Übernahme in Munderkingen
: Chinesisches Unternehmen kauft insolvente Perlon-Gruppe

Die deutsche Chemie ist in einer schwierigen Lage, geplagt von hohen Kosten, schwachem Weltmarkt und chinesischer Konkurrenz. Perlon sucht sein Heil bei einem chinesischen Käufer. Was das für die Mitarbeiter bedeutet.
Von
dpa
Munderkingen, Ulm, München, Bobingen, Waldmichelbach
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Insolvenz von Perlon / Hahl Filaments: Am Standort Munderkingen sind 162 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Perlon-Sitz in Munderkingen. Hier hatte das Unternehmen vor der Insolvenz 162 Mitarbeiter beschäftigt. Am 8.6. wurde bekannt, dass die Gruppe von einem chinesischen Unternehmen übernommen wird.

Pressebüro Emmenlauer

Ein chinesischer Käufer übernimmt das insolvente Chemie-Traditionsunternehmen Perlon: Die Perlon-Gruppe mit sieben Gesellschaften in Deutschland, Polen und China geht an die Wuxi Yinda Nylon Company.

Das teilte die mit der Sanierung beauftragte Ulmer Anwaltskanzlei SGP Schneider Geiwitz mit. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Rund 450 der insgesamt rund 510 Arbeitsplätze an den drei deutschen Standorten sollen erhalten bleiben.

Die Gruppe ist in folgenden Städten vertreten:

  • Munderkingen bei Ehingen
  • Bobingen bei Augsburg
  • Waldmichelbach in Hessen

Der Verkauf ist den Angaben der Anwaltskanzlei zufolge bereits vollzogen. Die Website der Firmengruppe ist aktuell im Wartungszustand und liefert keine weiteren Informationen.

Insolvenzverfahren im vergangenen Jahr

Bisheriger Perlon-Eigentümer war die Serafin-Gruppe, ein der Augsburger Unternehmerfamilie Haindl gehörender Finanzinvestor mit Sitz in München. Die Perlon-Gruppe war 2025 in finanzielle Schwierigkeiten geraten, am 1. Oktober hatte das Amtsgericht Augsburg das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Die Gruppe stellt Kunststofffasern unter anderem für Papiermaschinen, Bürsten und Medizintechnik her.

Die Chefetage bei Serafin hatte dann offenkundig entschieden, sich von der Perlon-Gruppe zu trennen, Wuxi Yinda setzte sich demnach in einem internationalen Investorenprozess durch. Der Käufer ist laut SGP Schneider Geiwitz ein familiengeführtes Chemieunternehmen. Ansonsten finden sich über Wuxi Yinda nur sehr spärliche Informationen im Netz.

Lage der Chemiebranche sehr angespannt

Die deutsche Chemieindustrie ist in der schwierigsten Situation seit Jahrzehnten, auch etliche größere Unternehmen schreiben an ihren deutschen Standorten rote Zahlen. Ursachen sind ein schwacher Weltmarkt, hohe Energie- und Rohstoffkosten in Deutschland und die erstarkte chinesische Konkurrenz. Nach früheren Angaben kämpfte die Perlon-Gruppe mit gesunkener Nachfrage im europäischen Papiermaschinenmarkt ebenso wie mit massiven Energie- und Lohnkostensteigerungen und internationalem Verdrängungswettbewerb.