im Kirchraum aus. Vielleicht ist es gerade dieser Augenblick, der mich jedes Jahr am tiefsten berührt: wenn es ganz ruhig wird – und doch so voll an Erwartung.
Denn selten im Jahr spüren wir deutlicher als an Weihnachten, wie sehr wir nach Licht suchen. Nach Orientierung. Nach Hoffnung. Nach einem Zeichen, dass es heller werden kann – in der Welt und in unserem eigenen Leben.
Dieses Jahr habe ich das besonders empfunden. Vielleicht, weil so vieles unruhig ist: politisch, gesellschaftlich, manchmal auch in unseren Familien oder ganz persönlich. Manches bereitet schließlich Sorgen, manches macht müde. Und nicht alles lässt sich einfach durch festliche Stimmung überdecken.
Aber genau in diese Unruhe hinein spricht die Weihnachtsbotschaft ihr erstes Wort: „Fürchtet euch nicht.“ Es ist kein Befehl, sondern eine Zusage an die Menschen: Ihr müsst nicht gefangen bleiben in dem, was euch beschwert. Gott kommt zu euch – nicht erst, wenn alles geordnet ist, sondern mitten hinein in euren Alltag, mit allem, was schwierig, unvollkommen oder auch dunkel geblieben ist.
Gott ist da. Für dich. Heute.
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ So verheißt es der Prophet Jesaja. Dieses Licht ist nicht laut. Es drängt sich nicht auf. Es zeigt sich in einer Krippe, in einem Kind, in einem neuen Anfang, der kaum größer ist als eine Kerzenflamme. Aber wie eine Kerze den ganzen Raum verändern kann, so verändert dieses kleine Licht unsere Welt: Es macht Mut, es wärmt, es lässt uns die Schatten anders sehen.
Und so hoffe ich, dass Sie in diesen Weihnachtstagen einen Moment finden, in dem dieses Licht ganz persönlich zu Ihnen spricht – vielleicht beim Singen eines bekannten Liedes, vielleicht in der Stille zwischen zwei Begegnungen, vielleicht beim Blick auf den Christbaum oder beim Lesen der Weihnachtsgeschichte. Einen Moment, in dem Sie spüren: Gott ist da. Für dich. Heute.
In diesem Vertrauen wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest – voller Licht, das bleibt.
Lorenz Kohl, Pfarrer für die beiden Evangelischen Kirchengemeinden Weilersteußlingen und Ehingen
