So mancher kleine und große Kran-Fan träumt davon, selbst einmal eine der riesigen Maschinen steuern zu dürfen. Dafür braucht man allerdings einen speziellen Führerschein – und die Ausbildung zum Kranführer ist aufwändig.
Liebherr in Ehingen verfügt schon länger über ein großes Schulungszentrum, das in Sachen Kran-Führerschein jetzt auf dem neuesten Stand ist: Es kann zum neuen europäischen Mobilkran-Führerschein ECOL (European Crane Operators Licence) ausbilden. Die ersten drei Mobilkranführer haben bereits die Prüfung bei Liebherr absolviert und bestanden, meldet der Kranbauer.

Liebherr Ehingen ist einziges Ecol-Trainingszentrum in Deutschland

Wie Liebherr in Ehingen nun mitteilt, hat das Ehinger Schulungszentrum vom Lloyd’s-Register im März das offizielle Zertifikat zur ECOL-Ausbildung erhalten – und gehört damit nun zu einem ziemlich exklusiven Club: Ehingen ist das erste zertifizierte Trainingsinstitut für den „ECOL Mobilkranführer“ – in ganz Deutschland. Wer woanders die Ausbildung absolvieren möchte, muss lange Strecken in Kauf nehmen: Weitere Standorte gibt es erst in Dänemark und in den Niederlanden.

Europäischer Kranführerschein erhöht Sicherheit

Beim Kranbetrieb mit schwerem Gerät und teils enormen Lasten ist die Sicherheit das oberste Ziel. „Wir wollen Schäden, insbesondere an Personen, vermeiden“, sagte Christoph Behmüller bereits 2019 im Vorfeld der Vorbereitungen zur Zertifizierung für den europäischen Kranführerschein Ecol in einer Unternehmensmitteilung. Behmüller ist Leiter des Liebherr-Schulungszentrums Ehingen und hat als Vorsitzender der zuständigen Arbeitsgruppe beim FEM (European Materials Handling Federation) seit Jahren den europäischen Kranführerschein begleitet.
Dieses Gebot der Sicherheit erfordere nicht nur sichere Krane, sondern auch eine gute Ausbildung der Kranfahrer. Diese hätten Institute, Kranbetreiber und auch Hersteller schon länger mit entsprechenden Schulungsangeboten sichergestellt. Doch bisher fehlten hierzu einheitliche gesetzliche Regelungen.

Kranfahrer können mit Ecol leichter international arbeiten

Deshalb sei der europäische Kranführerschein ECOL ein wichtiger Schritt: Ein international anerkannter Kranführerschein erhöhe die Sicherheit im Kranbetrieb und ermögliche es Kranbetreibern und Kranfahrern, nun einfacher international tätig zu sein.
Die Vorbereitungen zum Ecol reichen lange zurück: Der europäische Kran- und Schwertransport-Verband ESTA (European Association for Abnormal Road Transport and Mobile Cranes) hat schon im Jahr 2013 die Initiative für einen europaweit anerkannten Kranführerschein ergriffen und wurde vom Materialhandling-Verband FEM in Brüssel unterstützt. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet. Dazu gehörten
  • Kranbetreiber
  • Berufsfachgruppen
  • und Hersteller
Sie haben die Inhalte des Führerscheins definiert und einheitliche Standards nicht nur für die Inhalte, sondern auch für Schulungsmethodik und Rahmenbedingungen festgelegt.

Hoffen auf Anerkennung in vielen Ländern

Schulungszentrums-Chef Christoph Behmüller freut sich jetzt entsprechend über die Zertifizierung: „Ich wünsche mir, dass der europäische Kranführerschein von allen Ländern in Europa anerkannt wird und auch in diesen Ländern gemacht werden kann.“ Und er ergänzt: „Der Hauptpunkt ist, die Sicherheit im Kranbetrieb zu gewährleisten. Bei all der Technik darf der Mensch nicht vergessen werden. Wir alle tragen eine große Verantwortung, Hersteller sowie Betreiber. Eine gute Kranfahrerausbildung muss uns viel wert sein.“
ESTA-Direktor Ton Klijn sagte zur Zertifizierung: „Im Namen des ESTA-Aufsichtsrates gratuliere ich Liebherr zu diesem Ergebnis und wünsche seinem Schulungszentrum viele erfolgreiche ECOL-Lehrgänge und zertifizierte Kranführer in der Zukunft.“
Schulung in Zeiten von Corona: Der Inhalt des Bildschirms in der Krankabine wird auf einen externen Monitor übertragen, um die Abstandsregeln einhalten zu können.
Schulung in Zeiten von Corona: Der Inhalt des Bildschirms in der Krankabine wird auf einen externen Monitor übertragen, um die Abstandsregeln einhalten zu können.
© Foto: Liebherr

Zwei Kurse bei Liebherr: So kommt man zum Ecol-Kranführerschein

Der Anspruch an das Ausbildungsniveau des ECOL-Führerscheins sind hoch und entsprechen dem Europäischen Bildungsniveau EQR 3. Der EQR (Europäischer Qualifikationsrahmen) ist eine Initiative der Europäischen Union, die berufliche Qualifikationen und Kompetenzen in Europa vergleichbarer machen soll.
Liebherr bietet im Rahmen des ECOL zwei Kurse an:
  • Einen 3-wöchigen für Mobilkranführer mit mindestens 4 Jahren Berufserfahrung
  • Einen 1-wöchigen Kurs für Mobilkranführer mit mindestens 8 Jahren Berufserfahrung.
  • Im letzterem Fall wird empfohlen, dass davor der zweiwöchige Kurs Mobilkranführer nach BG (Berufsgenossenschaft) bereits bei Liebherr besucht wurde.
Liebherr weist darauf hin, dass das Ehinger Schulungszentrum sich bereits der Corona-Herausforderung gestellt habe. Es gebe umfassende Maßnahmen, so dass Kurse und Schulungen – einschließlich des ECOL-Führerscheins – durchgeführt werden könnten.

Das ist Liebherr in Ehingen

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Die Liebherr-Werk Ehingen GmbH wurde 1969 gegründet. Heute ist der Standort Firmenangaben zufolge Weltmarktführer bei Mobil- und Raupenkranen. Täglich werden sechs Fahrzeugkrane aus Ehingen an Kunden in der ganzen Welt ausgeliefert.
Einige Zahlen und Fakten zum Liebherr-Werk in Ehingen:
  • Gründung: 1969
  • Mitarbeiter: 3.650
  • Gesamtfläche: 885.000 Quadratmeter
  • Überbaute Fläche: 240.000 Quadratmeter.
  • 45 Prozent Weltmarktanteil bei All-Terrain-Kranen
  • 30.000 Mobilkrane aus Ehingen sind weltweit im Einsatz