Was lange währt, wird endlich gut: Am Mittwoch hat das Ingenieurbüro Fichtner, das im Auftrag der Gemeinde Lauterach das Strukturgutachten zur Wasserversorgung erstellt hat, seinen Abschlussbericht vorgelegt – inklusive einer Präsentation, welche die beiden Optionen Beibehalt der Eigenwasserversorgung und Anschluss an die Bussenwasserversorgungsgruppe gegenüber stellt. Am kommenden Sonntag, 19. April, sind die Lauteracher aufgerufen, im Rahmen eines Bürgerentscheids zu wählen, welche Variante sie für die Zukunft der Wasserversorgung in ihrem Ort wollen. Entsprechend groß ist das Interesse an der Präsentation.

Ergebnisse des Gutachtens lagen am Freitag im Rathaus aus

Es sei allerdings „aus urheberrechtlichen Gründen“ nicht möglich, das Ergebnis über die Homepage oder eine Verteilung an die Haushalte publik zu machen, informiert Lauterachs Bürgermeister Bernhard Ritzler im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde. Stattdessen liege nun eine Druckversion im Rathaus aus – „wer diese unbedingt einsehen“ wolle, hatte am Freitag bis 18 Uhr Gelegenheit dazu. Eine Einsichtnahme geschehe angesichts der Corona-Pandemie auf eigene Gefahr und sei nur einzeln möglich, hieß es im Mitteilungsblatt.

Manche trauen sich aus gesundheitlichen Gründen nicht

Unter den Lauterachern wurde dieser Umstand am Freitag intensiv diskutiert. Dass ausgerechnet in Zeiten der Corona-Krise ein Besuch auf dem Rathaus erforderlich sei, um vor dem Bürgerentscheid wichtige Informationen zu erhalten, sorgte bei einigen für Unverständnis und Unmut. So gebe es zahlreiche ältere Mitbürger, die gerne die Informationen sehen wollten, sich aber aus gesundheitlichen Gründen nicht aufs Rathaus trauten.

Büro Fichtner: Gutachten nicht für die Allgemeinheit geschrieben

Konstantin Wycisk, der die Gemeinde Lauterach von Seiten des Büros Fichtner betreut, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung Ritzlers Darstellung – eine Veröffentlichung der Ergebnisse sei tatsächlich nicht möglich. Sie mache aber auch gar keinen Sinn, denn: „Das Gutachten ist nicht für die Allgemeinheit geschrieben“, sagt Wycisk. Eine unkommentierte Verteilung der Ergebnisse würde deshalb niemandem helfen. Aus diesem Grund habe er Ritzler den Kompromiss mit der Auslegung im Rathaus vorgeschlagen. „Ich hätte die Ergebnisse sehr gerne selbst den Lauterachern vorgestellt“, sagt Wycisk. Leider musste die geplante Bürger-Informationsveranstaltung wegen des Coronavirus ausfallen.

Fichtner untersuchte beide Varianten detailliert

Unserer Zeitung liegen sowohl die Präsentation als auch das Gutachten in digitaler Form vor. Letzteres betrachtet auf 92 Seiten inklusive Anlagen detailliert die finanziellen Folgen sowohl eines Beibehalts der Eigenwasserversorgung als auch eines Anschlusses an die Bussenwasserversorgungsgruppe, kurz Buwag. Auch beleuchtet das Büro Fichtner, was auf Lauterach zukäme, sollte die Gemeinde ohne Rechtenstein an den eigenen Quellen festhalten.

Fazit: Investitionskosten „ähnlich“, Eigenwasser im Betrieb günstiger

Unter dem Strich lautet das Fazit der Ingenieure: Die erforderlichen Investitionen für beide Alternativen sind mit 1,59 Millionen Euro für die Eigenwasserversorgung beziehungsweise 1,63 Millionen für den Anschluss an die Bussenwasserversorgung „sehr ähnlich“. Die laufenden Betriebskosten fallen mit 30 000 Euro pro Jahr für das Eigenwasser aber deutlich günstiger aus als bei einem Bezug des Bussenwassers (54 000 Euro pro Jahr).
Allerdings müsse man im Blick behalten, dass bei einem Anschluss an die Bussenwassergruppe die wesentlichen Anlagen der Wasserversorgung nach einer gewissen Frist an die Buwag übergehen und in der Folge auch diese notwendige spätere Investitionen finanzieren müsse. „Bei Beibehalt der Eigenwasserversorgung verbleiben alle Anlagen im Eigentum der Gemeinde. Anfallende Kosten für Re-Investitionen sind durch die Gemeinden zu erbringen“, heißt es im Gutachten. Für die Sanierung des Wolfstalbrunnens, des Pumpwerks Wolfstal, der bestehenden UV-Anlage und des Fassungsbereichs der Boschäckerquelle sind entsprechend Kosten in Höhe von insgesamt rund 322 000 Euro angesetzt.

Beide Anlagen auf 50 Jahre gleich wirtschaftlich

Im Ergebnis seien beide Alternativen über einen Betrachtungszeitraum von 50 Jahren gleich wirtschaftlich, lautet das Fazit der unabhängigen Ingenieure weiter. Sollten die laufenden Kosten jährlich stark zunehmen, ergäben sich daraus wirtschaftliche Vorteile für den Beibehalt der Eigenwasserversorgung.
Bürgerentscheid Wasserversorgung Lauterach Klares Votum für das Bussenwasser aus Rechtenstein

Rechtenstein

Eigenwasser auch ohne Rechtenstein möglich

Sollte sich Lauterach für einen Erhalt der Eigenwasserversorgung entscheiden und Rechtenstein in der Folge aus dem Vertrag aussteigen und zur Buwag oder einem anderen Versorger wechseln, könnte Lauterach die eigenen Quellen laut Fichtner auch alleine weiterhin betreiben. Der Eigenanteil der Gemeinde Lauterach für die Ertüchtigung der bestehenden Anlagen fiele in diesem Fall aufgrund eines höheren Fördersatzes sogar um einige tausend Euro günstiger aus. Die laufenden Kosten indes änderten sich gemäß Gutachten „nur unwesentlich“ von 57 Cent pro Kubikmeter Wasser mit Rechtenstein auf 72 Cent je Kubikmeter ohne.